Gewusst wen!
Wahlpodium mit den Bundestagsdirektkandidaten 2009
Viele wissen noch nicht, was sie wählen werden. Andere wissen zwar was, aber nicht wen. Und manche fragen sich, welche Stimme, wenn überhaupt eine, sie vergeben wollen. Die Unterscheidung von Erst- und Zweitstimme macht´s möglich.
Also richtete der Bürgerverein Gleimviertel am 7. Juli 2009 anlässlich der diesjährigen Wahlen zum Bundestag ein Podium aus. In die Aula der Schule am Falkplatz waren alle fünf Direktkandidaten für den Pankower Wahlkreis 77 aus den im aktuellen Bundestag
vertretenen Parteien eingeladen worden. Vier Bewerber nutzten die seltene Gelegenheit, sich ihren Wählern in diesem Rahmen persönlich vorzustellen: Stefan Liebich (Die Linke), Dr. Martin Lindner (FDP), Gottfried Ludewig (CDU) und Heiko Thomas (Bündnis90 / Die Grünen).
Reizthema Hartz-IV
Die Idee kam gut an: Mehr als die Hälfte derjenigen, die Fragen oder Statements vorbrachten, begrüßte einleitend die Möglichkeit, ihre Direktkandidaten kennenlernen und vergleichen zu können. Das hielt sie mitnichten davon ab, die Bewerber vor allem in Sachen Hartz-IV-Gesetzgebung hart zu kritisieren. Der Repräsentant der Grünen hatte darunter naturgemäß am meisten zu leiden, doch ließ es sich FDP-Vertreter Martin Lindner nicht nehmen, einen guten Teil der
protestartigen Vorwürfe auf sich zu ziehen, indem er die Arbeitsorientierung von Leistungsempfängern zu einem Fixpunkt der Debatte machte. Ähnlich heftige Reaktionen lösten auch die Themen Mindestlohn und Afghanistaneinsatz der Bundeswehr aus.
Im Übrigen zeichneten sich die Beiträge der Podiumsbesucher durch Zurückhaltung in den Forderungen, Nachdenklichkeit und Originalität aus. Ein Anwohner stellte beispielsweise zur Diskussion, wie das Verhältnis zwischen individueller Verantwortung und Gestaltungsraum der Politik so zu justieren sei, damit ein wirklichkeitsgerechtes Miteinander entstehe.
Projekte mit Herz
Eine andere Anwohnerin erkundigte sich danach, welche politischen Projekte den Kandidaten persönlich am Herzen liegen. Tatsächlich eröffnete Linkspartei-Bewerber Stefan Liebich mit Leidenschaft den Antwortreigen: Er kämpfe weiter für den Mindestlohn als Zuschlagsbedingung bei öffentlichen Aufträgen des Landes Berlin. Die entsprechenden Regelungen, an denen er als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses mitgearbeitet hatte, waren nämlich vom Europäischen Gerichtshof kassiert worden. Jetzt werde er nicht aufgeben, sie europakonform zu gestalten.
Engagement für Bildung im Allgemeinen sowie die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses Lehrer – Schüler im Besonderen stellte anschließend Gottfried Ludewig als sein Herzensanliegen heraus. Als Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten und CDU-Bundesvorstand hatte er just am selben Tag einem Bildungsgipfel mit der zuständigen Bundesministerin beigewohnt.
Der Bildung fühlt sich auch Freidemokrat Martin Lindner verpflichtet. Er setze sich als Landesparlamentarier aktiv für die Wiedereinführung der Vorklasse ein. Vorschulische Bildung sei für ihn der Schlüssel zum späteren Lern- und somit Lebenserfolg.
Heiko Thomas vom Bündnis90 vollendete die Runde und kam auf den allgemeinen Mindestlohn zu sprechen, dessen Einführung er energisch voran bringen wolle. Daneben führte er seine Unterstützung der ehrenamtlich betriebenen Stadtteilbibliothek im Bötzowviertel als konkretes Projekt ins Feld.
Reden über die Krise
Bildung war schon zuvor der Ausgangspunkt in den Beiträgen Lindners und Ludewigs gewesen. Ihre Formel: Bildung schafft den Mittelstand. Dieser bilde das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Stärkung, vorzugsweise durch Steuer- und Beitragsentlastungen, müsse darum oberste Priorität haben. Erwartungsgemäß betonte der FDP-Kandidat Lindner dabei den Aspekt der Ausgabenkürzung durch zielgenauere Ausrichtung der Sozialausgaben auf die „Bedürftigen, Mühsamen und Beladenen“, während CDU-Bewerber Ludewig – ganz auf Regierungslinie – erst einmal kräftig investieren will, um die Wirtschaftskrise zu meistern.
Grünenvertreter Thomas hielt das für zu kurz gegriffen. In Pankow gebe es – insbesondere bei „Unterverdienern“ – viel „versteckte Armut“, so dass eher der „soziale Zusammenhalt“ ins Blickfeld
rücken müsse. Die Wirtschaftskrise sei auch eine Armutskrise und zudem eine Klimakrise, der „Green New Deal“ seiner Partei der gebündelte Ausweg daraus. Für Linksparteimitglied Liebich ist es nicht genug zu fragen, wie wir aus der Krise herauskommen können, sondern ebenso wichtig, „wie wir in sie hineingekommen sind?“ Aus solcher Analyse gelte es, klare Schlüsse zu ziehen: Mindestlohn einführen, Arbeitslosengeld II anheben, Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge stoppen…
Bürgerfragen zu kurz gekommen
Außer Wirtschaft und Soziales thematisierte Moderator Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel die Bereiche Atomkraft und Energiewende, Afghanistan und Außenpolitik sowie Internetfreiheit und Bürgerrechte. So konnten die Kandidaten eine Vielfalt von Programmpunkten ihrer jeweiligen Partei ansprechen und erklären.
Für diejenigen, die die Programme bereits kannten, war es freilich interessanter, selbst Fragen zu stellen. Der Zeitanteil dafür lag am Ende bei etwas über einem Viertel. Eine steigerungsfähige Größe, wie einige Teilnehmer fanden.
Allen, die die kleineren Parteien und deren Kandidaten gleichfalls kennenlernen möchten, sei empfohlen: Organisieren Sie ein Podium. Im Kieztreff Gleimviertel können Sie sich zur Vorbereitung treffen und zusätzliche Unterstützung erhalten.
Mario Rieger, 16.07.09
Fotos oben: Jutta Stern
Auf dem Podium v.l.n.r.: Heiko Thomas, Martin Lindner, Gottfried Ludewig u. Stefan Liebich
Grafik unten: mr

Zu den Kandidaten:
- Stefan Liebich (Die Linke),
- Martin Lindner (FDP),
- Gottfried Ludewig (CDU),
- Heiko Thomas (Bündnis90 / Die Grünen).
Redaktionshinweis:
Die Kommentare vom 07.07.2009 beziehen sich auf die Einladung zu dem in diesem Artikel dargestellten Wahlpodium. Erneute Veränderungen dieses Beitrags werden mit Ausnahme von Fehlerkorrekturen nicht mehr vorgenommen. (mr)
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In den beiden vergangenen Jahren haben wir gemeinsam Bäume gepflanzt, die nun wachsen und gedeihen. Damit das auch so bleibt, wollen wir uns jetzt um die Pflege der zugehörigen Baumscheiben kümmern. Und das ist natürlich eine gute Gelegenheit, sie auch zu begrünen und zu verschönern.
Wir freuen uns auf einen schönen und lockeren Tag im Freien und darauf, Euch wieder oder neu dabei zu haben. 
Hintergrund.
gehobene Ansprüche, könnten die Situation verändern und zudem die freie Parknutzung zur Geschichte werden lassen. Die Gründungsmitglieder wenden sich daher gegen „neue soziale Mauern“.
Die Lösung dieses Problems könnte also einfacher nicht sein: Mehr Grillplätze. Deren Einrichtung wurde auf der Anwohnerversammlung „Grillen am Falkplatz“ am 10. Juni 2009 folgerichtig mehrfach vorgeschlagen. Trotzdem blieb die Sache ein Randthema. Denn der nahe liegende Humboldthain befindet sich im Bezirk Mitte und für weitere Grillstellen in Pankow wollte sich der anwesende Bürgermeister Matthias Köhne nicht ausdrücklich verwenden. Man konzentrierte sich auf den Falkplatz. Und das erwies sich als schwierig.
Wem gehört die Wiese?
Darauf ließ sich eine Mehrheit der Anwesenden ein und überlegte, wie das Grillen zukünftig trotz Verbot am Falkplatz möglich sein könnte. Die Ideen reichten von der Ausweisung fester Grillplätze oder – zeiten über die Grillgenehmigungspflicht mit oder ohne Gebühr bis zu Aufklärungsaktionen und Barrierebauten, die Autos von den Grünflächen fernhalten könnten.
Ganz besonders freuen wir uns, dass zwei Tänze unter der Leitung von Inhalambi Vilela (Mozambik) aus dem Batucada-Tanzkurs vorgeführt werden, die der Percussionist Gordon Odametey (Ghana) live begleiten wird. Danach kann auch gerne mitgetanzt werden.
Die meisten der anwesenden Anwohner teilten diese Prognose und stimmten der PRB aus diesem Grund zu. Gleichwohl bleibt für sie die parkplatzlose Max-Schmeling-Halle mit ihren Veranstaltungen das Hauptproblem im Gleimviertel. Um dem zu entsprechen, soll die Bewirtschaftungszeit dort bis 24 Uhr ausgeweitet werden. Eine Maßnahme, die auf Skepsis stieß. Gehören doch abends an Werktagen ca. 84% der in Hallennähe parkenden Fahrzeuge ohnehin den Nachbarn. Überdies würden sich von weither kommende Autonutzer durch Parkuhren nicht fernhalten lassen, während Berliner Besucher schon heute überwiegend mit Bus und Bahn anreisten.
im Gebiet und stellten ihr Fahrzeug deswegen in einer benachbarten Parkzone ab, so müssten sie trotz Vignetteninhaberschaft noch eine „Strafe“ dafür zahlen. Kempe versprach Rücksichtnahme: Die Details würden noch sorgfältig überlegt werden, unter anderem in einer weiteren Bürgerversammlung.


