Im Dezember 2021 berichteten wir nach Bürgeranfragen an dieser Stelle über das Thema Abriss und Neubau Fußgängerbrücke über die Ringbahn von der Sonnenburger zur Schönfließer Straße: Schönfließer Fußgänger-Brücke – Gerüchte und Tatsachen

Am 8.November 2022 hatte der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses Andreas Otto (MdA, Grüne) zu einem Informationstreffen vor Ort geladen, bei dem Mitarbeiter der Senatsverkehrsverwaltung und des Straßen und Grünflächenamtes Pankow interessierten Bürgern Auskunft zum aktuellen Stand der Brückenneubaupläne gaben.

Der Brückenneubau kommt

Herr Arne Huhn von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz, dort für den Brückenbau zuständig, verkündete Eingangs die „gute Nachricht“, dass Baumaßnahme nicht wie manch anderes Brückenbauvorhaben den Einsparungserfordernissen zum Opfer fällt. Das läge vor allem an der Nähe zum dringend notwendigen Neubau der Schönhauser-Allee-Brücke. Die Arbeiten an beiden Brücken sollen parallel und aufeinander abgestimmt stattfinden, um die Zeit der erforderlichen Sperrung der Ringbahn optimal auszunutzen.

Die Planung für den Neubau der Schönfließer Brücke soll Anfang 2023 beauftragt werden. Im Frühjahr 2023 wird eine erste Informationsveranstaltung für die Anwohner*innen stattfinden, so Herr Huhn. In dem Beteiligungsverfahren können sich die Anwohner in die Planung einbringen. Über den aktuellen Stand der Planung und Realisierung kann jedermann sich auf der Webseite der Senatsverwaltung HIER informieren.
Die heutige Brücke bleibt bis zur Inbetriebnahme der neuen Brücke benutzbar. Sie wird erst nach Eröffnung der neuen abgebaut, sagte Herr Huhn. Der Baubeginn wird für Ende 2024 angestrebt.

Nur für Fußgänger und Radfahrer

Der Neubau wird keine Autobrücke werden, sondern die Nutzung wird ausschließlich für den Rad- und Fußverkehr geplant. Die Brücke soll 7 m breit sein und die Nutzungen wie folgt aufgeteilt werden:

  • 0,25 m Sicherheitsabstand zum Geländer
  • 3,00 m Radweg im Zweiwegerichtungsverkehr
  • 0,50 m Sicherheitsabstand
  • 3,00 m Gehweg in Zweirichtungsverkehr
  • 0,25 m Sicherheitsabstand zum Geländer

Lediglich ein Wartungs-Kfz wird die Brücke befahren dürfen. Ob auch eine Freigabe für Rettungsfahrzeuge geplant werden soll, sei noch in der Diskussion.

Mauer und Bäume fallen

Da die derzeitige Mauer zwischen Sonnenburger und dem Bahngraben nicht mir standsicher ist, kann mit ihrer Beseitigung nicht mehr zum Brückenneubau gewartet werden. Der Abriss wird demnächst realisiert. Die Bahnanlagen werden mit einem Zaun gesichert. Im Zuge dieser Maßnahmen werden auch die Bäume an der Mauer beseitigt werden. Der Genaue Termin für diese Arbeiten steht noch nicht fest.

Im Gespräch wurde von Anwohnern diese Nutzungsbeschränkung begrüßt. Es gab aber auch Bedenken, die darauf hinwiesen, dass die Brücke nicht nur ein Transitraum sei, sondern auf Grund seiner Lage auch ein Verweilort für Bürger/innen und insbesondere für Familien mit kleinen Kindern, die den Zugverkehr beobachten. Die angedachte Trennung von Radverkehr und Fußverkehr wird dem nicht gerecht. Es sei besser ähnlich dem Schwedter Steg, eine sehr breite gemeinsame Verkehrs- und Aufenthaltsfläche zu schaffen, die von allen Nutzern Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme erfordert. Die gesonderte zwei Richtungsfahrbahn für Radfahrer lädt zum schnell Fahren und zu einem Vorrangsdenken ein. Damit seien Konflikte der Radfahrer mit Fußgängern und verweilenden Besuchern der Brücke vorprogrammiert.

Dem Vorschlag, die Brücke doch in der Breite der historischen Brücke zu bauen, wurde von anderen Anwohnern und den Amtsmitarbeitern widersprochen: zu teuer; wecke die Begehrlichkeiten auch wieder Autoverkehr über die Brücke zu führe; erhöhe die Gefahr, dass die Brücke zur Partybrücke wird. Denkbar wären eher Balkone mit Sitzgelegenheiten an der Brücke.

Die Versorgungsstränge der Berliner Leitungsbetriebe über den Bahngraben sollen in der neuen Brücke untergebracht werden. Die aktuelle Leitungsbrücke einige Meter westlich der Schönfließer Brücke wird dann abgerissen. Was die Attraktivität der Aussicht nach Westen sehr erhöhen und den Blick auf den Schwedter Steg freigeben wird.

Straßenrampe statt Sonnenburger Platz?

Herr Beuge vom SGA Pankow macht auf das Problem der erforderlichen lichten Höhe des Brückenbauwerks aufmerksam. Auf Grund des erforderlichen Abstandes zu den elektrischen Oberleitungen der Fernbahn muss die Brücke viel höher liegen als das historische Brückenbauwerk. Das hat zur Folge, dass vor allem auf Seite der Sonnenburger Straße die Brücke erheblich höher (> 1m) ankommt und dort eine Auf- bzw. Abfahrtrampe zu errichten ist, die bis zur Koppenhagener Str. auf deren Höhenniveau den Verkehr herabführt. Diese Nachricht hat bei einigen Anwesenden doch für große Beunruhigung gesorgt, weil es seit Jahren Ideen und Vorschläge für die Umgestaltung des öffentlichen Straßenraumes an dieser Stelle zu einem öffentlichen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität, dem „Sonnenburger Platz“, gibt. Durch eine 7 m breite Straßenrampe für den Rad und Fußverkehr (eventuell auch Rettungsfahrzeuge) würde vermutlich dieser Idee die Realisierungschance genommen.

Keine Zwischennutzung

Herr Johnke, der Leiter des SGA Pankow, erteilte auch allen Ideen eines provisorischen temporären Sonnenburger Platzes eine ganz klare Absage. Er werde keinerlei baulichen und straßenrechtlichen Veränderungen am gegenwärtigen Zustand vornehmen, solange nicht völlig geklärt ist, wie das zukünftige Brückenbauwerk und die Anbindung an das Straßenland gestaltet werden. Daran könnten auch andersgelagerte BVV Beschlüsse nichts ändern. Die Umwidmung oder der Umbau der Sonnenburger Straße zwischen der Kopenhagener und dem Bahngraben sei im Prinzip möglich. Aber dazu bedarf es einer gesicherten Rechtsgrundlage, die in der gegenwärtigen offenen Übergangssituation nicht gegeben sei.

Gefahr einer neuen Party-Brücke

Diese kategorische Absage an eine kurzfristige Umgestaltung mag den Gastronomiebetreibern am Ort und ihren Gästen nicht gefallen, einige Anwohner zeigten sich erleichtert. Sie befürchten, dass mit der Schaffung eines einladenden Platzsituation ohne Kfz-Stellplätze, die ohnehin schon große Lärm- und Geruchsbelastung sich noch vergrößern würde. Deshalb ist ein Brückenneubau mit einer hohen Aufenthaltsqualität, die zum längeren Verweilen und zum Feiern einlädt, ebenfalls nicht wünschenswert. Mehrfach wurde auf die stadtbekannte umstrittene Admiralsbrücke in Kreuzberg verwiesen.

Städtebauliche Aufgabe

Eines ist bei diesem Vorortgespräch sehr deutlich geworden: Der Neubau der Schönfließer Brücke ist nicht nur eine Ingenieursaufgabe zur Errichtung eines Verkehrsbauwerks, sondern dies ist eine komplexe städtebauliche Aufgabe, an deren Lösung neben Brückenbauingenieuren auch Stadt- und Landschaftsplaner mitwirken müssten, wie es ein engagierter Anwohner auf den Punkt brachte. Ob diese Botschaft bei den Brücken- und Straßenplanern von der Senatsverkehrsverwaltung und vom Bezirksamt angekommen ist, bleibt zu prüfen. Bei der ersten öffentlichen Präsentation des Vorhabens für die Nachbarschaft im Frühjahr kommenden Jahres wird dazu Gelegenheit sein, die die Anwohner nicht verpassen sollten.

Cant | 13.11.22| überarbeitet

 

 

Schönfließer Brücke. Neubau ab 2025