Planungen für Jahnsportpark – Exklusion statt Inklusion.

Am 18. August wurden in einer Online-Ausstellung zum städtebaulichen Wettbewerb für den Umbau des Jahnsportparks die 15 Entwürfe vorgestellt, die die Jury für die 2.Phase des Wettbewerbs ausgewählt hat. Das Ergebnis ist – wie zu erwarten – deprimierend und unakzeptabel. Keiner der Entwürfe erfüllt auch nur elementare Anforderungen an eine sozial und ökologisch nachhaltige Modernisierung des Sportparks. Klimanotstand gibt es in Berlin offenbar nicht. Alle Entwürfe sehen riesige Neubaumassen und eine übermäßige Versiegelung des Sportparks vor. Der Parkcharakter würde bei ihrer Realisierung komplett zerstört. Zu erwarten war dieses erschreckende Ergebnis, weil in der Auslobung ein völlig überdimensioniertes Nutzugsprogramm vorgegeben wurde. Für die angestrebten zusätzlichen Nutzungen ist der Jahnsportpark einfach zu klein.

Stadionneubau

Mit einer Ausnahme sehen alle Entwürfe einen Stadionneubau am heutigen Standort vor. Zwar variieren die Entwürfe in Höhe und b aulicher Präsenz, aber die neue Großarena wird in jedem Fall die Umgebung dominieren und stark belasten. Ein kleiner Fortschritt besteht darin, dass gegenüber den früheren Planungen der Senatssportverwaltung nunmehr die Stadttopografie berücksichtig und die Stadionwälle weitgehend erhalten werden. Aber warum soll an diesem sensiblen Standort in einem sehr dicht bebauten Stadtraum überhaupt eine Eventarena, die allen Auflagen des internationalen Leistungs- und Profisports gerecht werden soll, neu gebaut werden? Die damit verbundenen Anforderungen an Kapazitäten, exklusive Ausstattungen für Journalisten, Funktionäre, Sportler, an Ambulanz, Stellplätze, Sicherheit und Rettungswege sowie Publikumsverkehre passen nicht an diesen Ort. Es werden hier zusätzliche Sportflächen gebraucht, aber für den inklusiven Amateur- und Schulsport sowie den individuellen Freizeitsport. Für diesen Sport bringt der Stadionneubau, der 100 Mio. € kosten soll und den großen Teil der Investitionssumme auffrisst, nichts.

Zerstörung des Parks

Auch das Programm für den restlichen Sportpark ist völlig überladen: Zwei große Sporthallen, eine Tennishalle, ein großes Büro- und Versammlungsgebäude, zwei Kunstrasen-Großspielfelder – das alles passt nicht zusätzlich in den Sportpark, auch wenn man sie stapelte. Die heutige Situation im Sportpark ist hinsichtlich der Nutzungsqualität für den Sport, wie auch hinsichtlich der ökologischen Qualitäten stark verbesserungsbedürftig. Aber die vorgestellten Planungen sind in vieler Hinsicht rücksichtslos. Auf der Verliererseite stünden der unorganisierte Freizeitsport (Verlust der Sportwiese), Stadtnatur und Klima sowie die Lebensqualität der Nachbarschaft. Die Planungen sind völlig aus der Zeit gefallen: neue Betonbauwerke, weitgehende Versiegelung des Grundstücks, eine Vervielfachung der Stellplätze für den privaten Kfz-Verkehr. –  Das ist Exklusion statt Inklusion.

Keine Einzelheiten

Diese niederschmetternde Bewertung klingt hier sehr pauschal und verdient einer Begründung im Einzelnen. Dies dürfen wir an dieser Stelle ebenso wenig leisten wie die Darlegung und Diskussion von interessanten Ideen, die es natürlich auch in den Entwürfen gibt. Denn wir Besucher dieser Online-Ausstellung mussten uns verpflichten, keine Fotos (Screenshots) von den Entwürfen und keine Einzelheiten öffentlich zu machen. Eine Missachtung dieser Vorgaben ist mit Strafen belegt. Hintergrund sind die strengen rechtlichen Vorgaben für die Abwicklung von städtebaulichen Wettbewerben.

Neustart notwendig

Auf Grund dieser Wettbewerbsergebnisse sollten doch auch die beteiligten Verwaltungen endlich erkennen, dass diese Planungen nicht mehr in die Zeit passen, weil sie die Erfordernisse einer sozial und ökologischen Stadtentwicklung vollkommen missachten. Die Politik muss endlich den Mut zur Verantwortung finden und einen Neustart mit einem wesentlich reduzierten Nutzungsprogramm beschließen. Sie steht in der Verantwortung, die Modernisierung des Jahnsportpark zu einem inklusiven, ökologisch und sozial nachhaltigen Sportpark mit haushalterischer und städtebaulicher Vernunft und gemeinnützlichen Prioritäten neu auszurichten.

Presseerklärung der BI Jahnsportpark

https://www.jahnsportpark.de/2022/08/realisierungswettbewerb-diese-planung-ist-nicht-zukunftsfaehig/

 

 

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Klimanotstand? – Nicht bei uns!
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