… oder in Pankow dauert alles etwas länger.

Die Initiative Gleimviertel für alle hat vor einem halben Jahr eine Unterschriftensammlung für einen Einwohnerantrag an die BVV-Pankow gestartet. Er beinhaltet eine Reihe von Forderungen für verkehrslenkende Maßnahmen auf der Gleimstraße. Die zentralen Punkte sind:

  • die Umwidmung der Gleimstraße in eine Fahrradstraße so wie für die Stargarder Straße bereits geschehen;
  • und sie Sperrung der Gleimstraße für den motorisierten Durchgangsverkehr.

HIER kann man den kompletten Text des Einwohnerantrages nachlesen und auch noch unterschreiben.

Ist doch schon beschlossene Sache?

Die BVV hatte bereits im September 2016 das Bezirksamt Pankow ersucht, die Einrichtung eine Fahrradstraße auf Straßenzug Gleimstraße – Stargarderstraße als Ost-West-Route Prenzlauer Berg zu prüfen. Drei Jahre später im Mai 2019 berichtete das Bezirksamt der BVV: „Die Verbindung Gleimstraße – Stargarder Straße ist ebenfalls Bestandteil des Fahrradstraßenkonzeptes. Die Gleimstraße ist Teil des übergeordneten Straßennetzes und soll entsprechend vor Einrichtung der Fahrradstraße aus dem übergeordneten Straßennetz entlassen werden.“ Aber die dazu erforderlichen verkehrlichen Untersuchungen verzögerten sich, da man für die Verkehrszählung die Wiedereröffnung des Gleimtunnels abwarten müsse, berichtete BzStR Kuhn (B90/Grüne)im Februar 2020 im Verkehrsausschuss der BVV. Danach würde der Antrag auf Entlassung der Göeimstra0e aus dem übergeordneten Straßennetz zugig gestellt und die Einrichtung der Fahrradstraße erfolge bis Ende 2021.

Jetzt haben wir 2022 und Herrn Kuhn ist aus dem Amt geschieden. Eine Nachfrage bei der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr ergab, dass die bezirkliche Verkehrsverwaltung einen Antrag auf Entlassung der Gleimstraße aus dem übergeordneten Straßennetz nicht eingereicht habe.

Dazu hat die bezirkliche Straßenamt uns mitgeteilt, „dass die für die Entscheidung über die Abstufung der Gleimstraße erforderlichen Nachweise und Untersuchungen aufgrund von personellen Kapazitätsengpässen noch nicht abgeschlossen werden konnten. Im Fokus der derzeitigen Untersuchungen stehen die mit der Einrichtung einer Fahrradstraße zu erwartenden Verkehrsverlagerungen und deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der umgebenden Knotenpunkte des Hauptverkehrsstraßennetzes.“  Das Stadtentwicklungsamt, welches diese Untersuchungen durchführt,  strebe eine Fertigstellung bis Juni/Juli 2022 an.

Wie auf der Stargarder?

Nun könnte es ja auch sein Gutes haben, dass die Verkehrsverwaltung Pankow so lange für die Einrichtung der Fahrradstraße auf der Gleimstraße braucht. Vielleicht kann man von Praxis auf der Stargarder etwas lernen.

Die Beschilderung auf der Stargader scheint etwas verwirrend und gewöhnungsbedürftig. 20 bis 30 Meter hinter der Schönhauser bzw. der Pappelallee bekommt der Verkehrsteilnehmer das Verkehrszeichen „Fahrradstraße |Anlieger frei|“ vor die Nase. Der überraschte KfZ-Fahrer nimmt’s sportlich und betrachtet seine Durchfahrt als „Anliegen“. Die Kenntnis, dass die Geschwindigkeit in Fahrradstraße generell auf 30 km/h begrenzt ist, auch ohne explizite Ausweisung, ist offenbar auch nicht so verbreitet. Da die Stargarder mit der Umwidmung nun zur Hauptstraße wurde, kann man ja viel zügiger die Passage befahren, weil man die Vorfahrt der von rechts Kommenden nicht mehr beachten muss.. Diese überraschende Änderung der Vorfahrtsregelung führt an einigen Kreuzungen immer noch zu gefährlichen Unsicherheiten und Fast-Zusammenstößen. Warum das BA die neuen Vorfahrtsschilder besonders kleinformatig gemacht hat, ist nicht nachvollziehbar. Das BA Mitte hat an den Kreuzungen zur Fahrradstraße Linienstraße gut sichtbare große Vorfahrtsschilder angebracht.

Eventuell hat sich das Straßenamt Pankow angesichts der Schilderflut, die es mit der Einrichtung der Fahrradstraße verbunden hat, für extra kleine Verkehrszeichen entschieden.

Diese permanenten kleinen blauen Abbiegepfeile mit dem Hinweis, dass nur Anlieger den jeweiligen Abschnitt der Stargarder befahren dürfen, irritieren offenbar mehr als dass sie verkehrslenkend wirken. Allerdings ist es fraglich, dass größere Gebotsschilder für das Abbiegen mehr Beachtung finden würden. Es macht den Eindruck, dass die Stargarder für die meisten motorisierten Verkehrsteilnehmer gefühlt immer noch eine Durchgangsstraße ist.

In der Senefelder Straße kann allerdings kein Kfz-Benutzer sich rausreden, er sei zu spät auf die veränderte Verkehrsanordnung aufmerksam geworden und konnte nicht frühzeitig eine andere Fahrtroute wählen. Hier sind die Vorwarnschilder unübersehbar, beeindruckend riesig.

Die Straßenbehörde hat extra die Einbahnstraßenregelung auf der Hiddenseer und der Stuppenkammer Straße umgekehrt. Da aber die Fahrzeugführer beim Abbiegen in diese Straßen auf der Prenzlauer in Fahrrichtung Alex landen würden, ignorieren sie diese Hinweis trotz deren Unübersehbarkeit und nutzen weiter die Stargader.

Klüger geht immer

Sicher, Verkehrsteilnehmer brauchen stets eine Weile bis sie sich an neue Verkehrsführungen gewöhnt haben. Aber vielleicht sollte man diese so wählen, dass sie einfach annehmbar sind. Vielleicht sind ja für die Umwandlung der Gleimstraße zur Fahrradstraße bessere Lösungen zu finden als im Falle der Stargarder. Insofern ist die Forderung des Einwohnerantrages nach Ausschluss des Kfz-Durchgangsverkehrs nachvollziehbar. Aber wie soll das geschehen? Sperrung des Gleimtunnels?

Erinnerung: Vor 30 Jahren haben viele Anwohner ausdauernd und kreativ gegen seine Öffnung für den Autoverkehr gekämpft.

aktualisiert am 31. Januar 2022 | Cant

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Gleimstraße wird Fahrradstaße, oder ?
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