… eine Mauer abzureißen.

Äh, naja vielleicht, nein ganz und gar nicht, niemals. Das Stadion der Weltjugend wurde für Horch und Guck West aka BND abgerissen und das Leipziger Zentralstadion für Red Bull. Da ist das gute alte Jahnstadion etwas aus der Zeit gefallen und soll auch weg. Für Fussball-Drittligisten in spe (BFC Dynamo und VSG Altglienicke)? Für internationle Leichtathletikveranstaltungen alle jubeljahre?

Bei der Olympia-2000-Bewerbung 1992/93 hatten Diepgen und Co. der Mut zum großen Schnitt gefehlt. Sie haben nicht nur das Jahnstadion stehen lassen (und später modernisiert). Sie haben auch die geplanten Olympiahallen in die stadträumliche Topografie einfügen wollen. Sie sollten in nördlicher und südlicher Fortführung der Stadionwälle in die Aufschüttung eingefügt werden. Mit der Max-Schmeling-Halle wurde diese Planung auch umgesetzt. Mit solcherart Einfügen soll jetzt Schluss sein. Der Senat will „Leuchttürme“ des Sportstättenbaus errichten, die in das ganze Land ausstrahlen.

Da stört der Hang des Mauerparks mit Amphitheater und der bunt besprühten Hinterlandmauer ungemein. Die Ostseite des Hangs soll mit den Stadionwällen für den Neubau abgetragen werden. Der Hang müsste durch eine 7 – 8 m hohe Betonstützwand auf ganzer Länge abgefangen werden. Das hätte nicht nur zur Folge, dass die Westfassade des neuen Stadions praktisch unsichtbar bliebe. Sondern zwischen dem schönen teuren Stadion und der Stützmauer plus Hinterlandmauer als Krone (Gesamthöhe ca. 11m) entstünde eine tiefe Schlucht, ein Angst- und Panikraum.
Räumt man dagegen Hinterlandmauer und Mauerparkhang mit Amphitheater gleich mit den Stadionwällen ab, so bekäme das neue Stadion nicht nur eine weithin strahlende Westfassade, sondern auch die Probleme mit der Fantrennung, der Feuerwehrumfahrung und den Fluchtwegen ließen sich einfach lösen.

Machbarkeitsstudien Drees & Sommer, Juni 2020, Quelle taz

Trotz aller Dementi schleicht dieser Gedanke durch die Köpfe der Verantwortlichen in der Sportverwaltung und bei den Sportverbänden. Das hat auch letztlich die Phantasie der Planer von Drees & Sommer bewegt. In ihrer computergenerierten Ansicht des neuen Jahnstadions sind Hang und Mauer verschwunden. Wie hätte auch in einer Präsentation die Eindruck machen soll, eine solche unwirtliche Schlucht auch ausgesehen. Die städtebauliche Absurdität des Vorhabens wäre sofort für jedermann augenfällig geworden.

Cant||19.07.20

 

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Niemand hat die Absicht …
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