Stiftung “Welt-Bürger-Park” geplant

Chancen zwischen Traum und Wirklichkeit

Der Mauerpark als „Welt-Bürger-Park“

Wenn es um die Zukunft des Mauerparks geht, sind seit langem zahlreiche kreative Bürgerinnen und Bürger motiviert, Lösungen zu erdenken. Lösungen dafür, dass der Mauerpark als natürlicher und kultureller Freiraum sowie historisches Erbe erhalten bleibt und eine noch größere räumliche und belebte Bedeutung erhält. Die vor einigen Monaten geborene Idee, einen „Welt-Bürger-Park“ ins Leben zu rufen, könnte eine spannende Entwicklungsperspektive sein.

Bürger aus Berlin und aller Welt sollen sich in einer Bürgerstiftung zusammenfinden, die den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung des Mauerparks zu ihrem Gründungsziel hat. Im Idealfall könnte es gelingen, „auf gemeinnütziger Basis Spenden von ‚Welt-Bürgern’ aus dem In- und Ausland zu sammeln, um damit von Bebauung bedrohte Flächen zu erwerben“ – wie es in der Präambel des Satzungsentwurfs heißt.

Doch auch ein bescheidener Anfang hätte seinen Reiz, wenn seriöse und durchsetzungsstarke Akteure ins Boot der Stiftung geholt werden könnten. Beispielsweise der BUND, der auf diesem berlinerischen Stück deutsch-deutscher Grenze unter dem Label “Grünes Band“ ein interessantes Projekt starten könnte. Oder, wenn Jugendorganisationen aus aller Welt gleichsam Aktien am Mauerpark erwürben, die materiell das Gedeihen und die Organisation kultureller und der Völkerverständigung dienender Begegnungen ermöglichen würde.

Gründungsversammlug im Oktober 2010

Vor zu kühnen Träumen, was sich denn alles auf der Bühne eines „Welt-Bürger-Parks“ entwickeln könnte, steht der Schweiß der konkreten Gründung der Stiftung. Derzeit spiegelt sich das in der Ausarbeitung einer Stiftungssatzung wider. Zahlreiche interessierte Menschen und Initiativen stricken an diesem Muster mit: Aktive Gegner jeglicher Bebauung des Mauerparks, aber auch kompromissbereite Akteure, die mit einer Randbebauung leben könnten, Idealisten und Realisten als Anwohner, Initiativen und mit Institutionen oder Gewerbe am Mauerpark Beheimatete und solche aus weiterer berlinischer Nachbarschaft.

Die letzte Diskussionsrunde am 9. Juli 2010 in der Freien Schule am Mauerpark war sehr konstruktiv und hat den Satzungsentwurf so weit vorangebracht, dass am 5. August eine letzte redaktionelle Zusammenkunft und am 1. Oktober die Gründungsversammlung abgehalten werden kann.
Der Bürgerverein Gleimviertel ist konstruktiv am Gründungsprozess beteiligt. Mitstreiterinnen und Mitstreiter am Projekt „Welt-Bürger-Park“ sind herzlich willkommen.

Rainer Krüger, 23.07.10

Grafik: Mario Rieger

Feierliche Unterzeichnung der Satzung
am Mi, den 1. Oktober 2010, um (?) Uhr
in der Freien Schule am Mauerpark, Wolliner Str. 25/26

Mauerparkfertigstellung ohne Bebauung:
Aktionswebsite “Welt-Bürger-Park”

Wer sich für den Satzungsentwurf interessiert, kann unter email hidden; JavaScript is required entsprechende Antwort erhalten.

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Mauerpark: Start der Bürgerbeteiligung am 07.07.2010

Mauerparkentwicklung und Bürgerbeteiligung –
ein weites Feld

Auftaktveranstaltung zeigt offene Fragen auf

Am 07. Juli 2010 war es so weit: Auf Einladung der Bezirke Mitte und Pankow, unter Federführung der Grün Berlin GmbH, sollte nach dem Wunsch des Bezirksstadtrats Mitte, Ephraim Gothe, das Bürgerbeteiligungsverfahren zur „Erweiterungsplanung“ des Mauerparks – so die Einladung – eingeläutet werden.

Enger Zeitplan

Die Veranstaltung im Olof-Palme-Jugendzentrum war gut besucht. Zusammen gekommen war ein Querschnitt interessierter Bürger und Initiativen aus Prenzlauer Berg und Wedding. Mehrheitlich – und vorzugsweise von Pankower Seite – Protagonisten, die eine Bebauung am Mauerpark ablehnen, aber auch Initiativen und Bewohner, die sich eine „parkverträgliche“ Randbebebauung im Süden vorstellen können. Leider konnte kein Vertreter des Bezirksamts Pankow teilnehmen, da zeitgleich die Bezirksverordnetenversammlung in Pankow tagte.Link zum Fotoprotokoll der Bürgerwerkstatt Mauerpark 7.7.10

Das von Grün Berlin beauftragte Moderatorenteam Seebauer, Wefers und Partner hatte keinen leichten Stand. Sie stellten ein zeitlich sehr gestrafftes Beteiligungsverfahren vor, das in vier Werkstattsitzungen bis Ende Oktober den Beteiligungsprozess abarbeiten und mit einer Abschlusssitzung Mitte November zum guten Ende führen soll.

Das Ganze sehen

In einer ausführlichen und sehr lebendigen Diskussion wurde deutlich, dass man sich mit einem solchen Eilverfahren bei der Bürgerbeteiligung übernehmen würde. Zu komplex ist der Gesamtzusammenhang einer Entwicklungsperspektive für den Mauerpark. Der größte Widerstand vieler Anwesender richtete sich gegen eine isolierte Bürgerbeteiligung nur zum zu beplanenden Freiraum (Grünfläche). Denn die Wechselwirkungen zwischen bebauten und grün genutzten Flächen, das Problem einer Verkehrserschließung und damit zusammenhängend die Zukunft des Gleimtunnels sind von erheblicher Tragweite. Deshalb darf es nicht sein, dass Anwohner, betroffene Initiativen und gewerbliche Anlieger zu diesem Gesamtzusammenhang kein Gehör finden. Äußerungen wie „das Ganze zu sehen muss zwingend sein“, „die Vernetzungen sind entscheidend“ oder „keine unverbundene parallele Bebauungs- und Freiraumplanung“ gaben die Stimmungslage der Mehrheit der Anwesenden wieder.

Es wird eine politischen Entscheidung der Träger der Mauerparkplanung geben müssen, ob – wie gefordert – das Bürgerbeteiligungsverfahren auf den Gesamtbereich der Mauerparkgestaltung (inklusive gewollter Bebauungsplanung) ausgedehnt wird oder nicht. Der von Gothe angekündigte Architektenwettbewerb im Rahmen des städtebaulichen Gutachterverfahrens würde Stoff genug zur Teilhabe eines interessierten Publikums bieten.

Zusammensetzung der Arbeitsgruppen umstritten

Angesprochen wurde auch die kontroverse Einschätzung, ob zum Bebauungsplanverfahren nicht eine Änderung des Flächennutzungsplans vorab oder parallel gehört.

Als unklar wurde die Situation empfunden, dass es bislang keine Auskunft darüber gibt, wer bei den Werkstattgesprächen und wahrscheinlich einer koordinierenden Arbeitsgruppe beteiligt wird. „Wer entscheidet über die Zusammensetzung des Gremiums?“ – das war eine viele Teilnehmer interessierende Frage. Nicht leicht zu lösen, weil – wie die Veranstaltung zeigte – besonders engagierte Bürger und Bürgerinnen in großer Zahl vertreten waren, die sogenannte „schweigende Mehrheit“ jedoch kaum. Die Moderatoren können sich zuzüglich zu der Werkstattbeteiligung eine repräsentative Befragung der Anwohner um den Mauerpark herum vorstellen. Es bleibt also offen, ob und wie die Bürgerbeteiligung konkret wird.

Für den Bürgerverein Gleimviertel, der einer Bebauung des Mauerparks ablehnend gegenüber steht und vielmehr dessen „Fertigstellung“ fordert, kann eine konstruktive Mitarbeit in der Bürgerbeteiligung sinnvoll sein, wenn sie auf den Gesamtzusammenhang der Mauerparkgestaltung, also nicht nur die Freiraumplanung, bezogen ist.

Rainer Krüger, Juli 2010

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Mauerpark-Infoabend im Brunnenviertel am 8.6.10

Mauerpark in Bewegung

Baustadtrat Gothe: Beteiligung der Öffentlichkeit ab 7. Juli

Im Mai 2010 hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte den Aufstellungsbeschluss für die Weddinger Seite des Mauerparks mehrheitlich „zur Kenntnis genommen“. Mit dem Aufstellungsbeschluss des Bezirksamts Mitte ist das Bebauungsplanverfahren über die Mauerpark-Flächen nunmehr eröffnet. Daher gab der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses Berlin die letzten Herbst blockierten 100.000 € wieder frei, mit denen die Grün Berlin GmbH die Freiraumplanung für den Park entwickeln soll.

Am 8. Juni 2010 informierte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe auf Einladung des  Quartiersmanagements Brunnenviertel im dortigen Olof-Palme-Jugendzentrum über die Pläne und kündigte den Beginn der öffentlichen Beteiligung noch vor der Sommerpause, nämlich am 7. Juli, an.  Knapp 50 Interessierte – viele Weddinger und einige Pankower Anwohner, Mitglieder der Bürgerinitiativen beider Viertel sowie Politiker aus dem Brunnenviertel und der BVV Mitte waren gekommen.

Die Planung und ihre KnackpunkteGrafik Mauerpark: Entwurf Aufstellungsbeschluss 29.04.2010, klein

Ephraim Gothe gab einen Überblick über das vorgesehene Planungsprozedere und benannte die wesentlichen Knackpunkte:

Flächennutzungsplanänderung ja oder nein, Gleimtunnelerhalt oder -teilabriss, damit verbunden das Problem der Erschließung des Baugebiets nördlich der Gleimstraße, die Gestaltung eines Entrees im Süden an der Bernauer Straße und der Umfang einer dortigen Bebauung, fußläufige Zugänge des neu hinzukommenden Grünareals von der Wolliner Straße aus, Bau eines Stauraumkanals unter dem Mauerpark für Hochwasser nach Starkregen, um es nicht ungeklärt in die Panke fließen zu lassen …

Der ebenfalls anwesende Berlin-Geschäftsführer des Grundstückseigentümers Vivico, Henrik Thomsen, bekundete einerseits den Willen, sich in das Bürgerbeteiligungsverfahren einbringen zu wollen. Andererseits machte er deutlich, dass die Weddinger Fläche zusammen mit anderen ehemaligen Bahnflächen für eine sehr hohe Summe zum Privatgrund geworden sei, wovon man um des guten Kompromisses willen 5,8 ha zur Fertigstellung des Mauerparks bereitstellen könnte. Im Gegenzug würde man nördlich des Gleimtunnels 600 Wohneinheiten bauen und im Süden an der Bernauer Straße eine Bebauung mit gewerblicher Mischnutzung realisieren. Gäbe es keine Lösung für eine Zufahrt im Norden, käme der komplette Kompromiss zu Fall und es bliebe vorerst bei der weitgehenden Gewerbenutzung, wie sie derzeit praktiziert wird.

Bebauungsplan mit oder ohne Änderung des Flächennutzungsplans (FNP)

Stadtbaurat Gothe hält ebenso wie die Mehrheit der BVV Mitte die Erstellung des Bebauungsplans ohne FNP-Änderung für möglich. Erneut berief er sich auf entsprechende Aussagen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die bekanntlich früher eine andere Auffassung vertreten hatte.

Die Container kommen weg...

„Dass eine Grünfläche ausgewiesen ist, heißt nicht, dass dort Grünfläche ist“, erläuterte Gothe, und nannte den FNP eine „Wunschvorstellung, die irgendwann einmal festgelegt wurde.“

Auffällig dabei: Entgegen der Position ihrer Parteifreunde in der BVV Mitte wollen die Grünen im Abgeordnetenhaus die Änderung des FNP herbeiführen. Im entsprechenden Antrag heißt es zur Begründung: „ … der gültige FNP bietet keine Grundlage für die im Bebauungsplan ausgewiesenen Flächen als Wohngebiet (nördlich) und Sondernutzungsgebiet (südlich).“ Diese Auffassung wurde im Saal vor allem von Vertretern der Bürgerinitiativen, unter anderem dem Bürgerverein Gleimviertel und der Initiative „Mauerpark Fertigstellen“, geteilt. Denn nur mit der Einleitung eines Verfahrens zur FNP-Änderung wäre das Mitspracherecht der Bürgerinnen und Bürger gesichert.

Auf Weddinger Seite sind Politiker, aber auch zu Wort gekommene Anwohner, in dieser Frage weniger engagiert. Wie überhaupt Viele von ihnen durchaus eine Bebauung im Norden und Süden wünschen oder zumindest hinnehmen. Die Bürgerinitiative Brunnenviertel ist mit einer Bebauung im Norden einverstanden, nicht aber im Süden des Mauerparks. Vereinzelt galt die Meinung, lieber andere vorhandene Leerflächen oder nicht genutzte Objekte (wie das Altenheim in der Graunstraße) für eine Wohnbebauung zu nutzen.

Man sieht: Der Streit um eine Bebauung ja oder nein, im Norden und/oder im Süden, geballt oder bescheiden, wird über das Tauziehen um eine FNP-Änderung vehement weiter gehen – bis hin zu Überlegungen, die Erfolgsaussicht einer Klage gegen ein Bebauungsplanverfahren ohne vorhergehende FNP-Änderung zu prüfen.

... der Flohmarkt soll bleiben.

... die Marktstände bleiben.

Komplexes Planungskonstrukt

Nach den Vorstellungen von Stadtbaurat Gothe sollen verschiedene Planungsschritte parallel laufen und bis Jahresende 2010 zu einem einvernehmlichen Abschluss kommen. (1) Prof. Gustav Lange soll auf der Grundlage des alten Grünflächenplans eine aktualisierte Planversion mit neuen Elementen erarbeiten. (2) Ein Verkehrsgutachten soll die Erschließungsmöglichkeiten für die bebaubaren Flächen und die knapp 6 ha Grünfläche im Wedding klären. (3) In einem städtebaulichen Gutachterverfahren sollen im Zusammenwirken mit der Vivico die Grundlagen der Bebauung (unter anderem Baudichte, Geschossflächenzahl, kompakte oder lockerere Baukörper) erarbeitet werden, um zu „versuchen, zu einem sinnfälligen und guten Städtebau zu kommen“, so Gothe. (4) In einem städtebaulichen Vertrag sollen detaillierte Regeln auch über den Bebauungsplan hinaus für das Gesamtareal fixiert werden. (5) Das eigentliche Bebauungsplanverfahren mit seinen Beteiligungsmöglichkeiten wird durchgeführt. Herr Gothe hat verwaltungsintern bereits eine Steuerungsgruppe eingerichtet, in der übrigens auch Vertreter des Bezirksamts Pankow mitwirken sollen.

Es blieb umstritten, ob solch ein komplexes Planungskonstrukt genügend Raum für eine breite und offene Bürgerbeteiligung lässt. Die lebhafte Debatte bewies die große Vielfalt der für die Anwohner interessanten Probleme: Erschließungen zu Fuß und per Rad und wo genau, Kanalplanung, Lage des bisherigen Spielplatzes der freien Schule, Zukunft von Flohmarkt und Mauersegler, Ausweis von „Experimentalflächen“ für vorläufige Nutzungen, Beachtung der Generationengerechtigkeit … Bemängelt wurde zudem, dass mit der Grünflächenplanung ausschließlich Prof. Lange beauftragt werden soll.

Baudenkmal Gleimtunnel, Westausgang

Zukunft des Gleimtunnels

Das Schicksal des Gleimtunnels ist einer der Schlüsselpunkte der ganzen Mauerparkentwicklung. Denn – wie von Gothe mehrfach betont wurde – ohne eine Rampenzuführung über einen dadurch verkürzten und damit teilweise abgetragenen Gleimtunnel wird die verkehrliche Erreichbarkeit des nördlichen Wohngebiets enorm schwierig. Eine Zufahrt von Gesundbrunnen aus (Zuwegung über das Kauflandgelände entlang des S-Bahngrabens oder eine schmale Straße am Eck Ramler- / Graunstraße) ist verkehrstechnisch kaum realisierbar. Die Anrainer der Schwedter und Kopenhagener Straße sperren sich gegen eine Überwegung in ein neues Weddinger Wohngebiet. Die Zuwegung während der Bauphase birgt wiederum Probleme für die Weddinger. Die Planung ist also ratlos. Scheitert die Nordbebauung an der nicht realisierbaren Verkehrserschließung?

Der Gleimtunnel stellt in seiner architektonischen Einmaligkeit ein Denkmal der Bahngeschichte dar, das erhalten bleiben soll – so die Partei übergreifende Meinung im Bezirk Pankow und der Mehrzahl der Teilnehmer beim Treffen im Jugendzentrum. Der berechtigten Kritik, der Gleimtunnel habe derzeit eher eine trennende Wirkung und sei ein „Angstraum“, kann man begegnen, indem man die Deckenlichtdurchlässe wieder freilegt und durch interne Lichtinstallationen einen verbindenden „Innenraum“ und episodischen Event-Ort schafft.

Die Zugänge zum Mauerpark werden von den Weddinger Anwohnern kontrovers diskutiert. Eine verlängerte Führung der Lortzingstraße für Fußgänger und Radfahrer scheint akzeptabel, zusätzliche Durchgänge beispielsweise in der Höhe Demminer Straße durch eine Randbebauung hindurch werden kritisch gesehen, weil man eine stärkere Belastung des dortigen Wohnviertels befürchtet.

Das Entree im Süden

Die Stadtplanung Mitte und die Vivico sehen in einem über den Bebauungsplan festzuschreibenden Sondergebiet eine gewerbliche Nutzung vor. Dieses soll als Mischgebiet dem Einzelhandel, Handwerksbetrieben, kleinen Kreativunternehmen, Hotel/Hostel-Nutzungen und der Gastronomie vorbehalten bleiben.

Der Ansatz stieß auf erhebliche Kritik: Warum muss eine Randbebauung sein? Wäre nicht die gewachsene Struktur über freie Zugänge in die Grünflächen – durchsetzt mit Nutzungen wie dem Mauersegler – eine optisch wie funktional angemessene Lösung? Wer wird die höheren Mieten als Gewerbetreibender an diesem Standort bezahlen wollen und wird das gewachsene Milieu um Mauersegler und Flohmarkt nicht verdrängt werden?

Vivico-Repräsentant Thomsen räumte offen ein, dass außer für den Mauersegler und den periodischen Flohmarkt kein Raum für bisher dort angesiedeltes Gewerbe sein könne. Baustadtrat Gothe betonte, dass man durch die Integration der Pflasterstraße den Erhalt des Flohmarkts sowie des Mauerseglers (wie und wo?) und somit eine offene Eingangssituation erhalten kann.

Wohnen im Wedding

Einige Weddinger Anwohner sehen eine Bebauung entlang der Wolliner Straße durchaus positiv,  würde doch ein Puffer zu dem überbordenden Lärm der unzähligen Mauerparkbesucher entstehen. Auch die „Freunde des Mauerparks“ können sich eine Mischnutzung mit Bebauung vorstellen und betrachten den Erhalt der alten Pflasterstraße als „Rückgrat“ einer Freiflächengestaltung.

Stauraumkanal unter dem Mauerpark

Ephraim Gothe stellte den Plan vor, unter dem Mauerpark mit einem 3,80 Meter im Querschnitt messenden Rohr einen Wasserspeicher zu bauen, der bei starkem Regen den Überlauf von damit vermischten Abwässern in die Panke mindern bzw. abstellen soll. Es müssten lediglich ca. alle 100 Meter von oben kleine Einstiegschächte in das Rohr vorgesehen werden, die aber an der Oberfläche kaum erkennbar seien. Während der unterirdisch ablaufenden Rohrverlegung werde es nur an den Enden in der Gleimstraße und Bernauer Straße je eine vorübergehende Baustelle geben. Der Bau des Mischwasserreservoirs ist Teil der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und wird vom Land und den Wasserbetrieben finanziert.

Der für das Publikum überraschende neue Aspekt der Mauerparkplanung kann nicht voreilig ob seiner ökologisch-wasserbaulichen Zweckmäßigkeit beurteilt werden. Befürchtet wird jedoch, dass das Bauvorhaben die Nutzung des Mauerparks stören kann. Auch ist nicht klar, ob eine Absenkung des Grundwasserstandes erforderlich wird und der bauliche Eingriff eine negative Wirkung auf die Mauerparkvegetation, vor allem die Bäume und ihr Wurzelwerk, haben könnte.

Perspektiven und nächste Schritte

Die konkrete Planung hat begonnen. Doch weiterhin gibt es unterschiedliche politische oder von Initiativen getragene Positionen: Auf Seiten des Prenzlauer Bergs eher der Wunsch, einen Mauerpark ohne Bebauung fertigzustellen, auf Weddinger Seite zumindest bei Teilen der Bewohner und einzelner Initiativen die Vorstellung, eine gut gestaltete Bebauung mit dem Grün des Parks zu verzahnen. Lediglich der Erhalt des Gleimtunnels ist gemeinsamer Wille fast aller auf beiden Seiten des Tunnels.

Es ist die feste Absicht der Vivico zu bauen. Anderenfalls möchte sie einen Kompromiss nicht mittragen.

Ort für Toleranz und Kreativität

Bei allem Streit bis hin zur möglichen juristischen Auseinandersetzung bleibt merkwürdigerweise eine Kernfrage dunkel und unklar:

Wie kann der Mauerpark, entstanden auf der gewesenen Grenze zweier unterschiedlicher ideologischer Machtblöcke, zu einem für viele Menschen sinnstiftenden attraktiven Ort wachsen?

Ist er nur „Naherholungsgebiet“ und Frischluftlunge für die Anwohner von Prenzlauer Berg und Wedding – sicher und unbedingt; ist er nur ein lebhafter Freizeitraum für Jugendliche aus aller Welt – gern, wenn er nicht zum Metropolen-Ballermann avanciert.

Vision und Wirklichkeit

Könnte er sich aber nicht zu einem symbolträchtigen und kulturell bedeutenden Ort für Toleranz und Kreativität entwickeln, der vor allem für junge Menschen aus aller Welt attraktiv sein würde? Hier lassen sich spannende Visionen erdenken. Wer aber interessiert sich dafür?

Der im Olof-Palme-Jugendhaus ebenfalls vorgestellte Gedanke einer kürzlich gegründeten Bürgerinitiative, einen „Weltbürgerpark“ entstehen zu lassen, hätte viel Charme, wohl aber nicht unter diesem Namen als eine Stiftung, die während der schon anlaufenden Planung auf die Schnelle glaubt, so viele Millionen einsammeln zu können, dass sich die Vivico ihr Baugelände wieder abkaufen lässt. Ein „Weltbürgerpark“ wäre aber als Institution vorstellbar, an der auf dem Freiraum des Parks ideell (und vielleicht über materielle „Aktien“) viele Menschen und Organisationen Anteil hätten, um dort ein vielfältiges Leben im Miteinander der Kulturen zu begründen.

Vor der Vision steht allerdings die begonnen habende Realität des anrollenden Planungsprozesses – und der verlangt viel Einsatz und Engagement. Zum Beispiel bei der Bürgerbeteiligung, die voraussichtlich am 7. Juli 2010 mit einer Auftaktveranstaltung startet. Wir alle sollten daran teilnehmen!

Rainer Krüger, 09.06.2010

Grafik: BA Mitte, bearbeitet
Foto Marktstände: Roman Szewczuk
übrige Fotos: Mario Rieger

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Pressekonferenz zum Mauerpark am 5.3.2010

„Eine gangbare Lösung“

Mauerpark: Anwohner und Politik finden Minimalkonsens

Zum ersten Mal haben Bürgerinitiativen und Politiker eine auf breiter Basis stehende Verständigung über die Mauerparkfläche erreicht. Kernpunkt der Übereinkunft ist die Fertigstellung des Mauerparks nach dem Plan von Professor Gustav Lange in Lage und Größe als Grundbedingung jeglicher weiterer Planung. Die Initiativen wollen auf das notwendige Bebauungsplanverfahren vertrauen und es während der Phase öffentlicher Beteiligung kritisch begleiten, nachdem Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe die Entwürfe gemäß des Lange-Plans modifiziert hat. Somit ist auch der die Gesamtfläche des Eigentümers Vivico betreffende und auslegungsanfällige Antrag 1360/III in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte am 18. März 2010 für die Bürgergruppen kein vorrangiges Thema mehr.

Pressekonferenz im Kieztreff Gleimviertel

Der Bürgerverein Gleimviertel organisierte am 5. März 2010 eine Pressekonferenz, in der Vereinsvorstand Heiner Funken über den neuen Minimalkonsens berichtete. Die im Kieztreff Gleimviertel zusammengekommenen Journalisten und Anwohner bekamen bei dieser Gelegenheit den jüngsten Planentwurf aus dem Bezirksamt Mitte zu Gesicht. Der Plan veranschaulicht den Umfang des Grünareals in annähernder Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Einigung:

  • Keine Bebauung der Parkfläche, soweit sie im Lange-Plan als solche vorgesehen ist;
  • Sicherung dieses Ziels im Bebauungsplanverfahren;
  • Bestandsschutz für allgemein akzeptierte Nutzungen wie Flohmarkt und angrenzende Gastronomie.

Einen geringfügigen Flächenabtrag gegenüber der Lange-Projektion gibt es im geänderten Gothe-Vorschlag auf einem kurzen Flächenstreifen ausgehend von der Bernauer Straße. An der Westkante des dortigen Geländes hatte seinerzeit auch Lange eine Bebauung nicht ausgeschlossen. Im Neuentwurf fehlen jetzt noch ca. 2000 Quadratmeter zu den einst veranschlagten 14 Hektar Grünfläche.

Weil zum Grundbesitz der Vivico ein großes Gebiet nördlich des Gleimtunnels gehört, hat der modifizierte Gothe-Plan ein Gegenstück: Gleich neben pädagogischem Bauernhof und Kletterfelsen soll ein dichtes, sechs- bis siebengeschossiges Wohngebiet empor wachsen. “Etwas reichlich“ nannte der Pankower Baustadtrat Michail Nelken diese Baumasse und rief dazu auf, im Bebauungsplanverfahren auf den Erhalt des Gleimtunnels, dessen Teilabriss ein solches Baugebiet erst möglich machen würde, zu dringen. Hier wie gleichermaßen im Süden hätte zudem die Verträglichkeit der Neubebauung sowohl mit dem Park als auch mit den angrenzenden Wohnvierteln im Vordergrund zu stehen.

Risiken und Versprechen

Christian Rippel von der Initiative „Mauerpark Fertigstellen“ warnte denn auch vor den Risiken, die in der faktischen Verknüpfung der beiden unterschiedlichen Bauflächen liegen. Sieht ein Vertrag des Bezirksamts mit der Vivico nämlich bestimmte Ziele vor und können diese später nicht umgesetzt werden, weil im öffentlichen Planverfahren dem Entgegenstehendes herausgekommen ist, dann besteht entweder erneut Gefahr für den Mauerpark oder es müsste doch noch öffentliches Geld für Kompensationen zum Einsatz kommen. Da sei und bleibe es die bessere Lösung, die Mauerparkfläche anzukaufen. Die Errichtung von Hotelbetrieben im Süden charakterisierte er als „vorübergehendes Wohnen“ mit dem Risiko der Umwandlung in dauerhafte Wohnnutzung, falls in 5 – 7 Jahren keine Rentabilität vorhanden sei. Die Bürgerinitiative lehnt daher Hotels weiterhin ab.

Das Vertrauen in das Planverfahren fußt auf dem Bekenntnis von Bezirkspolitikern zu den Eckpunkten der Verständigung. Jedoch vermied gerade Frank Bertermann, stadtentwicklungspolitischer Sprecher von Bündnis90 / Die Grünen in Mitte und einziger entscheidungsbestimmender Politiker auf dem Podium, jedwede Zusage, die die anhängige Beschlussvorlage für die Bezirksverordneten enger fassen würde, als es deren dehnbare Formulierungen gestatten. Er würdigte die gefundene Eintracht und betonte die Entscheidungshoheit der BVV. Allerdings: Ein „Kein Zurück hinter die jetzt ausgewiesene Mauerpark-Fertigstellungsfläche!“, wie der Pankower Bezirksverordnete Klaus Mindrup es forderte, gelangte nicht über seine Lippen. Auch nichts, was dem nahekäme. Dafür übermittelte er diverse Kooperationsversprechen des Stadtrats Gothe.

Begrenzte Rolle der Bezirksverordneten

Skepsis demgegenüber bei denjenigen Verordneten auf dem Podium, die nicht der aktuell bestimmenden Mehrheit aus Bündnis90 und SPD in Mitte angehören. CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Reschke mahnte, die hier und heute öffentlich gemachten Ziele seien später im Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „eng zu konkretisieren“. „Wir beschließen nicht über Bilder.“, umriss er die begrenzte Rolle des Bezirksparlaments im Planungsprozess. Einen verwandten Hintergrund hatte der Appell Sven Diedrichs, Sprecher für Stadtentwicklung der Linken, an das „grüne Gewissen der Grünen“.

Kein Wunder also, dass BUND-Berlin-Geschäftsführer Herbert Lohner vorsichtig blieb und von einer „gangbaren Lösung … dank der Bürger“ sprach. Man solle „nichts versprechen, was nicht vollstreckungsfähig ist“. Im übrigen gehöre speziell das Thema Parkfläche wieder in einen umweltpolitischen Kontext. Karen Thormeyer von der Grünen Liga Berlin pflichtete ihm da bei und erwähnte gar das Stichwort Klimawandel.

Der erreichte Gesprächsstand ist ein „Licht am Ende des Tunnels“ stellte Andreas Otto, Prenzlauer Berger Direktmandatar in der Grünenfraktion des Abgeordnetenhauses Berlin, bereits zu Beginn der Veranstaltung fest und alle folgenden Redner sekundierten ihm. Aber offene Fragen und Einwände brachten sie ebenso alle vor; mit Ausnahme desjenigen auf dem Podium, auf den es bei den anstehenden Abstimmungen mit ankommen wird.

Mario Rieger, 14.03.2010
geändert am 21.03.2010

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Bürgerverein Gleimviertel: Pressemitteilung vom 24.02.2010

Mauerpark ohne Bebauung fertig stellen

Einschätzung zum anstehenden Beschluss der BVV Mitte

Am 18.03.2010 wird die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte voraussichtlich den Änderungsantrag von SPD und Bündnis90/Die Grünen zur Fertigstellung des Mauerparks beschließen. Der Beschluss fußt ausschließlich auf einer vage gehaltenen schriftlichen Begründung, die im Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV Mitte von SPD und Grünen eingebracht und gemeinsam mit den Stimmen der FDP beschlossen wurde.

Die Pressemeldungen, die auf diesen Beschluss folgten, zeigen, dass die Deutungsmöglichkeiten so vielfältig sind, dass Klärungsbedarf bestand. Die im Nachgang geführten Gespräche mit den beteiligten Interessenvertretern, Partei- und Fraktionssprechern führten dazu, dass sich die Initiativen, Vereine sowie Partei- und Fraktionssprecher modifizierter   Mauerpark-Plan 02/10über einen neuen Plan verständigten.

Dieser Plan sieht vor:
Keine Bebauung in den 1993 vom Senat als Mauerpark ausgelobten Flächen.

Im Süden an der Bernauer Straße wird in dem angrenzenden, außerhalb des Mauerparks gelegenen, Grundstückskeil dem Grundstückseigentümer Baurecht eingeräumt. Auf diesen Flächen sah auch der Lange–Plan eine Bebauung vor. Art und Masse der derzeitig aufgezeigten Baukörper sehen wir kritisch. Die Entwicklung dieses Bebauungsplans werden wir kritisch begleiten.

Die im Änderungsantrag vorgesehene Bebauung nördlich des Gleimtunnels sehen wir in der aufgezeigten Massivität sehr kritisch. Die Baumengen und die Zuwegung werden hier das Maß der Dinge sein.

Wir werden uns bei der Aufstellung des Bebauungsplans durch den Bezirk Mitte und der Änderung des Flächennutzungsplans durch den Senat, über die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung einbringen und den Parlamentariern der BVV Mitte und des Abgeordnetenhauses von Berlin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Logo Bürgerverein Gleimviertel

Bürgerverein Gleimviertel
Pressemitteilung vom 24.02.2010
aktualisiert am 26.02.2010
Heiner Funken

Abb.: Mauerpark-Planskizze der Vertreter von Initiativen und Parteien, Februar 2010

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BI “Mauerpark Fertigstellen”, Pressemitteilung v. 15.02.2010

Senat in der Verantwortung

Initiativkreis “Mauerpark Fertigstellen” gegen Mauerpark-Beschluss
vom 27.01.2010

Die Initiative “Mauerpark Fertigstellen” lehnt die Pläne des Stadtentwicklungsausschusses Mitte für einen Flächen-Deal strikt ab. Dieser kann wegen der rechtlichen Unsicherheit zu einer teuren Überraschung für den Steuerzahler führen. Nicht der Bezirk Mitte sondern der Senat steht für die Fertigstellung und die Erweiterung des Mauerparks in der Verantwortung.

Grüne und SPD stimmten am 27. Januar 2010 im Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte gegen eine Fertigstellung des Mauerparks wie sie im Flächennutzungsplan Berlin verankert und von den Bürgerinitiativen gefordert wird. Graffito Der Antrag der Linksfraktion „Mauerpark durch Grün verbinden statt durch Bebauung trennen“ kam durch einen Änderungsantrag von Grünen und SPD, unterstützt durch die FDP, nicht zur Abstimmung. Dies obwohl ein ähnlicher Antrag von der BVV Pankow auf Initiative der dortigen SPD, der Linken und der Grünen am 14. Oktober 2010 interfraktionär beschlossen wurde (Drucksache Nr. VI-0867).

Gewerbebauten Tür und Tor geöffnet

Anders als ihre Pankower Kollegen stimmten Mittes SPD und Grüne geschlossen für einen inhaltlich weit davon abweichenden Änderungsantrag (Drucksache 1360/III, angenommen mit 9 gegen 5 Stimmen, Gegenstimmen von CDU und Linken). Dieser Antrag sieht oberhalb des Gleimtunnels die Errichtung eines neuen städtischen Wohnquartiers vor, welches durch einen Teilabriss des denkmalgeschützten Gleimtunnels erschlossen werden soll. Weiterhin wird eine Bebauung von Teilen des Mauerparks befürwortet – dieser Absatz ist schwammig formuliert und lässt den Planungen Tür und Tor für den Bau von Hostels/Hotels sowie Büro- und Gewerbebauten mitten im Parkgelände offen. Die SPD in Mitte beruft sich auf Pläne der „Freunde des Mauerparks“ – vergisst aber, dass dieser mit seinen wenigen Mitgliedern nur einen winzigen Bruchteil der Bürgermeinungen und Bürgerinitiativen repräsentiert. Bürgerdeputierter Martin Bausch von den Grünen sprach von „Aufwertung der Region“ und von „Berücksichtigung der Verwertungsinteressen“ des Eigentümers, obwohl sich die Planung für Neubauten auf baurechtlich verbindlichen Grünflächen abspielt, die bei der Privatisierung der Vivico im Jahr 2008 nicht für den Preis von Bauland gekauft wurden.

Wir lehnen diesen Basarhandel mit Grundstücken rigoros ab,
und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Keine Vermengung: Wir wollen nicht, dass die Fertigstellung des Mauerparks nur zusammen mit einer großflächigen Bebauung im Norden diskutiert wird. Beide Komplexe müssen getrennt voneinander verhandelt werden.
  2. Zu teuer – aus Fehlern lernen: Für die Einräumung von Baurechten muss der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erlassen werden. Es ist jedoch rechtlich höchst fahrlässig, das Ergebnis eines zukünftigen Planungsverfahrens in einem Vertrag festzusetzen. Das Ergebnis hängt von vielfältigen Faktoren wie Bürgerbeteiligung und dem Ausgang möglicher Klagen von Anwohnern und Umweltverbänden ab. Schafft es das Land Berlin dann nicht, der Vivico die versprochenen Baurechte wie vereinbart einzuräumen, so hat diese einen Anspruch auf Schadensersatz. Dieser ist umso höher, weil es sich ja nun um teures Bauland handelt (statt der ursprünglich erworbenen Grünfläche). Es könnte sich hier als teures Unterfangen für den Steuerzahler erweisen. So hat es sich schon einmal beim Bauprojekt Spreedreieck an der Friedrichstraße ereignet, welches das Land Berlin Schadensersatz in Millionenhöhe kostete.
  3. Rechtlich zu unsicher: Die eventuelle Errichtung eines neuen Wohnquartiers im Norden steht und fällt mit dessen Erschließung. Vertreter des Denkmalschutzamtes in Pankow, das für den Gleimtunnel zuständig ist, winkten bereits im vornherein bei der Idee eines Teilabrisses des Tunnels ab. Es wird so auf Grundlage dieses neuen Vorschlags für ein Unterfangen, welches sich bereits vor der Planung als spekulativ und unrealistisch erweist, wichtige Zeit beansprucht, die für die eigentliche Debatte einer vollständigen Realisierung der Mauerparkflächen benötigt würde.
  4. Zu lange Verfahrensdauer: Bis das Verfahren durch ist können noch Jahre vergehen. Es wäre bei dieser Verfahrensgrundlage nicht abzusehen, wann der Mauerpark fertig gestellt würde. Dies ist mit Hinblick auf die völlige Übernutzung des Parks im Sommer sowie die drohende Rückzahlung der Fördergelder an die Allianz-Umweltstiftung von 2,3 Millionen € nicht hinnehmbar.

Wir fordern stattdessen, dass der Berliner Senat endlich zu seinem politischen Mandat steht. Auch die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus verwiesen darauf, dass der Senat hier zuständig sei. Dieser hat bereits im Jahr 1994 den Flächennutzungsplan geändert und dort den Mauerpark auf einer Fläche geplant, die dem Land Berlin nicht gehört. Für die Realisierung dieses Parks bekam der Landschaftsarchitekt Prof. Gustav Lange damals den Zuschlag. Es muss dem Senat schon damals klar gewesen sein, dass die Fläche gekauft oder die Mauerparkansicht, Sep09Eigentümer/in ggf. nach § 87 Baugesetzbuch enteignet werden muss. Dies wurde nun satte 15 Jahre lang versäumt! Ein Verweis auf leere Kassen scheint bei dieser vergleichsweise kleinen Fläche gegenüber Megainvestitionen von hunderten Millionen für Tempelhof, Gleisdreieck, Tegel, der U55 und allein den Kosten der Fehlplanung des Spreedreiecks absurd.

Koalitionsvertrag erfüllen!

Wir fordern insbesondere die SPD in Mitte sowie Senatorin Ingeborg Junge-Reyer auf, dem Vorbild der Pankower SPD, dem Koalitionsvertragsbeschluss des rot-roten Senats von 2006 und nicht zuletzt dem Landesparteitagsbeschluss ihrer eigenen Partei (vom 10. Oktober 2009) zu folgen und endlich mit den verschiedenen Bürgerinitiativen zusammenzuarbeiten. Die SPD hat die Fertigstellung des Mauerparks im Koalitionsvertrag mit den Linken selbst dokumentiert. Eine Passage aus dem Parteitagsbeschluss lautet: „Die Berliner SPD fordert die Vollendung des Mauerparks als Grün- und Freizeitfläche in der vom Flächennutzungsplan vorgesehenen Form.“

Der Beschluss des Ausschusses stellt zunächst eine Empfehlung an die Bezirksverordnetenversammlung dar, so zu beschließen. Im Allgemeinen halten sich jedoch die Verordneten an die Empfehlung ihrer Ausschüsse. Dennoch ist bislang nichts entschieden.

Rückschritt in das Jahr 2001

Wir appellieren an die Grünen und andere Parteien in Mitte, ihren spekulativen und wenig aussagekräftigen Antrag kritisch zu hinterfragen, sich interfraktionär für die beste Lösung einzusetzen sowie den Senat in die Pflicht zu nehmen.

Dieser Antrag und die Verfahrensweise eines Grundstückshandels bringt die „Debatte Mauerpark“ nicht nach vorn, sondern bedeutet einen Rückschritt in das Jahr 2001, als bereits eine geplante Änderung des Flächennutzungsplans am Bürgerwillen gescheitert ist.

Ein Weiterarbeiten auf Grundlage dieses Antrags bedeutet Stillstand und ein Beharren auf erfolglosen Versuchen und Vorhaben. Dies kostete den Prozess einer nachhaltigen, ökologischen sowie stadtentwicklungspolitisch vernünftigen Fertigstellung des Mauerparks schon einmal neun Jahre.

Logo BI Mauerpark FertigstellenDer Senat muss nach 15 Jahren Versäumnis endlich Verantwortung übernehmen. Er hat für den Erwerb der Flächen durch das Land Berlin zu sorgen – damit 20 Jahre nach dem Mauerfall endlich der Mauerpark fertiggestellt werden kann.

Initiativkreis Mauerpark Fertigstellen
Pressemitteilung vom 15.02.2010
Angelika Schön, Dipl.-Verw. Ralf Mark Stockfisch

Graffito: “Tuff City Kids” von Drik
Foto: Mario Rieger

Weblog der InitiativeMauerpark Fertigstellen

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Mauerpark im Stadtentwicklungsausschuss Mitte 27.01.10

Kompromiss erfunden

Bezirksverordnete in Mitte nehmen Kurs auf Mauerparkbebauung

Mehr Fragen aufwerfend als Antworten gebend schaffte es am 27. Januar 2010 ein Kompromiss zur Bebauung des Mauerparks, die Zustimmung des Ausschusses für Stadtentwicklung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte zu erhalten. Die Verordneten von SPD, FDP und den Grünen stimmten dafür, jene der Linken und der CDU dagegen. Das Wort hat nun das Plenum der BVV. Votiert diese im gleichen Sinn, folgt ein Bebauungsplanverfahren.

Gewerbebauung im Süden

Der Antrag “Mauerpark – Mit Grün verbinden, statt durch Bebauung trennen”, den die Linke im November 2009 eingebracht hatte, ist kaum wiederzuerkennen. Forderte der ursprüngliche Text, den Mauerpark gemäß dem Entwurf von Prof. Gustav Lange “in seiner geplanten Lage und Größe” fertigzustellen sowie die “im Flächennutzungsplan (FNP) festgesetzten Planungziele des Landes Berlin” zu realisieren, so soll jetzt lediglich noch die “größtmögliche Parkfläche … sichergestellt” werden und der Lange-Entwurf nur mehr der Orientierung dienen. Soweit erforderlich soll der FNP dafür geändert werden.

Weil der geltende FNP, der den fehlenden Parkabschnitt als Grünfläche einstuft, auf diese Weise seine Bedeutung verliert, musste im Antrag auf einzelne Bebauungsarten eigens eingegangen werden. Der Kompromiss sieht demnach einen Verzicht auf Wohnbauten im Parkareal vor. Zugleich soll “die Ansiedlung gewerblicher bzw. kultureller oder sportlicher Nutzungen – Vorentwurf Nordgebiet, Nov09, kleinbei Integration bestehender Nutzungen – … möglich sein.” Weiterhin bedurfte es des Zusatzes, dass Nutzungskonflikte “zu minimieren” seien.

Wohnbebauung im Norden

An die Stelle des “gemeinsamen Handelns” von Bezirk und Senat ist jetzt ein Appell an den Senat getreten, seine Verantwortung wahrzunehmen sowie die FNP-Änderungen einzuleiten. Die sind für die Parkfläche nach Meinung von Kritikern ohnehin unumgänglich. Für das gesamte Plangebiet würden sie zudem notwendig werden, damit nördlich des Gleimtunnels im vorgeschlagenen Umfang gebaut werden könnte. Diesem Gebiet widmet der Antrag einen neuen Abschnitt, in dem es heißt: “In Ergänzung der Planungen von Professor Lange und in Anlehnung an das Bebauungskonzept der Initiative ‘Freunde des Mauerparks’ soll ein neues städtisches Wohnquartier realisiert werden.”

Endlich könnte der Park ohne Mehrkosten seine einst geplante Größe nahezu erreichen, freuen sich die Antragsbefürworter. Viele Anwohner, die Bürgerinitiative “Mauerpark Fertigstellen” sowie der Bürgerverein Gleimviertel teilen diesen Jubel allerdings nicht. “Großer Interpretationspielraum statt größtmögliche Parkfläche” fasst zum Beispiel Christian Rippel von der Initiative “Mauerpark Fertigstellen” den Inhalt des Beschlusses zusammen: Schwammige Formulierungen und Unklarheiten über das “Was und Wie” in Zukunft möglicher Nutzungen “öffneten der Bebauung des Mauerparks alle Türen.” Es blieben viele Fragen offen.

Offene Fragen

Als eine wesentliche Quelle solcher Unwägbarkeiten ist die planerische Verknüpfung der Lösungen für den nördlichen und südlichen Grundstücksteil anzusehen. Städtebaupolitische Gründe gibt es dafür nicht. Stattdessen übernimmt der künftige Bebauungsplan letztlich die wirtschaftliche Ausgleichslogik des Investors. Was aber, wenn die Erschließung des Baugebiets im Norden nicht durch Modifikation des Baudenkmals Gleimtunnel erreicht werden kann? Wie möchte der Bezirk garantieren, dass der Traum der “Freunde des Mauerparks” vom “Übergang zwischen Stadt und Park durch eine Art offenen Gewerbehof mit Marktplatz-Atmosphäre” im Süden Wirklichkeit wird?…

Die Eigentümerin des Grundstücks, die Vivico GmbH, hat in den letzten Wochen mehrfach klargemacht, dass sie bei aller Gesprächsbereitschaft an der Formel “Baumasse für Grünfläche”, also mehr Grünfläche hier gleich werthaltiger bauen dort, festzuhalten gedenkt. Die Bezirksverordneten in Mittes Ausschuss für Stadtentwicklung folgen diesem schmalen Grat und versprechen dem Immobilienentwickler eine “finanziell vertretbare Grundstücksausnutzung”, solange es dabei “ökologisch und städtebaulich verträglich” zugehe. Eine bemerkenswert unentschlossene Haltung angesichts der innerstädtisch seltenen Gelegenheit, ein grünes Erholungsgebiet von nennenswerter Größe schaffen zu können.

Mario Rieger, 29.01.2010

Grafik: Giesler u. Thiele Architekten, leicht bearb. mr

 

Stadtentwicklungsausschuss der BVV Mitte am 27.01.10:
Änderungsantrag DS 1360/III zum Mauerpark mit Ursprungstext (pdf, 79 kB)

Die Bürgerinitiative „Mauerpark Fertigstellen“ führt regelmäßig für alle offene Treffen durch und freut sich über jede Form der Unterstützung.

Weblog der InitiativeMauerpark Fertigstellen

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BVV-Mitte debattiert neue Gothe-Pläne zum Mauerpark

Neue Mauerpark-Pläne in der BVV Mitte vorgestellt

Bürgerinitiativen protestieren und tragen ihre Standpunkte vor

Knapp 200 Demonstranten fanden sich am 25. November vor der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte ein, um ihrer Forderung nach Fertigstellung des Mauerparks ein weiteres Mal Nachdruck zu verleihen. Die meisten von ihnen verfolgten anschließend MP-Plan BA Mitte, die Erörterung des Themas im Ausschuss für Stadtentwicklung des Bezirksparlaments. Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung Ephraim Gothe stellte dort zwei Varianten seines Bebaungsplans für das frühere Bahngelände von der Bernauer Straße zum Nordkreuz vor und leitete damit den Prozess der Meinungsbildung und Beschlussfassung in dieser Sache offiziell ein.

Im Einvernehmen – mit dem Investor

Der fragliche Landstreifen umfasst im Süden den 2. und 3. Bauabschnitt des Mauerparks und im Norden eine wichtige Grünverbindung.

Plan A“ entspricht weitgehend den zuletzt bekannt gewordenen Vorschlägen: Wohnblöcke entlang der westlichen Weddinger Flächengrenze einschließlich dazugehöriger Gärten südlich sowie kompakte Wohnbebauung nördlich des Gleimtunnels. „Plan B“ beschränkt die Randbebauung auf den Bereich zwischen Lortzing- und Gleimstraße, erlaubt Gebäude für Wohn- und Gewerbezwecke im Süden und sieht dazwischen eine breitere Öffnung der Grünfläche zum Wedding hin vor. Die Folge ist gemäß der zugrunde liegenden Logik eine größere „Massivität“ der Wohnbebauung im Norden.

BA Mitte, Mauerpark-Plan Beide Ausführungen ergeben 5,6 Hektar an Grünfläche für den Park und sind in enger Abstimmung mit der Grundstückseigentümerin Vivico GmbH entwickelt worden, wie Baustadtrat Gothe hervorhob.

Den „Mittelstand hereinlocken“

Einen Handel von Baurecht gegen Grünfläche nennen das jedoch die Kritiker. Wie zur Bestätigung berichtete der Stadtrat über die offenbar vor Jahresfrist entstandene günstige Gelegenheit, mit der Vivico „neu ins Geschäft zu kommen.“ 35 „Planungsschichten“ später ist das Verhandlungsergebnis das eine, das anstehende öffentlich-rechtliche Planverfahren etwas anderes. Aus diesem Grund versuchte Gothe, zumindest für den Wohnungsbau ein öffentliches Interesse zu konstruieren, nämlich die „soziale Durchmischung“ der angrenzenden Stadtquartiere „aufzuwerten“. Denn diese Viertel rangierten im untersten Zehntel des Berliner Sozialstrukturatlas und da könnten frische Wohnkomplexe doch „den Mittelstand hereinlocken.“

Im weiteren Verlauf führte der Stadtrat zudem ins Feld, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe die Vereinbarkeit des Vorhabens mit dem Flächennutzungsplan (FNP) für gegeben befunden, und berief sich schließlich noch auf einen Bereichsentwicklungsplan aus dem Jahr 2004. Beides blieb nicht unwidersprochen.

Stellungnahmen der Bürgerinitiativen

Nachdem der Architekt der Grünanlage Professor Gustav Lange begründet hatte, warum „Wohnbebauung eigentlich aus dem Park rausgelassen“ werden müsse, erteilte der Ausschussvorsitzende Frank Bertermann den „Freunden des Mauerparks“ das Wort: Ihr Sprecher Bernd Krüger solle erläutern, „wie Sie sich eine Bebauung des Mauerparks vorstellen“. Namens der Bürgerinitiative stellte Krüger sodann einen „Plan C“ vor: Keine Wohnhäuser im Park selbst, ergänzend zum Bestehenden gewerbliche, sich zum Park hin öffnende Bebauung mit „sozio-kultureller“ Nutzung von der Bernauer Straße her, im übrigen Grünfläche bis zur Gleimstraße. Weiter nördlich schließt sich eine, über den hierfür umzugestaltenden Gleimtunnel erreichbare, intensive Wohnbebauung an. Den Konzeptinitiatoren schwebt dabei ein „verbindender Wohn- und Lebensort“ nach Vorbildern Prenzlauer Berger Stadtkultur vor.

BVV Mitte, Ausschusssitzung 25.11.09„Bebauung ist Bebauung“ hielt im Anschluss Heiner Funken dagegen. Als ebenfalls geladener Vertreter der Anwohner stellte das Vorstandsmitglied des Bürgervereins Gleimviertel im Namen mehrerer Initiativen klar: „Wir lehnen eine Bebauung im Süden grundsätzlich ab.“ Das Wohngebiet am Nordkreuz werde keine integrierende Wirkung entfalten, sondern eine „soziale Kante“ bilden. Der Mauerpark habe sich durch seine Ausprägung als Kulturraum, seiner daher erlangten internationalen Bekanntheit, für ganz Berlin längst bezahlt gemacht. Das Land Berlin müsse die Fläche erwerben, zumal es von Anfang an gewusst habe, dass sich diese Frage einmal stellen werde. Er kündigte erneut eine Klage an, falls der FNP missachtet werden sollte.

Verbinden, nicht trennen

Die bezirksübergreifende Dimension der Parkgestaltung betonten auch die Pankower Bezirksverordneten Klaus Mindrup und Peter Brenn. In leidenschaftlichen Plädoyers für den ganzen Mauerpark reichten sie ihren Kollegen in Mitte die Hand zur Zusammenarbeit. Deren Schlussdiskussion galt einem Antrag der Linken, wonach die BVV Mitte die Ziele des FNP, des Lange-Plans sowie der Bürgerinitiativen unterstütze. Das Gremium beschloss allerdings die Vertagung der Vorlage.

Bemerkenswert: Besonders die CDU-Verordneten zeigten sich unzufrieden mit den Entwürfen des Baustadtrats und der Vivico. Sie riefen das Realisierungsversprechen des Senats aus den 90er Jahren, das ja seinerzeit im FNP zum Ausdruck gekommen war, in Erinnerung. Mag vielleicht der eine oder andere Bau sich noch in die vorhandene und künftige Vegetation einfügen lassen (müssen), so gelte doch: Wo einst die Mauer stand, soll nichts Neues wieder trennen, sondern das Grün verbinden, forderte Ausschussmitglied Dr. Dieter Schulze.

Die Debatte ist also einmal mehr in einer entscheidenden Phase und ihr Ausgang völlig offen. In diesem Jahr haben die Bürgergruppen – allen voran die Initiative „Mauerpark Fertigstellen“ und ihr Organisator Christian Rippel – eine in Umfang und Vielfalt beispiellose Mobilisierung für den Mauerpark erreicht. Sie wird im nächsten Jahr wieder gebraucht werden.

Mario Rieger, 29.11.09

Grafiken: BA Mitte, 02.12.09 / mr
Foto: BI “Mauerpark Fertigstellen”

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BV Gleimviertel zu Plänen der “Freunde des Mauerparks”

Irrweg in den Verkauf öffentlichen Rechts

Zum Vorschlag des Vereins „Freunde des Mauerparks“ (FdM) über die gewerbliche Nutzung und Neubebauung von Mauerparkflächen sowie Bebauung des Grünzugs nördlich des Gleimtunnels

Die FdM streben mit ihrem Bebauungs- und Nutzungskonzept vom 19.11.09, wie zuvor der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, die Änderung der bisherigen landesplanerischen Zielstellung für Teile des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs an:

Mauerpark-Konzept Nov09, FdMStatt Grün – eine Wohnbebauung (ein „neues Wohnviertel“) nördlich des Gleimtunnels, bei Teilabriss des denkmalgeschützten Brückenbauwerks, und eine gewerbliche Nutzung mit ergänzender Neubebauung im südlichen Teil.

Eine Abstimmung mit „allen Akteuren“ – wie behauptet – hat es zwar nicht gegeben, aber jede/jeder kann auch im eigenen Namen und eigener Verantwortung Ideen zur Diskussion stellen und eine Antwort erwarten.

Auf Basis der Pressemitteilung der FdM ergeben sich die folgende Fragen und Widersprüche.

1. Zu den gewerblichen Bebauungs- / Nutzungsplänen im Süden

Bei diesem Abgehen von der derzeitigen Grünzugplanung des Landes und dem beschlossenen Mauerparkkonzept ist zum einen festzuhalten, dass man den Bebauungsplänen, die Gothe mit der Vivico unter dem Aspekt des Tausches von Bauland gegen Grünfläche (Verwertungsinteresse der Vivico) ausgehandelt hat, eine Absage erteilt.

Man knüpft auch an Themen an, die sowohl im Kreis der Bürgerinitiativen als auch von politischen Gremien und Politikern, die sich für eine Fertigstellung des Mauerparks in geplanter Größe und am geplanten Ort einsetzen, in den letzten Monaten und Jahren diskutiert wurden. Dabei wurde ein Erhalt von parkverträglicher Gewerbenutzung (Gastronomie, Markt) am südlichen Ende des Mauerparks in Abweichung vom „Lange-Plan“ für möglich und wünschenswert gehalten.

Allerdings schlagen die FdM eine räumliche und qualitative Erweiterug dieser Art von Gewerbenutzung verbunden mit Neubau von Gewerbeeinrichtungen bis hin zu Jugendfreizeithaus und Hotel-Neubau vor. Zwar wird das Maß dieser Nutzungserweiterung nicht genannt, aber sie geht über das bisher diskutierte augenscheinlich weit hinaus.

Einen städtebaulichen Grund für diese Extensivierung und Intensivierung der Gewerbenutzung zu Lasten der Grünnutzung geben die FdM nicht an.

Dieser Vorschlag konterkariert die bisher gemeinsamen Positionen der Bürgerinitiativen zumindest partiell.

Derzeit ist – trotz der Zielplanung des Landes Berlin als Grünfläche – dieses Gelände eine Gewerbefläche. Der Grundstückseigentümer könnte die Gewerbenutzung im augenblicklichen Rahmen fortführen und festigen.

Das Maß der gewerblichen Nutzungsmöglichkeit wollen die FdM jetzt erweitern. Das wird die Vivico wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Die Art der Nutzung bestimmt, sofern nicht planungsrechtlich eingeschränkt, der Grundstückseigentümer selbst nach Maßgabe seiner Verwertungsinteressen. Die können ihm die FdM nicht vorgeben.

Mit dieser Fortschreibung und Erweiterung der gewerblichen Nutzung verwirkt auch die Gemeinde (Berlin) ihren Übernahmeanspruch an diesen Flächen. Wenn die Gemeinde hier eine intensivierte Gewerbenutzung als städtebauliches Ziel normiert, kann es nicht divergierende Gemeinweseninteressen geltend machen, wenn der Grundstückseigentümer dieses Ziel realisiert.

2. Wohnviertel im Norden

Vollkommen merkwürdig und unverständlich ist, dass sich eine Bürgerinitiative, die sich die quantitative und qualitative Verbesserung des öffentlichen Grüns in der Innenstadt auf die Fahnen geschrieben hatte, der massiven Bebauung eines geplanten Grünzugs das Wort redet. In „Reaktion auf die vorliegende Eigentumssituation“ will man einen „verbindenden Wohn- und Lebensort“ in ähnlicher Qualität wie im angrenzenden Gleimviertel schaffen.

Abgesehen von der wahrscheinlich unbeabsichtigten Geringschätzung des benachbarten Weddinger Wohnviertels, wird für die beabsichtigte Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität in den beiden benachbarten Wohngebieten durch den Verzicht auf die Grünverbindung sowie die geplante Frei- und Erholungsfläche und für die massive Verdichtung der Wohnbebauung kein einziger städtebaulicher Grund dargelegt.

Wenn sich Landes- und Bezirkspolitiker Gedanken machen, wie sie öffentliche Ziele möglichst schonend für die Landeskasse realisieren können, ist das teilweise noch nachvollziehbar. Aber warum die FdM jetzt auf dem geplanten Grünzug zu Lasten der Anwohnerschaft ein Wohnviertel errichten lassen wollen, bleibt unerklärlich. Wollen sie im dann erforderlichen FNP-Änderungsverfahren und im Bebauungsplanverfahren bei der Beteiligung der Öffentlichkeit, in dem es um die Abwägung des Für und Wider solcher Bebauung geht, dieser auf Kosten des Grüns das Wort reden?

3. Teilabriss des Denkmals Gleimtunnel

Nebenbei verlassen die FdM noch einen weiteren Grundkonsens der Anwohnerinitiativen der letzten beiden Jahrzehnte: Erhalt und Sanierung des Gleimtunnels. Nun soll er teilweise abgerissen werden, um eine Erschließungsstraße für das neue Wohnviertel abgehend von der Gleimstraße zu bauen. Für Straßenbau und Schaffung eines städtebaulich fragwürdigen Wohnviertels soll ein bedeutsames bautechnisches Denkmal demoliert werden.

4. Ausverkauf öffentlichen Rechts

Die FdM folgen Ephraim Gothe auf seinem Irrweg in den Verkauf öffentlichen Rechts. Auch sie wollen ganz offensichtlich dem Immobilienunternehmen Vivico einen viele Millionen Euro werthaltigen Vorteil unter Aufgabe öffentlicher Interessen zuschanzen, um im Gegenzug eine Fläche zur Fertigstellung des Mauerparks zu geringen Kosten überlassen zu bekommen.

Ganz abgesehen davon, dass es rein rechnerisch für das Land ein nachteiliges Tauschgeschäft wäre, so ist es in der Sache ein Verkauf von öffentlichem Recht.

Das Wesen dieses Geschäfts wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Land Berlin hier ein Baurecht verkaufen soll, das erst noch im Ergebnis eines öffentlich-rechtlichen Planverfahrens zu schaffen wäre.

Da soll das Baurecht für 7- bis 10-geschossige Häuser in großer Dichte auf bislang als Grünzug vorgesehenen Flächen in Zahlung gegeben werden. Damit wird das Ergebnis des Planverfahrens präjudiziert.

Eine Bürgerinitiative will einen Weg einschlagen, der die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange in Planverfahren zur Farce macht.

Und das Land Berlin trägt das Risiko, wenn im Ergebnis des Planverfahrens keine oder eine weniger intensive Wohnbebauung als Maß der Nutzung herauskommen sollte, der Vivico dann aus der öffentlichen Kasse mehr Geld zahlen zu müssen, als bei Übernahme der Gewerbefläche für die Fertigstellung des Mauerparks fällig gewesen wäre.

Logo Bürgerverein GleimviertelZwar hat ein solches Dealen mit Immobilien und Baurechten in der Berliner Politik – Stichwort „Spreedreieck“ – eine gewisse ungute Tradition; Bürgerinitiativen sollten sich aber für solche Tauschgeschäfte nicht vereinnahmen lassen.

Bürgerverein Gleimviertel, 25.11.2009

Grafik: Freunde des Mauerparks / mr

Mauerpark-Konzept der “Freunde des Mauerparks”:
Pressemitteilung vom 16.11.09 (221 kB)

 Weblog der “Freunde des Mauerparks

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Pressemitteilung der Bürgerinitiativen vom 16.11.09

Ein Brief an Wowereit: Keine Bebauung des Mauerparks

Große Demonstration zum Roten Rathaus

Mauerpark-Demo, 14.11.09, 1Am 14.11.09, ab 15.00 Uhr, demonstrierten 2500 Menschen, darunter Abgeordnete des Bundestags, des Abgeordnetenhauses von Berlin und Bezirksverordnete von Pankow und Mitte, gegen die Bebauung und für die Fertigstellung des Mauerparks. Die Demonstration zog mit Pauken und Trompeten, mit bunten Kostümen und Kunstaktionen vom Mauerpark zum Roten Rathaus.

Aufgerufen zu dieser Demonstration hatten unter anderem die folgenden Initiativen, Vereine und Parteien:

MAUERPARK FERTIGSTELLEN, DIE LANDNAHME, BIN BERLIN,
BÜRGERVEREIN GLEIMVIERTEL, DIE ANTIFA, MEDIASPREE VERSENKEN,
FREUNDE DES MAUERPARKS, DIE PIRATEN, DIE LINKE, DIE GRÜNEN.

Alle Sprecher der Initiativen und Parteien forderten in ihren Reden die Verantwortlichen in Senat und Bezirksamt Mitte auf, den Park fertigzustellen und keine Grundstücksgeschäfte zu Lasten des Parks zu tätigen.

Es wurde unisono auf die besondere Qualität und Kreativität des Parklebens hingewiesen und auf die Unvereinbarkeit einer Bebauung des westlichen Mauerparks mit der Urbanität dieses Parks.

Mauerpark-Demo, 14.11.09, 2Speziell die Verantwortlichen in der SPD wurden aufgefordert, auf die jahrelangen Proteste der Berliner Bürger einzugehen. Außerdem solle die SPD auf die Ablehnung des Koalitionspartners DIE LINKE eingehen, die Bebauungspläne in den Ausschüssen von drei Parlamenten (Abgeordnetenhaus, Mitte, Pankow) seit zwei Legislaturperioden deutlich zurückgewiesen hat.

Die Sozialdemokraten wurden aufgefordert, den Passus im Senatskoalitionsvertrag von SPD und DIE LINKE zum Mauerpark endlich ernst zu nehmen und entsprechend umzusetzen.

Es wurde auf die virulente Debatte zum Mauerpark auf dem Landesparteitag der Berliner SPD hingewiesen, die deutlich gezeigt habe, dass viele SPD-Abteilungen und die Jugendorganisation JUSOS mehrheitlich die Bebauungspläne ablehnen.

Auch DIE GRÜNEN lehnen, in drei Parlamenten, die Bebauung des Parks seit zwei Legislaturen ab.

Umgehung des Flächennutzungsplans unzulässig

An die Adresse von Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer und Bezirksstadtrat Gothe gerichtet, kündigte Heiner Funken, Vorstand des Bürgervereins Gleimviertel, an: “Für den Fall, dass versucht wird, die Bebauung ohne Änderung des Flächennutzungsplans durchzuziehen, werden wir vor Gericht Klage einreichen. Wir werden in einer Allianz mit Abgeordneten des Abgeordnetenhauses von Berlin sowie Bezirksverordneten aus Mitte und Pankow gegen die unrechtmäßige Beschneidung der Rechte und Pflichten des Abgeordnetenhauses Logos BI von Berlin klagen.

Wir weisen den Versuch, eine missliebige Parlamentsentscheidung zu umgehen, als demokratisch unzulässig zurück.“

Bürgerinitiative „Mauerpark Fertigstellen“
Bürgerverein Gleimviertel

Gemeinsame Pressemitteilung
Berlin, den 16.11.2009

Fotos: Mario Rieger

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