Bürgerverein Gleimviertel: Pressemitteilung vom 24.02.2010

Mauerpark ohne Bebauung fertig stellen

Einschätzung zum anstehenden Beschluss der BVV Mitte

Am 18.03.2010 wird die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte voraussichtlich den Änderungsantrag von SPD und Bündnis90/Die Grünen zur Fertigstellung des Mauerparks beschließen. Der Beschluss fußt ausschließlich auf einer vage gehaltenen schriftlichen Begründung, die im Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV Mitte von SPD und Grünen eingebracht und gemeinsam mit den Stimmen der FDP beschlossen wurde.

Die Pressemeldungen, die auf diesen Beschluss folgten, zeigen, dass die Deutungsmöglichkeiten so vielfältig sind, dass Klärungsbedarf bestand. Die im Nachgang geführten Gespräche mit den beteiligten Interessenvertretern, Partei- und Fraktionssprechern führten dazu, dass sich die Initiativen, Vereine sowie Partei- und Fraktionssprecher modifizierter   Mauerpark-Plan 02/10über einen neuen Plan verständigten.

Dieser Plan sieht vor:
Keine Bebauung in den 1993 vom Senat als Mauerpark ausgelobten Flächen.

Im Süden an der Bernauer Straße wird in dem angrenzenden, außerhalb des Mauerparks gelegenen, Grundstückskeil dem Grundstückseigentümer Baurecht eingeräumt. Auf diesen Flächen sah auch der Lange–Plan eine Bebauung vor. Art und Masse der derzeitig aufgezeigten Baukörper sehen wir kritisch. Die Entwicklung dieses Bebauungsplans werden wir kritisch begleiten.

Die im Änderungsantrag vorgesehene Bebauung nördlich des Gleimtunnels sehen wir in der aufgezeigten Massivität sehr kritisch. Die Baumengen und die Zuwegung werden hier das Maß der Dinge sein.

Wir werden uns bei der Aufstellung des Bebauungsplans durch den Bezirk Mitte und der Änderung des Flächennutzungsplans durch den Senat, über die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung einbringen und den Parlamentariern der BVV Mitte und des Abgeordnetenhauses von Berlin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Logo Bürgerverein Gleimviertel

Bürgerverein Gleimviertel
Pressemitteilung vom 24.02.2010
aktualisiert am 26.02.2010
Heiner Funken

Abb.: Mauerpark-Planskizze der Vertreter von Initiativen und Parteien, Februar 2010

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BI “Mauerpark Fertigstellen”, Pressemitteilung v. 15.02.2010

Senat in der Verantwortung

Initiativkreis “Mauerpark Fertigstellen” gegen Mauerpark-Beschluss
vom 27.01.2010

Die Initiative “Mauerpark Fertigstellen” lehnt die Pläne des Stadtentwicklungsausschusses Mitte für einen Flächen-Deal strikt ab. Dieser kann wegen der rechtlichen Unsicherheit zu einer teuren Überraschung für den Steuerzahler führen. Nicht der Bezirk Mitte sondern der Senat steht für die Fertigstellung und die Erweiterung des Mauerparks in der Verantwortung.

Grüne und SPD stimmten am 27. Januar 2010 im Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte gegen eine Fertigstellung des Mauerparks wie sie im Flächennutzungsplan Berlin verankert und von den Bürgerinitiativen gefordert wird. Graffito Der Antrag der Linksfraktion „Mauerpark durch Grün verbinden statt durch Bebauung trennen“ kam durch einen Änderungsantrag von Grünen und SPD, unterstützt durch die FDP, nicht zur Abstimmung. Dies obwohl ein ähnlicher Antrag von der BVV Pankow auf Initiative der dortigen SPD, der Linken und der Grünen am 14. Oktober 2010 interfraktionär beschlossen wurde (Drucksache Nr. VI-0867).

Gewerbebauten Tür und Tor geöffnet

Anders als ihre Pankower Kollegen stimmten Mittes SPD und Grüne geschlossen für einen inhaltlich weit davon abweichenden Änderungsantrag (Drucksache 1360/III, angenommen mit 9 gegen 5 Stimmen, Gegenstimmen von CDU und Linken). Dieser Antrag sieht oberhalb des Gleimtunnels die Errichtung eines neuen städtischen Wohnquartiers vor, welches durch einen Teilabriss des denkmalgeschützten Gleimtunnels erschlossen werden soll. Weiterhin wird eine Bebauung von Teilen des Mauerparks befürwortet – dieser Absatz ist schwammig formuliert und lässt den Planungen Tür und Tor für den Bau von Hostels/Hotels sowie Büro- und Gewerbebauten mitten im Parkgelände offen. Die SPD in Mitte beruft sich auf Pläne der „Freunde des Mauerparks“ – vergisst aber, dass dieser mit seinen wenigen Mitgliedern nur einen winzigen Bruchteil der Bürgermeinungen und Bürgerinitiativen repräsentiert. Bürgerdeputierter Martin Bausch von den Grünen sprach von „Aufwertung der Region“ und von „Berücksichtigung der Verwertungsinteressen“ des Eigentümers, obwohl sich die Planung für Neubauten auf baurechtlich verbindlichen Grünflächen abspielt, die bei der Privatisierung der Vivico im Jahr 2008 nicht für den Preis von Bauland gekauft wurden.

Wir lehnen diesen Basarhandel mit Grundstücken rigoros ab,
und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Keine Vermengung: Wir wollen nicht, dass die Fertigstellung des Mauerparks nur zusammen mit einer großflächigen Bebauung im Norden diskutiert wird. Beide Komplexe müssen getrennt voneinander verhandelt werden.
  2. Zu teuer – aus Fehlern lernen: Für die Einräumung von Baurechten muss der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erlassen werden. Es ist jedoch rechtlich höchst fahrlässig, das Ergebnis eines zukünftigen Planungsverfahrens in einem Vertrag festzusetzen. Das Ergebnis hängt von vielfältigen Faktoren wie Bürgerbeteiligung und dem Ausgang möglicher Klagen von Anwohnern und Umweltverbänden ab. Schafft es das Land Berlin dann nicht, der Vivico die versprochenen Baurechte wie vereinbart einzuräumen, so hat diese einen Anspruch auf Schadensersatz. Dieser ist umso höher, weil es sich ja nun um teures Bauland handelt (statt der ursprünglich erworbenen Grünfläche). Es könnte sich hier als teures Unterfangen für den Steuerzahler erweisen. So hat es sich schon einmal beim Bauprojekt Spreedreieck an der Friedrichstraße ereignet, welches das Land Berlin Schadensersatz in Millionenhöhe kostete.
  3. Rechtlich zu unsicher: Die eventuelle Errichtung eines neuen Wohnquartiers im Norden steht und fällt mit dessen Erschließung. Vertreter des Denkmalschutzamtes in Pankow, das für den Gleimtunnel zuständig ist, winkten bereits im vornherein bei der Idee eines Teilabrisses des Tunnels ab. Es wird so auf Grundlage dieses neuen Vorschlags für ein Unterfangen, welches sich bereits vor der Planung als spekulativ und unrealistisch erweist, wichtige Zeit beansprucht, die für die eigentliche Debatte einer vollständigen Realisierung der Mauerparkflächen benötigt würde.
  4. Zu lange Verfahrensdauer: Bis das Verfahren durch ist können noch Jahre vergehen. Es wäre bei dieser Verfahrensgrundlage nicht abzusehen, wann der Mauerpark fertig gestellt würde. Dies ist mit Hinblick auf die völlige Übernutzung des Parks im Sommer sowie die drohende Rückzahlung der Fördergelder an die Allianz-Umweltstiftung von 2,3 Millionen € nicht hinnehmbar.

Wir fordern stattdessen, dass der Berliner Senat endlich zu seinem politischen Mandat steht. Auch die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus verwiesen darauf, dass der Senat hier zuständig sei. Dieser hat bereits im Jahr 1994 den Flächennutzungsplan geändert und dort den Mauerpark auf einer Fläche geplant, die dem Land Berlin nicht gehört. Für die Realisierung dieses Parks bekam der Landschaftsarchitekt Prof. Gustav Lange damals den Zuschlag. Es muss dem Senat schon damals klar gewesen sein, dass die Fläche gekauft oder die Mauerparkansicht, Sep09Eigentümer/in ggf. nach § 87 Baugesetzbuch enteignet werden muss. Dies wurde nun satte 15 Jahre lang versäumt! Ein Verweis auf leere Kassen scheint bei dieser vergleichsweise kleinen Fläche gegenüber Megainvestitionen von hunderten Millionen für Tempelhof, Gleisdreieck, Tegel, der U55 und allein den Kosten der Fehlplanung des Spreedreiecks absurd.

Koalitionsvertrag erfüllen!

Wir fordern insbesondere die SPD in Mitte sowie Senatorin Ingeborg Junge-Reyer auf, dem Vorbild der Pankower SPD, dem Koalitionsvertragsbeschluss des rot-roten Senats von 2006 und nicht zuletzt dem Landesparteitagsbeschluss ihrer eigenen Partei (vom 10. Oktober 2009) zu folgen und endlich mit den verschiedenen Bürgerinitiativen zusammenzuarbeiten. Die SPD hat die Fertigstellung des Mauerparks im Koalitionsvertrag mit den Linken selbst dokumentiert. Eine Passage aus dem Parteitagsbeschluss lautet: „Die Berliner SPD fordert die Vollendung des Mauerparks als Grün- und Freizeitfläche in der vom Flächennutzungsplan vorgesehenen Form.“

Der Beschluss des Ausschusses stellt zunächst eine Empfehlung an die Bezirksverordnetenversammlung dar, so zu beschließen. Im Allgemeinen halten sich jedoch die Verordneten an die Empfehlung ihrer Ausschüsse. Dennoch ist bislang nichts entschieden.

Rückschritt in das Jahr 2001

Wir appellieren an die Grünen und andere Parteien in Mitte, ihren spekulativen und wenig aussagekräftigen Antrag kritisch zu hinterfragen, sich interfraktionär für die beste Lösung einzusetzen sowie den Senat in die Pflicht zu nehmen.

Dieser Antrag und die Verfahrensweise eines Grundstückshandels bringt die „Debatte Mauerpark“ nicht nach vorn, sondern bedeutet einen Rückschritt in das Jahr 2001, als bereits eine geplante Änderung des Flächennutzungsplans am Bürgerwillen gescheitert ist.

Ein Weiterarbeiten auf Grundlage dieses Antrags bedeutet Stillstand und ein Beharren auf erfolglosen Versuchen und Vorhaben. Dies kostete den Prozess einer nachhaltigen, ökologischen sowie stadtentwicklungspolitisch vernünftigen Fertigstellung des Mauerparks schon einmal neun Jahre.

Logo BI Mauerpark FertigstellenDer Senat muss nach 15 Jahren Versäumnis endlich Verantwortung übernehmen. Er hat für den Erwerb der Flächen durch das Land Berlin zu sorgen – damit 20 Jahre nach dem Mauerfall endlich der Mauerpark fertiggestellt werden kann.

Initiativkreis Mauerpark Fertigstellen
Pressemitteilung vom 15.02.2010
Angelika Schön, Dipl.-Verw. Ralf Mark Stockfisch

Graffito: “Tuff City Kids” von Drik
Foto: Mario Rieger

Weblog der InitiativeMauerpark Fertigstellen

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Mauerpark im Stadtentwicklungsausschuss Mitte 27.01.10

Kompromiss erfunden

Bezirksverordnete in Mitte nehmen Kurs auf Mauerparkbebauung

Mehr Fragen aufwerfend als Antworten gebend schaffte es am 27. Januar 2010 ein Kompromiss zur Bebauung des Mauerparks, die Zustimmung des Ausschusses für Stadtentwicklung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte zu erhalten. Die Verordneten von SPD, FDP und den Grünen stimmten dafür, jene der Linken und der CDU dagegen. Das Wort hat nun das Plenum der BVV. Votiert diese im gleichen Sinn, folgt ein Bebauungsplanverfahren.

Gewerbebauung im Süden

Der Antrag “Mauerpark – Mit Grün verbinden, statt durch Bebauung trennen”, den die Linke im November 2009 eingebracht hatte, ist kaum wiederzuerkennen. Forderte der ursprüngliche Text, den Mauerpark gemäß dem Entwurf von Prof. Gustav Lange “in seiner geplanten Lage und Größe” fertigzustellen sowie die “im Flächennutzungsplan (FNP) festgesetzten Planungziele des Landes Berlin” zu realisieren, so soll jetzt lediglich noch die “größtmögliche Parkfläche … sichergestellt” werden und der Lange-Entwurf nur mehr der Orientierung dienen. Soweit erforderlich soll der FNP dafür geändert werden.

Weil der geltende FNP, der den fehlenden Parkabschnitt als Grünfläche einstuft, auf diese Weise seine Bedeutung verliert, musste im Antrag auf einzelne Bebauungsarten eigens eingegangen werden. Der Kompromiss sieht demnach einen Verzicht auf Wohnbauten im Parkareal vor. Zugleich soll “die Ansiedlung gewerblicher bzw. kultureller oder sportlicher Nutzungen – Vorentwurf Nordgebiet, Nov09, kleinbei Integration bestehender Nutzungen - … möglich sein.” Weiterhin bedurfte es des Zusatzes, dass Nutzungskonflikte “zu minimieren” seien.

Wohnbebauung im Norden

An die Stelle des “gemeinsamen Handelns” von Bezirk und Senat ist jetzt ein Appell an den Senat getreten, seine Verantwortung wahrzunehmen sowie die FNP-Änderungen einzuleiten. Die sind für die Parkfläche nach Meinung von Kritikern ohnehin unumgänglich. Für das gesamte Plangebiet würden sie zudem notwendig werden, damit nördlich des Gleimtunnels im vorgeschlagenen Umfang gebaut werden könnte. Diesem Gebiet widmet der Antrag einen neuen Abschnitt, in dem es heißt: “In Ergänzung der Planungen von Professor Lange und in Anlehnung an das Bebauungskonzept der Initiative ‘Freunde des Mauerparks’ soll ein neues städtisches Wohnquartier realisiert werden.”

Endlich könnte der Park ohne Mehrkosten seine einst geplante Größe nahezu erreichen, freuen sich die Antragsbefürworter. Viele Anwohner, die Bürgerinitiative “Mauerpark Fertigstellen” sowie der Bürgerverein Gleimviertel teilen diesen Jubel allerdings nicht. “Großer Interpretationspielraum statt größtmögliche Parkfläche” fasst zum Beispiel Christian Rippel von der Initiative “Mauerpark Fertigstellen” den Inhalt des Beschlusses zusammen: Schwammige Formulierungen und Unklarheiten über das “Was und Wie” in Zukunft möglicher Nutzungen “öffneten der Bebauung des Mauerparks alle Türen.” Es blieben viele Fragen offen.

Offene Fragen

Als eine wesentliche Quelle solcher Unwägbarkeiten ist die planerische Verknüpfung der Lösungen für den nördlichen und südlichen Grundstücksteil anzusehen. Städtebaupolitische Gründe gibt es dafür nicht. Stattdessen übernimmt der künftige Bebauungsplan letztlich die wirtschaftliche Ausgleichslogik des Investors. Was aber, wenn die Erschließung des Baugebiets im Norden nicht durch Modifikation des Baudenkmals Gleimtunnel erreicht werden kann? Wie möchte der Bezirk garantieren, dass der Traum der “Freunde des Mauerparks” vom “Übergang zwischen Stadt und Park durch eine Art offenen Gewerbehof mit Marktplatz-Atmosphäre” im Süden Wirklichkeit wird?…

Die Eigentümerin des Grundstücks, die Vivico GmbH, hat in den letzten Wochen mehrfach klargemacht, dass sie bei aller Gesprächsbereitschaft an der Formel “Baumasse für Grünfläche”, also mehr Grünfläche hier gleich werthaltiger bauen dort, festzuhalten gedenkt. Die Bezirksverordneten in Mittes Ausschuss für Stadtentwicklung folgen diesem schmalen Grat und versprechen dem Immobilienentwickler eine “finanziell vertretbare Grundstücksausnutzung”, solange es dabei “ökologisch und städtebaulich verträglich” zugehe. Eine bemerkenswert unentschlossene Haltung angesichts der innerstädtisch seltenen Gelegenheit, ein grünes Erholungsgebiet von nennenswerter Größe schaffen zu können.

Mario Rieger, 29.01.2010

Grafik: Giesler u. Thiele Architekten, leicht bearb. mr

 

Stadtentwicklungsausschuss der BVV Mitte am 27.01.10:
Änderungsantrag DS 1360/III zum Mauerpark mit Ursprungstext (pdf, 79 kB)

Die Bürgerinitiative „Mauerpark Fertigstellen“ führt regelmäßig für alle offene Treffen durch und freut sich über jede Form der Unterstützung.

Weblog der InitiativeMauerpark Fertigstellen

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BVV-Mitte debattiert neue Gothe-Pläne zum Mauerpark

Neue Mauerpark-Pläne in der BVV Mitte vorgestellt

Bürgerinitiativen protestieren und tragen ihre Standpunkte vor

Knapp 200 Demonstranten fanden sich am 25. November vor der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte ein, um ihrer Forderung nach Fertigstellung des Mauerparks ein weiteres Mal Nachdruck zu verleihen. Die meisten von ihnen verfolgten anschließend MP-Plan BA Mitte, die Erörterung des Themas im Ausschuss für Stadtentwicklung des Bezirksparlaments. Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung Ephraim Gothe stellte dort zwei Varianten seines Bebaungsplans für das frühere Bahngelände von der Bernauer Straße zum Nordkreuz vor und leitete damit den Prozess der Meinungsbildung und Beschlussfassung in dieser Sache offiziell ein.

Im Einvernehmen - mit dem Investor

Der fragliche Landstreifen umfasst im Süden den 2. und 3. Bauabschnitt des Mauerparks und im Norden eine wichtige Grünverbindung.

Plan A“ entspricht weitgehend den zuletzt bekannt gewordenen Vorschlägen: Wohnblöcke entlang der westlichen Weddinger Flächengrenze einschließlich dazugehöriger Gärten südlich sowie kompakte Wohnbebauung nördlich des Gleimtunnels. „Plan B“ beschränkt die Randbebauung auf den Bereich zwischen Lortzing- und Gleimstraße, erlaubt Gebäude für Wohn- und Gewerbezwecke im Süden und sieht dazwischen eine breitere Öffnung der Grünfläche zum Wedding hin vor. Die Folge ist gemäß der zugrunde liegenden Logik eine größere „Massivität“ der Wohnbebauung im Norden.

BA Mitte, Mauerpark-Plan Beide Ausführungen ergeben 5,6 Hektar an Grünfläche für den Park und sind in enger Abstimmung mit der Grundstückseigentümerin Vivico GmbH entwickelt worden, wie Baustadtrat Gothe hervorhob.

Den „Mittelstand hereinlocken“

Einen Handel von Baurecht gegen Grünfläche nennen das jedoch die Kritiker. Wie zur Bestätigung berichtete der Stadtrat über die offenbar vor Jahresfrist entstandene günstige Gelegenheit, mit der Vivico „neu ins Geschäft zu kommen.“ 35 „Planungsschichten“ später ist das Verhandlungsergebnis das eine, das anstehende öffentlich-rechtliche Planverfahren etwas anderes. Aus diesem Grund versuchte Gothe, zumindest für den Wohnungsbau ein öffentliches Interesse zu konstruieren, nämlich die „soziale Durchmischung“ der angrenzenden Stadtquartiere „aufzuwerten“. Denn diese Viertel rangierten im untersten Zehntel des Berliner Sozialstrukturatlas und da könnten frische Wohnkomplexe doch „den Mittelstand hereinlocken.“

Im weiteren Verlauf führte der Stadtrat zudem ins Feld, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe die Vereinbarkeit des Vorhabens mit dem Flächennutzungsplan (FNP) für gegeben befunden, und berief sich schließlich noch auf einen Bereichsentwicklungsplan aus dem Jahr 2004. Beides blieb nicht unwidersprochen.

Stellungnahmen der Bürgerinitiativen

Nachdem der Architekt der Grünanlage Professor Gustav Lange begründet hatte, warum „Wohnbebauung eigentlich aus dem Park rausgelassen“ werden müsse, erteilte der Ausschussvorsitzende Frank Bertermann den „Freunden des Mauerparks“ das Wort: Ihr Sprecher Bernd Krüger solle erläutern, „wie Sie sich eine Bebauung des Mauerparks vorstellen“. Namens der Bürgerinitiative stellte Krüger sodann einen „Plan C“ vor: Keine Wohnhäuser im Park selbst, ergänzend zum Bestehenden gewerbliche, sich zum Park hin öffnende Bebauung mit „sozio-kultureller“ Nutzung von der Bernauer Straße her, im übrigen Grünfläche bis zur Gleimstraße. Weiter nördlich schließt sich eine, über den hierfür umzugestaltenden Gleimtunnel erreichbare, intensive Wohnbebauung an. Den Konzeptinitiatoren schwebt dabei ein „verbindender Wohn- und Lebensort“ nach Vorbildern Prenzlauer Berger Stadtkultur vor.

BVV Mitte, Ausschusssitzung 25.11.09„Bebauung ist Bebauung“ hielt im Anschluss Heiner Funken dagegen. Als ebenfalls geladener Vertreter der Anwohner stellte das Vorstandsmitglied des Bürgervereins Gleimviertel im Namen mehrerer Initiativen klar: „Wir lehnen eine Bebauung im Süden grundsätzlich ab.“ Das Wohngebiet am Nordkreuz werde keine integrierende Wirkung entfalten, sondern eine „soziale Kante“ bilden. Der Mauerpark habe sich durch seine Ausprägung als Kulturraum, seiner daher erlangten internationalen Bekanntheit, für ganz Berlin längst bezahlt gemacht. Das Land Berlin müsse die Fläche erwerben, zumal es von Anfang an gewusst habe, dass sich diese Frage einmal stellen werde. Er kündigte erneut eine Klage an, falls der FNP missachtet werden sollte.

Verbinden, nicht trennen

Die bezirksübergreifende Dimension der Parkgestaltung betonten auch die Pankower Bezirksverordneten Klaus Mindrup und Peter Brenn. In leidenschaftlichen Plädoyers für den ganzen Mauerpark reichten sie ihren Kollegen in Mitte die Hand zur Zusammenarbeit. Deren Schlussdiskussion galt einem Antrag der Linken, wonach die BVV Mitte die Ziele des FNP, des Lange-Plans sowie der Bürgerinitiativen unterstütze. Das Gremium beschloss allerdings die Vertagung der Vorlage.

Bemerkenswert: Besonders die CDU-Verordneten zeigten sich unzufrieden mit den Entwürfen des Baustadtrats und der Vivico. Sie riefen das Realisierungsversprechen des Senats aus den 90er Jahren, das ja seinerzeit im FNP zum Ausdruck gekommen war, in Erinnerung. Mag vielleicht der eine oder andere Bau sich noch in die vorhandene und künftige Vegetation einfügen lassen (müssen), so gelte doch: Wo einst die Mauer stand, soll nichts Neues wieder trennen, sondern das Grün verbinden, forderte Ausschussmitglied Dr. Dieter Schulze.

Die Debatte ist also einmal mehr in einer entscheidenden Phase und ihr Ausgang völlig offen. In diesem Jahr haben die Bürgergruppen – allen voran die Initiative „Mauerpark Fertigstellen“ und ihr Organisator Christian Rippel – eine in Umfang und Vielfalt beispiellose Mobilisierung für den Mauerpark erreicht. Sie wird im nächsten Jahr wieder gebraucht werden.

Mario Rieger, 29.11.09

Grafiken: BA Mitte, 02.12.09 / mr
Foto: BI “Mauerpark Fertigstellen”

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BV Gleimviertel zu Plänen der “Freunde des Mauerparks”

Irrweg in den Verkauf öffentlichen Rechts

Zum Vorschlag des Vereins „Freunde des Mauerparks“ (FdM) über die gewerbliche Nutzung und Neubebauung von Mauerparkflächen sowie Bebauung des Grünzugs nördlich des Gleimtunnels

Die FdM streben mit ihrem Bebauungs- und Nutzungskonzept vom 19.11.09, wie zuvor der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, die Änderung der bisherigen landesplanerischen Zielstellung für Teile des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs an:

Mauerpark-Konzept Nov09, FdMStatt Grün – eine Wohnbebauung (ein „neues Wohnviertel“) nördlich des Gleimtunnels, bei Teilabriss des denkmalgeschützten Brückenbauwerks, und eine gewerbliche Nutzung mit ergänzender Neubebauung im südlichen Teil.

Eine Abstimmung mit „allen Akteuren“ - wie behauptet – hat es zwar nicht gegeben, aber jede/jeder kann auch im eigenen Namen und eigener Verantwortung Ideen zur Diskussion stellen und eine Antwort erwarten.

Auf Basis der Pressemitteilung der FdM ergeben sich die folgende Fragen und Widersprüche.

1. Zu den gewerblichen Bebauungs- / Nutzungsplänen im Süden

Bei diesem Abgehen von der derzeitigen Grünzugplanung des Landes und dem beschlossenen Mauerparkkonzept ist zum einen festzuhalten, dass man den Bebauungsplänen, die Gothe mit der Vivico unter dem Aspekt des Tausches von Bauland gegen Grünfläche (Verwertungsinteresse der Vivico) ausgehandelt hat, eine Absage erteilt.

Man knüpft auch an Themen an, die sowohl im Kreis der Bürgerinitiativen als auch von politischen Gremien und Politikern, die sich für eine Fertigstellung des Mauerparks in geplanter Größe und am geplanten Ort einsetzen, in den letzten Monaten und Jahren diskutiert wurden. Dabei wurde ein Erhalt von parkverträglicher Gewerbenutzung (Gastronomie, Markt) am südlichen Ende des Mauerparks in Abweichung vom „Lange-Plan“ für möglich und wünschenswert gehalten.

Allerdings schlagen die FdM eine räumliche und qualitative Erweiterug dieser Art von Gewerbenutzung verbunden mit Neubau von Gewerbeeinrichtungen bis hin zu Jugendfreizeithaus und Hotel-Neubau vor. Zwar wird das Maß dieser Nutzungserweiterung nicht genannt, aber sie geht über das bisher diskutierte augenscheinlich weit hinaus.

Einen städtebaulichen Grund für diese Extensivierung und Intensivierung der Gewerbenutzung zu Lasten der Grünnutzung geben die FdM nicht an.

Dieser Vorschlag konterkariert die bisher gemeinsamen Positionen der Bürgerinitiativen zumindest partiell.

Derzeit ist – trotz der Zielplanung des Landes Berlin als Grünfläche – dieses Gelände eine Gewerbefläche. Der Grundstückseigentümer könnte die Gewerbenutzung im augenblicklichen Rahmen fortführen und festigen.

Das Maß der gewerblichen Nutzungsmöglichkeit wollen die FdM jetzt erweitern. Das wird die Vivico wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Die Art der Nutzung bestimmt, sofern nicht planungsrechtlich eingeschränkt, der Grundstückseigentümer selbst nach Maßgabe seiner Verwertungsinteressen. Die können ihm die FdM nicht vorgeben.

Mit dieser Fortschreibung und Erweiterung der gewerblichen Nutzung verwirkt auch die Gemeinde (Berlin) ihren Übernahmeanspruch an diesen Flächen. Wenn die Gemeinde hier eine intensivierte Gewerbenutzung als städtebauliches Ziel normiert, kann es nicht divergierende Gemeinweseninteressen geltend machen, wenn der Grundstückseigentümer dieses Ziel realisiert.

2. Wohnviertel im Norden

Vollkommen merkwürdig und unverständlich ist, dass sich eine Bürgerinitiative, die sich die quantitative und qualitative Verbesserung des öffentlichen Grüns in der Innenstadt auf die Fahnen geschrieben hatte, der massiven Bebauung eines geplanten Grünzugs das Wort redet. In „Reaktion auf die vorliegende Eigentumssituation“ will man einen „verbindenden Wohn- und Lebensort“ in ähnlicher Qualität wie im angrenzenden Gleimviertel schaffen.

Abgesehen von der wahrscheinlich unbeabsichtigten Geringschätzung des benachbarten Weddinger Wohnviertels, wird für die beabsichtigte Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität in den beiden benachbarten Wohngebieten durch den Verzicht auf die Grünverbindung sowie die geplante Frei- und Erholungsfläche und für die massive Verdichtung der Wohnbebauung kein einziger städtebaulicher Grund dargelegt.

Wenn sich Landes- und Bezirkspolitiker Gedanken machen, wie sie öffentliche Ziele möglichst schonend für die Landeskasse realisieren können, ist das teilweise noch nachvollziehbar. Aber warum die FdM jetzt auf dem geplanten Grünzug zu Lasten der Anwohnerschaft ein Wohnviertel errichten lassen wollen, bleibt unerklärlich. Wollen sie im dann erforderlichen FNP-Änderungsverfahren und im Bebauungsplanverfahren bei der Beteiligung der Öffentlichkeit, in dem es um die Abwägung des Für und Wider solcher Bebauung geht, dieser auf Kosten des Grüns das Wort reden?

3. Teilabriss des Denkmals Gleimtunnel

Nebenbei verlassen die FdM noch einen weiteren Grundkonsens der Anwohnerinitiativen der letzten beiden Jahrzehnte: Erhalt und Sanierung des Gleimtunnels. Nun soll er teilweise abgerissen werden, um eine Erschließungsstraße für das neue Wohnviertel abgehend von der Gleimstraße zu bauen. Für Straßenbau und Schaffung eines städtebaulich fragwürdigen Wohnviertels soll ein bedeutsames bautechnisches Denkmal demoliert werden.

4. Ausverkauf öffentlichen Rechts

Die FdM folgen Ephraim Gothe auf seinem Irrweg in den Verkauf öffentlichen Rechts. Auch sie wollen ganz offensichtlich dem Immobilienunternehmen Vivico einen viele Millionen Euro werthaltigen Vorteil unter Aufgabe öffentlicher Interessen zuschanzen, um im Gegenzug eine Fläche zur Fertigstellung des Mauerparks zu geringen Kosten überlassen zu bekommen.

Ganz abgesehen davon, dass es rein rechnerisch für das Land ein nachteiliges Tauschgeschäft wäre, so ist es in der Sache ein Verkauf von öffentlichem Recht.

Das Wesen dieses Geschäfts wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Land Berlin hier ein Baurecht verkaufen soll, das erst noch im Ergebnis eines öffentlich-rechtlichen Planverfahrens zu schaffen wäre.

Da soll das Baurecht für 7- bis 10-geschossige Häuser in großer Dichte auf bislang als Grünzug vorgesehenen Flächen in Zahlung gegeben werden. Damit wird das Ergebnis des Planverfahrens präjudiziert.

Eine Bürgerinitiative will einen Weg einschlagen, der die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange in Planverfahren zur Farce macht.

Und das Land Berlin trägt das Risiko, wenn im Ergebnis des Planverfahrens keine oder eine weniger intensive Wohnbebauung als Maß der Nutzung herauskommen sollte, der Vivico dann aus der öffentlichen Kasse mehr Geld zahlen zu müssen, als bei Übernahme der Gewerbefläche für die Fertigstellung des Mauerparks fällig gewesen wäre.

Logo Bürgerverein GleimviertelZwar hat ein solches Dealen mit Immobilien und Baurechten in der Berliner Politik - Stichwort „Spreedreieck“ - eine gewisse ungute Tradition; Bürgerinitiativen sollten sich aber für solche Tauschgeschäfte nicht vereinnahmen lassen.

Bürgerverein Gleimviertel, 25.11.2009

Grafik: Freunde des Mauerparks / mr

Mauerpark-Konzept der “Freunde des Mauerparks”:
Pressemitteilung vom 16.11.09 (221 kB)

 Weblog der “Freunde des Mauerparks

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Pressemitteilung der Bürgerinitiativen vom 16.11.09

Ein Brief an Wowereit: Keine Bebauung des Mauerparks

Große Demonstration zum Roten Rathaus

Mauerpark-Demo, 14.11.09, 1Am 14.11.09, ab 15.00 Uhr, demonstrierten 2500 Menschen, darunter Abgeordnete des Bundestags, des Abgeordnetenhauses von Berlin und Bezirksverordnete von Pankow und Mitte, gegen die Bebauung und für die Fertigstellung des Mauerparks. Die Demonstration zog mit Pauken und Trompeten, mit bunten Kostümen und Kunstaktionen vom Mauerpark zum Roten Rathaus.

Aufgerufen zu dieser Demonstration hatten unter anderem die folgenden Initiativen, Vereine und Parteien:

MAUERPARK FERTIGSTELLEN, DIE LANDNAHME, BIN BERLIN,
BÜRGERVEREIN GLEIMVIERTEL, DIE ANTIFA, MEDIASPREE VERSENKEN,
FREUNDE DES MAUERPARKS, DIE PIRATEN, DIE LINKE, DIE GRÜNEN.

Alle Sprecher der Initiativen und Parteien forderten in ihren Reden die Verantwortlichen in Senat und Bezirksamt Mitte auf, den Park fertigzustellen und keine Grundstücksgeschäfte zu Lasten des Parks zu tätigen.

Es wurde unisono auf die besondere Qualität und Kreativität des Parklebens hingewiesen und auf die Unvereinbarkeit einer Bebauung des westlichen Mauerparks mit der Urbanität dieses Parks.

Mauerpark-Demo, 14.11.09, 2Speziell die Verantwortlichen in der SPD wurden aufgefordert, auf die jahrelangen Proteste der Berliner Bürger einzugehen. Außerdem solle die SPD auf die Ablehnung des Koalitionspartners DIE LINKE eingehen, die Bebauungspläne in den Ausschüssen von drei Parlamenten (Abgeordnetenhaus, Mitte, Pankow) seit zwei Legislaturperioden deutlich zurückgewiesen hat.

Die Sozialdemokraten wurden aufgefordert, den Passus im Senatskoalitionsvertrag von SPD und DIE LINKE zum Mauerpark endlich ernst zu nehmen und entsprechend umzusetzen.

Es wurde auf die virulente Debatte zum Mauerpark auf dem Landesparteitag der Berliner SPD hingewiesen, die deutlich gezeigt habe, dass viele SPD-Abteilungen und die Jugendorganisation JUSOS mehrheitlich die Bebauungspläne ablehnen.

Auch DIE GRÜNEN lehnen, in drei Parlamenten, die Bebauung des Parks seit zwei Legislaturen ab.

Umgehung des Flächennutzungsplans unzulässig

An die Adresse von Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer und Bezirksstadtrat Gothe gerichtet, kündigte Heiner Funken, Vorstand des Bürgervereins Gleimviertel, an: “Für den Fall, dass versucht wird, die Bebauung ohne Änderung des Flächennutzungsplans durchzuziehen, werden wir vor Gericht Klage einreichen. Wir werden in einer Allianz mit Abgeordneten des Abgeordnetenhauses von Berlin sowie Bezirksverordneten aus Mitte und Pankow gegen die unrechtmäßige Beschneidung der Rechte und Pflichten des Abgeordnetenhauses Logos BI von Berlin klagen.

Wir weisen den Versuch, eine missliebige Parlamentsentscheidung zu umgehen, als demokratisch unzulässig zurück.“

Bürgerinitiative „Mauerpark Fertigstellen“
Bürgerverein Gleimviertel

Gemeinsame Pressemitteilung
Berlin, den 16.11.2009

Fotos: Mario Rieger

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Pressemitteilung zum Mauerpark vom 30.10.09

Berliner Parteien für die Fertigstellung des Mauerparks

Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus am 9. November 2009

Die Bürgerinitiativen, die sich seit Jahren für die Fertigstellung des Mauerparks einsetzen, werden offensiv und fraktionsübergreifend von den Berliner Parteien unterstützt:
Auf Antrag aller Fraktionen des Abgeordnetenhauses kommt es am 20. Jahrestag des Mauerfalls, dem 9. November 2009, 10.00 Uhr, zu einer Anhörung „Konzepte für die Zukunft des Mauerparks“ im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Eingeladen sind:

  • Herr Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk Mitte,
  • Herr Dr. Michail Nelken, Bezirksstadtrat im Bezirk Pankow und Leiter der Abteilung Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung,
  • Herr Heiner Funken, Vorstand Bürgerverein Gleimviertel e.V.

Fertigstellung ohne Wenn und Aber!Mauerpark, FNP 2004, klein

Seit Jahren kämpft der Bürgerverein Gleimviertel für die Fertigstellung des Mauerparks ohne Wenn und Aber. Nach dem Flächennutzungsplan (FNP) des Landes Berlin ist das Gebiet zwischen Bernauer Straße und Gleimtunnel, auf dem noch vor 20 Jahren die Berliner Mauer verlief, für die Entwicklung eines verbindenden Grünzuges als Park und Freizeitfläche zwischen den Bezirken Mitte (Wedding) und Pankow (Prenzlauer Berg) festgelegt. Doch bis heute ist der Park nur auf der östlichen zu Prenzlauer Berg gehörenden Seite umgesetzt und deshalb erst halb fertig. Er stellt eine überaus stark genutzte Freizeit- und Erholungsfläche dar, die dringend einer Vergrößerung bedarf. Angesichts drohender Bebauungspläne vom Bezirk Mitte fordern die Bürger und Parkanlieger von beiden Seiten seit Jahren, dass das Land Berlin zu seinem Versprechen steht und den Mauerpark als Ganzes endlich fertigstellt. Die vom Bürgerverein Gleimviertel unterstützte Initiative „Mauerpark Fertigstellen“ hat in diesem Sommer mehrere tausend Mitstreiter gewinnen können. Zu einem Protestfest gegen die Bebauungspläne am 27. 9. 09 kamen ca. 9000 Besucher in den Mauerpark. Am 14. November 09 findet eine große Demonstration zum Roten Rathaus statt. Die Bürger machen Druck.

Kein Handel „Grün für Baurecht“!

Der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, versucht ein Tauschgeschäft mit den Eigentümern der westlichen Seite der Mauerparkfertigstellungsfläche, indem er Baurechte für eine massive Wohnbebauung gegen Restflächen für eine Erweiterung des Mauerparks einhandeln will. Dagegen sind zahlreiche Bürgerinitiativen und der Bürgerverein Gleimviertel sturmgelaufen. Nun haben die Bürger Rückenwind von der Bezirksverordnetenversammlung Pankow und der Berliner Landes-SPD. Auf Antrag der Fraktionen SPD, Linke und Bündnis 90 / Die Grünen hat die BVV Pankow am 14.10.09 mehrheitlich gegen die Bebauungspläne von Mitte und für die Fertigstellung das Mauerparks gestimmt. Auf dem Berliner Landesparteitag der SPD am 10. 10. 09 bekennt sich die Berliner Landes-SPD zur Vollendung des Mauerparks in vorgesehener Form und sieht in einer Bebauung der westlichen Seite eine Bedrohung des „urbanen Lebensgefühls“ im Mauerpark. Auch die Berliner Linke fordert erneut, die Fertigstellung des Mauerparks in der vorgesehenen Größe von 14 ha. Sie kritisiert die von Baustadtrat Gothe beabsichtigte Umgehung des Flächennutzungsplans und stellt klar, dass dessen Bebauungspläne einer Änderung des FNP bedürfen. Ohne eine mehrheitliche Zustimmung Logos BI im Berliner Abgeordnetenhaus ist eine solche Änderung jedoch nicht machbar. Die Linksfraktion hat bereits mehrfach öffentlich erklärt, einer Änderung des FNP nicht zuzustimmen.

Bürgerinitiative Mauerpark Fertigstellen
Bürgerverein Gleimviertel
Gemeinsame Pressemitteilung
Berlin, den 30. Oktober 2009

 

Grafik: Mario Rieger
(Grundlage: Flächennutzungsplan Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)

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Protestfest im Mauerpark am 27.09.09

Heißer Herbst im Mauerpark

Protestfest: Künstler und Initiativen gegen Bebauungspläne

Sonne wie im Sommer, angesagte Live-Acts, super Stimmung und eine Bühne des Widerspruchs: Das war das Protestfest „Alarm gegen die neuen Bebauungspläne des Mauerparks“ am Bundeswahlsonntag 2009.

Alle Redner der Demonstration am Amphitheater stellten sich unmissverständlich gegen die Absicht des Baustadtrats von Berlin-Mitte, Ephraim Gothe, die einst geplante Parkgröße durch Bauvorhaben zu verringern. An den Informationstischen rechts und links der BühneMauerpark-Protestfest 27.09.09, Info-Tisch konnte sich jeder ein Bild von der Geschichte des Mauerparks, seiner jüngeren Entwicklung sowie dem ständigen Kampf der Anwohner für die ungeschmälerte Fertigstellung als Grünfläche machen. Vertreter des Initiativkreises „Mauerpark Fertigstellen“, des Vereins „Freunde des Mauerparks“ und des Bürgervereins Gleimviertel beantworteten Fragen, sammelten Spenden und luden zum Mitstreiten ein.

Aufruf:
Demonstration am 25. November

Die neuen Baupläne für bis zu sieben Etagen hohe Wohnquader sind noch lange nicht vom Tisch. Nächster wichtiger Termin ist der 25. November dieses Jahres. Dann befindet der Ausschuss für Stadtentwicklung des Bezirksparlaments Mitte in einer öffentlichen Sitzung über die Pläne. Ein wichtiger Anlass, erneut Widerstand zu demonstrieren. Christian Rippel, rastloser Kopf der Festorganisation, rief deshalb alle dazu auf, an diesem entscheidenden Tag dabei zu sein. Das tat auch Heiner Funken, Vorstand im Bürgerverein Gleimviertel, und versprach: „Wir lassen uns unseren Park nicht nehmen.“ Andreas Otto, Prenzlauer Berger Direktmandatar im Abgeordnetenhaus Berlin und ebenfalls engagiert im Bürgerverein, appellierte an die Anwohner in Mitte, nicht minder entschlossen wie die Pankower für den ganzen Mauerpark ”Druck zu machen”. Michael Wittkowski vom Bürgerforum Mitte nahm die Anregung gern auf und kündigte Unterstützung an.

Protestfest 27.09.09, Besucher

Viele Stimmen – ein Gedanke

Als einen „kulturellen Ort für alle“ hatte Otto den Mauerpark beschrieben. Genau richtig daher die Idee der Organisatoren von der Initiative “Mauerpark Fertigstellen” und der Punkrock-Band FragFrank, hier ein Protestkonzert auf die Beine zu stellen. Das Programm konnte sich sehen und hören lassen: Naile und Timur, S-Rok, Nandez’n Noize, Rob Longstaff, Joe „Karaoke“ Hatchiban, FragFrank, Jenz Steiner, Robert Lee and the Frees und Dr. Motte performten unterm „Rettet Euern Park“-Graffito. Die meisten von ihnen ließen es dabei nicht bewenden, sondern bezogen die Forderung „Mauerpark Fertigstellen“ in ihre Auftritte mit ein. „This is a beautiful place“ meinte zum Beispiel Rob Longstaff zur Begründung und spendete den Veranstaltern die Hälfte seiner Tages-CD-Erlöse.

Protestfest 27.09.09, Künstler

Dass der Mauerpark also ein „wundervoller Platz“ zum Zusammensein, Musikmachen und Feiern, ein Freiraum inmitten der Großstadt ist, das sahen die Rapper S-Rok und Nandez’n Noize genauso. Abends hieß es dann in diesem Sinne mit Dr. Motte “Wir tanzen für den Mauerpark”.

Jetzt kommt es darauf an dranzubleiben, damit der heiße Herbst am 25. November in Mittes Bezirksparlament mit Erfolg zu Ende geht. Die Bürgerinitiative „Mauerpark Fertigstellen“ fordert alle auf, dorthin zu kommen, um gemeinsam die Bebauungspläne zu verhindern – in diesem Jahr und darüber hinaus.

Mario Rieger, 29.09.09

Fotos: Mario Rieger 


Der Initiativkreis „Mauerpark Fertigstellen“ führt regelmäßig für alle offene Treffen durch und freut sich über jede Form der Unterstützung.

Weblog des Initiativkreises „Mauerpark Fertigstellen“

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Bürgertreffen mit Baustadtrat Gothe am 09.09.09

Mauerpark im “Kiezgespräch”

Baustadtrat Gothe verteidigt seine umstrittenen Baupläne

Zahlreiche Anwohner folgten am 9. September 2009 der Einladung von Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe zum so genannten “Kiezgespräch”. Auch viele Kinder der Freien Schule am Mauerpark waren ins Weddinger “Familien-Café Spielzeit” gekommen. Sie hatten Transparente dabei, auf denen sie den Fortbestand ihres Spielplatzes forderten.

Mit ihren Wünschen blieben sie nicht allein: Die meisten der anwesenden Bürger bewegten vor allem die neuen Bebauungspläne für den Mauerpark. Als eine zehnjährige Schülerin vorschlug, über die Wohnbauvorhaben im Park abzustimmen, votierte die überwältigende Mehrheit dagegen. Nur drei waren dafür.

Folgende Aspekte stachen bei der Argumentation der Bürger besonders hervor:

  • Bebauung historisch wertvollen und äußerst sensiblen Gebiets (Mauerstreifen),
  • Vernichtung einer lebendigen Kulturlandschaft durch absehbare Nutzungskonflikte (zum Beispiel Lärmbeschwerden durch künftige Anwohner),
  • Bebauung einer dringend benötigten Grünfläche bei gleichzeitig zunehmender Verdichtung in den umliegenden Wohngebieten,
  • Zerstörung einer ökologisch wichtigen Frischluftschneise sowie eines natürlich entstandenen Biotops.

3D-Simulation, Mauerparkpläne 2009

Abb.: 3D-Visualisierung der geplanten Baukörper im Mauerpark von Jan-Philipp Jähnke 

15 Millionen gesucht

Stadtrat Gothe verteidigte die Baupläne: Die Bebauung würde positive Impulse für das Brunnenviertel bringen. Er berief sich auf eine Bereichs­entwicklungsplanung des Bezirks aus dem Jahr 2004, in der das umstrittene Gelände als Wohngebiet vorgesehen ist. Einen Rückkauf des Areals hält Gothe aufgrund der angespannten Haushaltslage für unrealistisch. 15 Mio. Euro wären ihm zufolge dafür zu veranschlagen. Als er darauf hingewiesen wurde, dass sich die Fläche zu Beginn seiner Amtszeit noch in Bundesbesitz befand und man damals eine Lösung zwischen Bezirk, Senat und Bund hätte suchen sollen, gestand er ein, die Politik habe sich seinerzeit möglicherweise nicht genügend um diese Frage gekümmert. Nun müsse man jedoch die heutige Situation zugrunde legen und mit dem inzwischen privaten Eigentümer verhandeln.

Einwände der Initiativen und von Privatpersonen ignorierte er weitgehend, Argumenten wich er aus. Als Ziele gab er an:

  • den bestehenden Park um eine möglichst große Fläche zu erweitern,
  • folglich keine Rückzahlungen an die Allianz-Umweltstiftung leisten zu müssen, deren finanzielles Engagement ja an die Erreichung einer Mindestparkgröße gebunden ist,
  • eine gute Zugänglichkeit zum Mauerpark vom Wedding aus zu gewährleisten, und zwar über die Lortzingstraße sowie das Gelände der DeGeWo, und
  • bei dieser Gelegenheit den Gleimtunnel freundlicher zu gestalten.

Auf den Vorschlag hin, lediglich den Teil der Brache nördlich der Gleimstraße zu bebauen, gab er zu bedenken, dass dies eine Änderung des Flächennutzungsplans (durch das Abgeord­netenhaus) voraussetzen und darüber hinaus einen zusätzlichen, erschließenden Zufahrtsweg von Prenzlauer Berg aus notwendig machen würde. Die drohenden Nutzungskonflikte will er mit der Festschreibung einer gemischten Nutzung lösen. Im Vergleich zu reinen Wohngebieten hätten die künftigen Mieter dann beispielsweise höhere Lärmpegel zu tolerieren.

15 Millionen gefunden

Ein Vertreter der „Freunde des Mauerparks“ bemerkte, er finde es schade, dass die Bedenken der Bürger am Baustadtrat abperlen. Er plädierte dafür, gemeinsam nach einer konstruktiven Lösung zu suchen.

Am 4. November dieses Jahres werden die Baupläne dem Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung Mitte vorgestellt. Dort soll über die weitere Verfahrensweise entschieden werden.

Der Initiativkreis „Mauerpark Fertigstellen“ meint: Wegen des Notfahrplans kürzt der Senat seine Zahlungen an die S-Bahn GmbH um 15 Mio. Euro. Das Geld ist jetzt also da! Nun muss die Politik nur noch zeigen, ob sie zu ihren Absichts­erklärungen steht!

Thomas Loew, Angelika Schön; 10.09.2009

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Mauerparkpläne: Treffen mit Gothe und Vivico am 23.07.09

Mauerpark Plan Juli09, Grafik kleinBaustadtrat Gothe und Vivico stellen neue Pläne zur Mauerpark-Bebauung vor

Mehrheitliche Ablehnung bei BürgerInnen und stadtentwicklungspolitischen SprecherInnen

Am 23.07.09 stellte der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, im Quartiers-Management Brunnenviertel die zwischen ihm und dem Grundeigentümer Vivico Real Estate ausgehandelten Mauerparkpläne vor. Diese Pläne sehen einen 6-7 geschossigen, 30 Meter breiten Gebäuderiegel vor, der Rücken an Rücken mit den bestehenden Weddinger Bauten stehen würde. Der Gebäudestreifen soll, mit kleinen Unterbrechungen, von der Bernauer Straße bis über die Gleimstraße in einer Schleife an den Bahngraben herangeführt werden. Die Bebauung mündet in einem 10-Geschosser am Schwedter Steg.

Gothe bietet der Vivico Baurecht für ca. 4,75 ha an, um damit ca. 5,2 ha Fläche für den Park einzuhandeln. Sowohl die VertreterInnen der Pankower und Weddinger Bürgerinitiativen und Vereine als auch die anwesenden stadtentwicklungspolitischen SprecherInnen der Bezirksverordnetenversammlung Mitte, ausgenommen der SPD-Vertreterin, lehnten mit detaillierter Kritik die gezeigte Planung ab.

Hauptkritikpunkte:

  • Der so entstehende Park würde in seiner schmalen, lang gezogenen Form nicht funktionieren;
  • Unsensibler Umgang mit dem historisch bedeutsamen Areal;
  • Trennung zwischen Wedding und Prenzlauer Berg wird manifestiert, nicht gelockert;
  • Starke Nutzungskonflike zwischen den neuen Bewohnern und den Parknutzern sind unausweichlich und vorhersehbar;
  • Formale und rechtliche Grundlagen des Handelns sind nicht geprüft. So bleibt die Frage ungeklärt, ob für ein Baufeld von 4,5 ha Größe auf einer im Flächennutzungsplan (FNP) als Grünland ausgewiesenen Fläche nicht auch der FNP geändert werden muss, um eine Bebauung zu ermöglichen. Dazu sagt der Stadtrat nur, ob der FNP geändert werden müsse, habe den Bezirk nicht zu interessieren.

Wir gehen davon aus, dass wir in Zukunft von dieser Planungs und Tauschvariante ebenso wenig hören werden, wie von den ungezählten anderen Varianten, die wir zu diesem Thema durch die Baustadträte von Mitte in den letzten 6 Jahren kennen gelernt haben.

Bürgerverein Gleimviertel, LogoDie VertreterInnen der Pankower und Weddinger Bürgerinitiativen und Vereine bieten dem Stadtrat, dem Bezirksamt Mitte und der Senatsverwaltung die konstruktive Zusammenarbeit an, mit der erklärten Zielsetzung, den Park in der ursprünglichen Form und Größe ohne Bebauung fertigzustellen.

 Bürgerverein Gleimviertel,
Presseerklärung vom 24.07.2009

Grafik: BA Mitte/mr

Landnahme-Aktionswebsite:
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