Der US-Inverstor Hines hat vor ca. 2 Jahren das große Grundstück südlich des Bahnhof Gesundbrunnen gekauft. Zu dem Grundstück gehört nicht nur das Kaufland–Gebäude, sondern auch die Fläche östliche der Swinemünder Brücke, auf der bis vor kurzer Zeit noch ein traditioneller Fuhrbetrieb mit seinen Pferden ansässig war. Seitdem wabern die Spekulationen über das Vorhaben von Hines durch die Stadt.

Kiezspaziergang

Am 23. August fand auf Einladung der Stadteilkoordination Brunnenviertel ein Kiezsparziergang statt, bei dem es u.a. um dieses Vorhaben ging. An dem Rundgang nahm neben dem Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, auch Herr Wintzer als Vertreter der Firma Hines,  teil.

Herr Wintzer erklärte, dass Hines beabsichtig, das erst 14 Jahre alte Bestandsgebäude zwischen Brunnen- und Swinemünder Str. abzureißen und an dessen Stelle zwei mehrgeschossige Gewerbegebäude mit überwiegender Büronutzung zu errichten. Im Erdgeschossbereich seien auch Handels und Gastronomienutzungen vorstellbar. Wintzer räumte ein, dass der Abriss eines so neuen Gebäudes unter ökologischen Gesichtspunkt sehr bedauerlich sei, aber ein Umbau für eine neue Nutzung sei auf Grund der Bauweise des Gebäudes nicht machbar. Die Zahl der Stellplätze werde von heute 350 deutlich  auf unter 200 reduziert und in Tiefgaragen untergebracht.

Die Anwohner aus dem Brunnenviertel kritisierten den geplanten Abriss des Kaufland, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Klimaschutz-Sünde ein so neues Gebäude abzureißen, wie auch hinsichtlich der schwindenden Einkaufsmöglichkeiten für den täglic hen Bedarf im Brunnenviertel. Der Hinweis des Baustadtrats auf das nahegelegene Gesundbrunnen-Center erntete deutliches Missfallen

Ex – Pferdekoppel

Auf der ehemaligen Pferdekoppel, angrenzend an die Häuser der Gewobag, ist ein weiteres Büro- und Geschäftshaus geplant. Im Bereich der Swinemünder Brücke soll eine öffentliche Grünfläche mit Spielangeboten entstehen. Nach den Vorstellungen von Gothe sollte diese mindesten 8000 qm groß sein. Während Herr Winter (Hines) von einem „Pocketpark“ sprach. Etwas eigenartig war die Idee von BzStR Gothe, dass Hines den Park nicht nur errichten müsste, sondern ihn auch dauerhaft im Besitz behalten und pflegen könnte.  Der Bezirk Mitte hat offenbar seinen Plan fallen lassen, das gesamte Areal von Pferdekoppel und vormaligem Fuhrbetrieb zu erwerben und dort eine öffentliche Grünfläche als Zwischenschritt und Verbindung zwischen Mauerpark und Humboldthain zu schaffen.

Durchwegung

Das Bezirksamt Mitte hat am 14. Januar 2022 die Bauvoranfrage der Fa. Hines positiv beschieden. Gothe teilte mit, dass sich die Fragen auf die Art der Nutzung, die Baugrenzen und das Maß der baulichen Auslastung des Grundstücks (GFZ 2,0) bezogen. Bedingung für den positiven Bescheid sei gewesen, dass sich die Baugrenzen mit der geplanten und dinglich gesicherten öffentlichen Durchwegung vereinbaren.

Seinerzeit war die Baugenehmigung für das Kauflandgebäude im Bezirk Mitte sehr umstritten. Die BVV lehnte mehrheitlich das unschöne Vorhaben an einem zentralen Verkehrskotenpunkt und wichtigen Geschäftszentrum für den Ortsteil Wedding als mickrig und deplatziert ab. Die Baustadträtin Dubrau (Bündnis 90/Grüne) beförderte dagegen das Vorhaben, verband dies aber mit einer grundbuchlichen Sicherung eines öffentlichen Geh- und Fahrrechtes für Fußgänger und Radfahrer. Dieses Geh- und Fahrrecht verläuft auf dem Grundstück ungefähr in der Linie, wie es seit Jahren faktisch genutzt wird.

Die Sicherung und gut nutzbare Gestaltung der Durchwegung ist von besonderem Interesse für die Bewohner des Gleimviertels. Denn das ist eine ideale und überraschend kurze Wegstrecke zum Bahnhof Gesundbrunnen mit U-, S- und Fernbahn. Zudem gewinnt diese Verbindung für die zukünftig viel intensivere Nutzung des Jahnsportparks eine besondere Bedeutung. Für mit Fern- und Regionalverkehr anreisende Zuschauer ist das eine sehr kurze Fußwegverbindung zum Sportpark und zur Max-Schmeling-Halle.

 

Abriss- und Baubeginn ungewiss

Was den Zeitplan für das Vorhaben betrifft, bat der Vertreter des Investors um Geduld. Der Baustart des Vorhabens kann sich noch einige Jahre hinziehen. Denn die drei Mieter im Bestandsgebäude hätten langfristige Mietverträge. Eine einvernehmliche Einigung mit ihnen kann noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zudem gilt es auch noch Grundstücksgrenzfragen mit der Deutschen Bahn zu klären. Ein Streifen entlang des Bahngraben gehört zum Grundstück der Deutschen Bahn. Wer heute die Durchwegung passiert, sieht die farbigen Markierung der Vermesser.

Zur Durchführung eines B-Planverfahrens wurde kein Wort gesagt. Es macht den Eindruck, dass sich Hines und der Bezirk darauf geeinigt hätten, dieses sehr große Vorhaben ohne einen aktualisierten Bebauungsplan zu genehmigen. Offenbar gehen beide Seiten davon aus, dass der Baunutzungsplan aus dem Jahre 1958/60 das Baurecht für diese massive Bebauung hergibt. Baurechtlich dürfte das umstritten sein. Eine stadtpolitisch bedauerliche Herangehensweise und schlechter städtebaulicher Stil wäre es auf jeden Fall.

M. Nelken

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Kaufland auf Abriss
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