Schneller als der BER

Am 26. Juni 2020 wurde 27 Jahre nach dem Planungswettbewerb, 26 Jahre nach dem 1. Bauabschnitt, 8 Jahre nach dem Mauerparkdeal mit CA Immo und der Groth-Gruppe, nach vierjähriger Bauzeit der 2. und der 3. Bauabschnitt des Mauerparks der öffentlichen Nutzung übergeben. Damit ging der Mauerpark knapp vor dem BER durchs Ziel, der eine analoge Planungs- und Baugeschichte aufzuweisen hat.

Zwar trafen sich heute einige Freunde des Mauerparks, um auf das Ereignis anzustoßen, aber nicht nur wegen Corona fiel die Eröffnungsfeier eher verhalten aus. Zu steinig war der Weg seit 1990, als die Stadtbezirksversammlung von Prenzlauer Berg (Berlin, Hauptstadt der DDR) auf Druck massiver Bürgerforderungen beschloss, den ganzen vormaligen Grenzstreifen zwischen der Eberswalder /Bernauer Str. bis zur Bezirksgrenze an der Esplanade in eine durchgängige Grünzone zu verwandeln.

Realisierungsstufen des Mauerparks in der Wettbewerbsaufgabe 1993

Mit der Olympiabewerbung Berlins und dem landschaftsplanerischen Wettbewerb Mauerpark & Jahnstadion 1993 schien der Mauerpark zum Greifen nah. Aber was dann folgte, war ein jahrelanges zähes Ringen hunderter engagierter Bürger mit den politischen Verantwortlichen dieser Stadt um die Umsetzung der Planung. Demonstrationen, Petitionen, Besetzungen, Landnahmen, Pflanzaktionen, Runde Tische, Werkstadtverfahren, Bürgerbegehren auf der einen Seite, Baupläne von verschiedene Allianzen von Politikern wie Dorothee Dubrau (Grüne), Ingeborg Junge-Reyer, Peter Strieder, Ephraim Gothe (alle SPD), Peter Kurth, Carsten Spallek (beide CDU) und den wechselnden Grundstückseigentümern (Vivico Real Estate, CA Immo, Groth) auf der anderen Seite.

 

Dubrau Plan 2003 Gothe-Plan 2007

     

Mit dem berüchtigten Mauerparkdeal im Jahre 2012 konnte sich Klaus Groth ein Stück von Mauerpark und Grünzug nördlich des Gleimtunnels abschneiden. Naja, so sagen heute manche, wir haben doch viel erreicht. Man könne halt nicht alles bekommen und müsse Kompromisse eingehen. – Kompromisse zwischen wem?

Die Flächen waren ursprünglich im öffentlichen Eigentum. Die Olympiaplanung und der FNP wiesen die Grünflächen aus. Warum müssen Bürger jahrelang, jahrzehntelang für die Durchsetzung der Gemeinweseninteressen gegen eine Allianz aus Politikern und Immobilienverwertern streiten? Zwischen welchen Interessen gilt es einen fairen Kompromiss zu finden? Da läuft doch etwas falsch.

 

Blick nach vorn

Nun wollen wir alles tun, dass die vier Bauabschnitte des Mauerparks mit dem Falkplatz und dem Jahn-Sportpark zu einem grünen Freizeit- und Erholungsraum für alle zusammenwachsen. Der Gleimtunnel muss von seinem Betondeckel befreit, das Jahnstadion saniert statt abgerissen und abgeholzt, die Brache an der Swinemünder Brücke soll zur grünen Brücken zwischen Mauerpark und Humboldthain, statt mit Bürofläche betoniert werden. Ohne Bürgerengagement werden sich auch diese Ziele nicht erfüllen. Aber vielleicht dauert es diesmal nicht mehr ganz solange und die verantwortlichen Politiker erkennen, dass es viel mehr Spass macht, mit engagierten Bürgern für die Interessen des Gemeinwesens einzustehen, als mit Investoren zu dealen.

Cant || 27.06.2020

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Mauerpark nach 30 Jahren fertig
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