Kopenhagener Straße

Die Kopenhagener Straße – Hermann Tops

vergessene Geschichte

In der Kopenhagener Straße 46, in einem der wenigen noch nicht sanierten Häuser, wohnte bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo  1942  Hermann Tops. Ein Arbeitersportler, der in der an der Ystader/Gleimstraße Straße gelegenen Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums, nach der Machtergreifung des Faschismus in „Horst-Wessel Gymnasium“ umbenannt, den Turnernachwuchs des Kiezes trainierte.

Seit 31. Januar 1952 trägt die Topsstraße, ebenfalls im Gleimkiez gelegen, seinen Namen.

1977  erhielt die, nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50, den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“.

In der Aula der 8. POS hing bis zur Auflösung der Schule im Sommer 1991 und der Neueröffnung der 11. Grundschule ein überlebensgroßes Porträt des einstigen Namengebers. Heute ist das Gebäude Hort der Schule am Falkplatz.

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Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist eine im November 1987 im Eingangsbereich von Haus 6 des heutigen Bezirksamtes in der Fröbelstraße 17 enthüllte Gedenktafel für die beiden von der NS-Justiz zum Tode verurteilten Bezirksverordneten der KPD Gustav Schiefelbein und Hermann Tops. Wie aus dem Text hervorging, sollten mit der Tafel zugleich  alle kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandskämpfer geehrt werden!

Das erinnert an den frühchristlichen Bilderstreitzweites Konzil von Nicäa, und an die Reformation, nur das jetzt “kommunistische” Abbilder ” statt “christlicher” übertüncht wurden.

Auch die Gedenktafel im Haus Nr. 46, erst 1987 angebracht,  ist inzwischen entfernt worden. Der Gedenkstein auf dem Gelände der Schule, mit Graffiti besprüht, fristet ein trauriges Dasein des Vergessens!

Wer war Hermann Tops?

Der mit der Benennung einer Straße und einer Schule Geehrte, nach der Wende aber Vergessene und aus dem öffentlichen Bewußsein entfernte, wurde am 18. Juli 1897 in Prenzlauer Berg geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Werkzeugmachers.

1919 schloss er sich dem Metallarbeiterverband und der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1923 wurde er Mitglied der KPD und Betriebsratsvorsitzender. Von früher Jugend an war er aktiv im Arbeitersportverein „Fichte“ tätig.

„Ende der 1920er Jahre wurde „Männe“ – wie seine Sportfreunde Hermann Tops gern nannten – für seine Partei in die BVV Prenzlauer Berg gewählt. Als Arbeitersportler übte er seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ aus.

Als nach dem 30. Januar 1933 die NS-Machthaber die kommunistischen und sozialdemokratischen Sportorganisationen verboten, gelang es ganzen Gruppen von Arbeitersportlern aus Prenzlauer Berg, in politisch unverdächtigen Sportvereinigungen, vor allem im „Berliner Turnverein 1862“, unterzukommen. Bald tauchten dort auch illegale Flugblätter gegen das NS-Regime auf.

Der Gestapo konnte die politischen Aktivitäten der ehemaligen Roten Sportler nicht verborgen bleiben. Als am 12. Oktober 1933 Mitglieder der zentralen wie der örtlichen Leitung der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit verhaftet wurden, befand sich unter ihnen auch Hermann Tops. Wegen seiner antifaschistischen Tätigkeit wurde er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, nahm er wieder am illegalen Kampf gegen die NS-Diktatur teil.

Als Mitarbeiter einer Maschinenbaufirma in Berlin-Wittenau begann er mit dem Aufbau illegaler Widerstandsgruppen in Berliner Rüstungsbetrieben. 1939 schloss er sich, wie viele andere frühere Arbeitersportler, der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an und wurde zum Verbindungsmann  zu  der Widerstandsorganisation um den Kommunisten  Anton Saefkow, die im Berliner Nordosten mehrere Stützpunkte im betrieblichen Bereich besaß.

Am 4. Februar 1942 wurde Hermann Tops erneut verhaftet, nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.“*

*Unter Verwendung eines Artikels von Klaus Grosinki, veröffentlicht im Falkblatt Nr. 15 des BV Gleimviertel, Februar 2004, S. 11

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Die Kopenhagener Straße

Die Kopenhagener Straße – Relikte aus 40 Jahren DDR II

Berlins letzte(S) REH

Am 18.4.2012 hat sie wieder eröffnet und zeigt, frisch renoviert, bis 6.5.2012, eine Installation von Janine Eggert & Philipp Ricklefs mit dem Titel „The Dymamic Sublime Device“.

REH? Da war doch mal was!

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Richtig, natürlich kein Reh sondern eines der typischen Wortungetüme der DDR. REH stand für Raumerweiterungshalle, ein universeller, teleskopartiger Leichtbaucontainer aus Aluminium und Pappe, meist mit den Aufschriften „Mitropa“, „Intershop“ oder „HO“ b.z.w. „Konsum“ drauf.

Insgesamt wurden davon 3400 Stück fertiggestelt. Die Produktion endete 1989.

Die REH ist ein Teil der Architekturgeschichte.

1959 entwarf Helmuth Both die erste „transportable Raumerweiterungshalle“ in seiner Firma in Boizenburg, Mecklenburg-Vorpommern.

Viele Entwicklungsschritte folgten. Der Typ „Variant“, gebaut zwischen 1966 und 1978, wurde zum Klassiker, mit der eleganten Silhouette, den geschwungenen Formen, schrägen Seiten und abgerundeten Ecken.

So sieht auch die Kunsthalle in Prenzlauer Berg aus. Sie ist die letzte ihrer Art in Berlin.

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Das Prinzip der REH ist einfach. Die Halle besteht aus bis zu acht ineinander geschachtelten Elementen. Man kann sie wie ein Teleskop auseinanderziehen und so die Größe variieren, 80 Quadratmeter groß ist das Modell an der Kopenhagener Straße 17., 128 Quadratmeter waren möglich.

Die Außenhülle ist eine Konstruktion aus Aluminiumblech und leichten Stahlträgern, die Innenwände sind mit Hartfaserplatten verkleidet. Der Boden wird separat auf Schienen verlegt.

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Innerhalb eines Tages konnte der 7,5 Tonnen schwere Container aufgebaut werden. Da in der DDR nicht immer und überall ein Kran zu Verfügung stand, wurde die REH so konstruiert, dass man sie  zusammenschieben und auf einem Transportgestell, ähnlich einem Campingwagenanhänger, an beliebige Ort verfrachten konnte.

Zrück zur Kunstinstallation.

Der Verfasser hat sich erklären lassen, dies sei die Sinuskurve in der ersten Sekunde eines Raketenstartes. Hoffentlich eine Forschungsrakete und keine…, na Sie wissen schon!

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Die Kopenhagener Straße

Die Kopenhagener Straße – Relikte aus 40 Jahren DDR I

Goldene Hausnummer“

Es gibt sie noch und das gleich zweimal, die „Goldene Hausnummer“, die vor der Wende, von den Bewohnern besonders gut gepflegte Häuser erhielten. (Nr.41 und Nr.67)

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Damit ist wohl die Kopenhagener Straße eine der Straßen mit der höchsten Dichte an diesen speziellen Zeitzeugen , denn die meisten fielen Souvenirjägern zum Opfer oder wurden im Zuge von Fassadenarbeiten einfach abmontiert.

Über 3500 wurden damals an „verdiente“ Hausgemeinschaften vergeben, wie die Berliner Zeitung noch im Januar 1989 vermeldete.

Heute glänzen sie nicht mehr golden, der Lack ist ab. Das trifft auch auf die betreffenden Häuser zu, die zu den wenigen unsanierten Gebäuden in der Kopenhagener Straße zählen. Fast ein Hohn, dass es sich bei der heruntergekommenen Plakette mit dem Berliner Bären ausgerechnet um eine Auszeichnung für besonders gepflegte Häuser aus DDR-Zeiten handelt.

Die Idee für die Auszeichnung stammte vom Magistrat von Berlin. Seit Mitte der 1980er Jahre hatten die Wohnbezirksausschüsse sie im Osten der Stadt verliehen. Sie war ein Dank an alle, die sich um ihr Haus, die Innenhöfe und die Wohnumwelt gekümmert hatten, standen doch für die, sich zumeist in Hand kommunaler Wohnungsverwaltungen(KWV)  befindlichen Häuser, immer weniger Mittel für Erhalt und Sanierung zur Verfügung. Eigeninitiative für die Gestaltung der Innenhöfe, der Hausflure, Balkone und Grünflächen war deshalb umso mehr gefragt.

Im Kern eigentlich unpolitisch und auf den Gedanken der Nachbarschaftshilfe basierend, konnte sich die Initiative nicht ganz dem allgemeinen Kontrollzwang und einer bestimmten politischen Ausrichtung entziehen. Es wurde auch schon mal gefordert,  das Haus bei politischen Anlässen besonders gut zu beflaggen oder bei „Wahlen“ frühst möglichst in den Wahllokalen zu erscheinen.

Trotz dieser für den DDR-Sozialismus typischen Erscheinungen bleibt vielen Bürgern der Wettbewerb um die „Goldene Hausnummer“ in guter Erinnerung, war sie doch behaftet mit den Gedanken an gemeinsame Hoffeste, Kellerpartys,  Aufräumungs- und Begrünungsaktionen und Ausdruck gelebten nachbarschaftlichen Engagements.

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Die Kopenhagener Straße

Die Kopenhagener Straße und das „Nordischen Viertel“

eine kurze historische Namensgeschichte

Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kam es in Deutschland und insbesondere in Berlin zu einem Gründerboom, der u.a. auch aus Reparationszahlungen Frankreichs gespeist wurde.

Es wurde Mode, die Straßen in den neu entstehenden Stadtquartieren nach bestimmten geografischen Gesichtspunkten zu benennen. So entstand in den 80-er Jahren des 19.Jahrhunderts das „Französische Viertel“ zwischen Schönhauser und Prenzlauer Allee mit Namen französischer Städte wie Metz, Straßburg, Colmar, Belfort, Wörth und Mühlhausen.

Später kamen dann das „Westpreußen Viertel“ und das „Ostpreußen Viertel“ hinzu, deren Straßennahmen aber nach Gründung der DDR durch die Namen antifaschistischer Widerstandskämpfer ersetzt wurden. Zwischen 1945 und 1990 wurden insgesamt 47 Straßen und Plätze umbenannt.

Die Kopenhagener Straße gehört, wie schon ihr Name sagt, zum sogenannten „Nordischen Viertel“ des Prenzlauer Bergs, der seine Namensgebung allerdings erst 1921 als Verwaltungsbezirk 4 des neuen Groß-Berlin erhielt.

Die nach der Jahrhundertwende angelegten Straßen verliefen zwischen der Bornholmer Straße im Norden, rund um den Arnimplatz und bis ins Gebiet des heutigen Gleimviertels hinein, das damals vom Norden noch nicht durch die S-Bahn Trasse geteilt war. Neben typischen Namen wie, Finnländischen Straße, Gotlandstraße, Malmöer Straße, Dänen Straße, die auf nordische Orte verwiesen, gab es auch Straßennahmen, die an den dänischen Dichter Anderson, und die norwegischen Schriftsteller Björnson und  Ibsen erinnerten.

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Neben der Kopenhagener Straße gibt es im Gleimviertel weitere Straßen mit nordischem Namen, Die Ystader Straße, die Korsörer Straße , die Schwedter Straße, die Sonnenburger Straße und die Rhinower Straße, wobei hier der „nordische“ Bezug nicht ganz eingängig ist, liegt doch Rhinow westlich Berlins am Rande des Rhin-Luchs.

Ein Kapitel für sich ist die Sonneburger Straße.Benannt nach Sonnenburg/Neumark, Stadt in der früheren Provinz Brandenburg, heute Slonsk, Woiwodschaft Lubuskie (Lebus).

Der Ort kam im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs an Polen.

Die Sonnenburger Sraße, vorher Straße 16 der Abt. XI des Hobrechtschen Bebauungsplanes, erhielt 1906  ihren Namen.

1911 beschloß die Stadtverordnetenversammlung Berlin den Ankauf der östlichen Hälfte des Exerzierplatzes vom Militärfiskus. Durch diesen Ankauf, der 1912 getätigt wurde, war eine Verlängerung der Sonnenburger Straße von der Gaudy- bis zur Eberswalder Straße möglich. Dieser Abschnitt trug von 1920 bis 1935 den Namen Rudolf-Mosse-Straße, benannt nach einem bedeutenden jüdischen Verleger, der auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee ein Ehrengrab erhielt.

1935 wurde die Straße von den Nazis in Sonnenburger Straße rückbenannt. Den Namen trägt sie bis heute.

Bereits in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts mußte die Straße zwischen Gaudy- und Eberswalder Straße Sport und Spielstätten weichen.  1951 wurde daraus der Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark. Heute liegt ihr südlicher Teil nur noch als Sackgasse zwischen Gleimstraße und der 1945 durch einen Bombentreffer zerstörten Schönfließer Brücke.

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das Gleimviertel – ein Update 2.0.6.

Das Gleimviertel

Falkplatz III und Mauerpark in der Gegenwart

Lange Zeit hatte sich Berlin eingebildet, treu dem Satz Ernst Reuters „Völker der Welt schaut auf diese Stadt“ aus der jahrzehntelangen Teilung, sportpolitisches Kapital zu schlagen und die Olympischen Spiele im Jahre 2000 nach Berlin zu holen.
Doch das Olympische Komitee handelte schon damals, wie heute verstärkt, nach fiskalischen und geopolitischen Interessen und vergab die Spiele nach Sydney/Australien.
Das konnte Berlin 1990, dem Zeitpunkt der Bewerbung, noch nicht wissen. Aus dem Architekturwettbewerb, der ausgelobt wurde und eine Umgestaltung des Jahn-Sportparks, einschließlich des Falkplatzes und den Bau einer Boxsporthalle vor sah, ging 1992 ein Entwurf von Prof. Lange aus Hamburg hervor. Hier meldete sich erstmals eine Bügerinitiative zu Wort, die eine möglichst große Schonung des Falkplatzes einforderte und eine Umfunktionierung des Platzes als Vorplatz der späteren Max-Schmeling-Halle als bloßen betonierten Platz ablehnte.
Aus dieser Bewegung und aus Sorge um den Erhalt der bestehenden Einwohnerstruktur, ging der Bürgerverein Gleimviertel“ hervor, der sich seit dieser Zeit für bürgernahes Leben, mehr Stadtgrün, eine moderne Schulpolitik und gegen  Gentrifizierung einsetzt.
Was ist seit dieser Zeit Neues passiert. Sind die alten Fragen und Probleme teilweise oder endgültig gelöst? Wie ist der heutige Stand?

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Die Max-Schmeling-Halle wurde gebaut. Befürchtungen der Anwohner wegen der Verkehrsströme und dem Lärm, haben sich wohl relativiert. Der Mauerpark wurde in Teilen gestaltet, der Moritzhof erbaut und erfolgreich verteidigt.
Die Diskussionen der letzten Jahre, mit Schwerpunkt Mauerpark, Stadtgrün, Vekehrssituation kann man der Website des „Bürgervereins Gleimviertel“ oder den Publikationen und Internetaktivitäten anderer Akteure und Betroffener entnehmen.
Die Probleme des Mauerparks sind seit den frühen 90-er Jahren hinsichtlich seiner Gesamtsituation nicht gelöst. Aber es gab Fortschritte durch die Einrichtung eines „Amphitheaters“, seit einigen Jahren die KaraokeszeneBerlins, durch Baumbepflanzungen, durch die Möglichkeit Basketball zu spielen  und durch eine Neugestaltung des Falkplatzes an einigen Ecken.

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Seit dem Ende der Bügerwerkstatt im März dieses Jahres gibt es ein politisches Patt, und alle warten auf den Ausgang der politischen Neuausrichtung sowohl in den BVV Pankow und Mitte sowie des Senats. Es ist kaum zu erwarten, dass vor Ende dieses Jahres Beschlüsse fallen. Das hat wohl „gute Tradition“. Immerhin waren sich alle politischen Bewerber, die sich am 15. September den Bewohnern des Gleimviertels als ihre Direktkandidaten vorstellten, einig, dass der Mauerpark bedingungslos, also ohne Randbebauung fertiggestellt werden sollte. Am Gothe-Plan hielt lediglich die SPD fest. Immerhin haben es 2 Kandidaten bis in den Senat geschafft, Philipp Magalski von den Piraten und  Andreas Otto von den Grünen.
Am 26.10. 2011 konstituiert sich die BVV Pankow neu – wir werden abwarten.

weiter

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Das Gleimviertel – ein Update 2.0.5

Das Gleimviertel

der Falkplatz II Geschichte bis zur Gegenwart

Erst 1908 beginnt die Umgestaltung des Platzes N1, ab 1906 „Falkplatz“ genannt, als „Schmuckplatz”, weil bis dahin die OHG Simon&Bloch, die das Areal ein Jahr zuvor gewinnbringend an die Stadt verkauft hatte, bis 1908 Pachtverträge mit verschiedenen Pächtern besaß.

Sein weiteres Schicksal ist ein typisches Stück berliner Geschichte zwischen 2 Weltkriegen, der Teilung der Stadt, dem Mauerbau und der Wiedervereinigung.

Es soll hier nicht wiederholt werden, was schon ausführlich und und mit wissenschaftlicher Kompetenz in Buch und Schriftform vorliegt.*

Deshalb hier nur ein kurzer Abriss zur Einstimmung auf das

Update 2.0.6.“Falkplatz III und Mauerpark  in der Gegenwart“.

Seit seiner Fertigstellung als “Schmuckplatz” mit abgezirkelten Wegen und Blumenrabatten, mit einer Steintreppe aus Strieganer Granit – aber auch mit einem Planschbecken und Buddelkästen für Kinder, diente er rund 50 Jahre lang den Anwohnern als urbaner Raum, der sehr gerne angenommen wurde, wie Zeitzeugen zu berichten wußten.

Dann begann das Naziregim den 2.Weltkrieg und 1945 war nichts mehr wie vorher. Am Ende der Schlacht um Berlin durchzogen Splittergräben den Platz. Ein Feuerlöschteich gegen Brandbomben, diente, nach Ausfall der Wasserversorgung, als Trinkwasserreservoir mit zweifelhafter Qualität. Auf dem Exer und auf dem Kohlenplatz Sonneburger/Ecke Gleimstrasse standen Flakbatterien. Das Gebiet war „HKL“, Hauptkampflinie geworden, mit den entprechenden Folgen für Mensch und Stadt. Auf dem Gelände des „Kohlenplatzes“ ging ein Munitionsdepot der SS in die Luft – heute ist es Teil der Kita „die Gleimstrolche“.

Auf dem Falkplatz wurden in langen Reihen die toten Russen und Deutschen zwecks Identifikation aufgebahrt und an gleicher Stelle provisorisch beerdigt – ein trauriger Tiefpunkt des Platzes als Friedhof.

Da es im Nachkriegsberlin kaum ewas zu essen gab, besannen sich die Anwohner einer alten Tradition des Areals und bauten wieder etwas Essbares an; die Laubenpieper waren zurück!

Anfang der 50-er Jahre bereitete sich Ostberlin auf die III.Weltfestspiele der Jugend und Studenten vor. Im Rahmen des NAW, des “Nationalen Aufbauwerks“ wurde unter mehr oder weniger freiwilliger Hilfe der Berliner, also ohne Bezahlung, der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erbaut und in diesem Rahmen der Falkplatz wieder begrünt.

Am 17.Juni 1953 standen erneut sowjetische Panzer vor dem Gleimtunnel.

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1956 begann die 2.Ausbauphase, in der auch dasPlanschbecken“ mit der „wasserspeienden Robbe“ und einer Rutsche und einem Kinderspielplatz wieder entstanden. Allerdings gab es auch Proteste der Anwohner, da sich die Baumaßnahmen ewig hinzogen.

Doch schon 1961 war Schluss mit einer unbeschwerten Benutzung. Die Wächter kamen wieder, nur trugen sie jetzt Uniform und hatten Maschinenpistolen, sie hießen jetzt „Grenzer“.

Der Gleimtunnel wurde zugemauert, ein Postenturm am Falkplatz errichtet. “Die Böschung des Stadions wurde abgeholzt und der Falkplatz erhielt drei Meter von der Bordsteinkannte an der Schwedter Sraße einen Stacheldrahtzaun. Die Bäume bis zur ersten großen Baumreihe wurden gefällt. Das war auch das Ende der Treppe aus Strieganer Granit.“*

1963 fanden weitere Verschärfungen statt. Die Schwedter Strasse wurde durch einen Sperrgraben ersetzt, der Falkplatz mit Panzersperren aus Bahnschienen „verziert“. Auch Hunde durften wieder laufen, allerdings als Wachhunde in einer Zwingeranlage, die von der Gleimstrasse bis zum Stadion reichte. Es wurde eine Passagierscheinregelung eingeführt, die  alle Häuser bis 100 Meter zur Grenze betraf. 1979 wurde zwei neue Hundelaufanlagen installiert. Die Kosten dafür mußte das Bezirksamt, damals „Rat des Stadtbezirks“ tragen.

Als am 9.November 1989 die Mauer fiel, bekamen die „Gleimviertler“ ihren Platz wieder zurück. 1990 beschloß die Bezirksversammlung die Errichtung eines Mauerparks und Kinderbauerhofs auf dem Gelände der ehemaligen Grenzanlagen.

Im Zuge der Olympiabewerbung Berlins wurde auch der Falkplatz in die Planungen und Wettbewerbsentwürfe mit aufgenommen.

Wie die Geschichte weitergeht, wird im nächsten Beitrag thematisiert.

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*zitiert aus:” Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine.Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin”. BasisDruck-Verlag GmbH, ISBN 3-86163-091-5

Das Gleimviertel – ein Update 2.0.4

Das Gleimviertel

wohnen und leben heute

Steht eine „Location“ erst mal in den internationalen Reiseführern, wie der Mauerpark und die Gleimstrasse, so kann sich im Zeitalter von „Billigfliegern“, wo ein Flug nach Berlin schon mal unter 50 Euro kostet, der Charakter einer Strasse oder eines Kiezes rasch ändern.
So ist nicht verwunderlich, dass sich im unteren Teil der Gleimstrasse, zwischen U-Bahn Brücke und Falkplatz Restaurant an Restaurant reiht, Tendenz zunehmend.
Was haben die Bewohner davon?
Gut, die Touris geben Geld aus, machen aber auch Lärm und Dreck. Aber der Bezirk, das Viertel, die Strasse ist „angesagt“ – das merken auch andere, Vermieter, Eigentümer, Investoren.
Die Dachgeschosse und Lücken aus dem 2.Weltkrieg werden zu Eigentumswohnungen  ausgebaut. “Priviligierte Mieter/Eigentümer“ fahren in ihren eigenen Fahrstühlen in ihre Lofts und Atelierwohnungen. Der Druck auf die Mieten wächst und sie steigen.

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So liegt gegenwärtig die durchschnittliche Nettokaltmiete im Gleimkiez laut immobilienscout 24, südlich der Kopenhagener bis Korsörer-, Ystader-, Gaudystrasse und im Dreieck Cantian-, Milastrasse und Schönhauser Allee  zwischen 6,6 bis 8,0 Euro Nettokalt pro qm.
Der verbliebene Teil des Gleimviertels nördlich der Kopenhagener und am Falkplatz wird mit 8,1 bis 10,0 Euro bewertet. Die Website weist eine Mietsteigerungen von 2009 zu 2010  um 10 bis 20% aus.
Dem gegenüber sind Mieten nördlich des Gleimtunnels, im Wedding ,von 4,1 bis 5,5 Euro pro qm deutlich günstiger.
Inzwischen sind nur noch bei drei Häuser in der gesamten Gleimstraße die Fassaden unrenoviert.
Bauarbeiten gibt es im Gleimviertel gegenwärtig an der Ecke Rhinower Strasse/Gleimstraße, , in der Schwedter Straße , der Kopenhagener-und der Korsörerstraße.
Das Bild des Kiezes in der letzten Dekade mitverändert,  hat der Bau der Max-Schmeling-Halle und die Umgestaltung des Mauerparks. Der Falkplatz ist wieder kleiner geworden. Der bei Kindern beliebte Rodelberg an der Stelle der „Mehrzweckhalle“ existiert nicht mehr. Dafür gibt es einen schönen Kinderspielplatz und eine Robbenskulptur, die an der Stelle des früheren Planschbecken steht. Selbiges, sowie die zwei Buddelkästen für Kinder, an die sich einige noch erinnern, sind nicht mehr da.

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Es ist sicher zeitgemäß und heute selbstverständlich, das Falkplatz und Mauerpark Teile des öffentlichen Raumes sind und von allen genutzt und „benutzt“ werden können.

Die Zeiten, als ein Aufseher, wie in den 20-er und 30-er Jahren, die Kinder vom Rasen trieb und  seinen Knüppel schwang, und der Falkplatz ein „Schmuckplatz“ war, sind endgültig vorbei.

Das könnte sich die Stadt auch nicht mehr leisten.

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Das Gleimviertel – ein Update 2.0.3

Das Gleimviertel

Falkplatz I, Geschichte wiederholt sich – oder nicht?

Ein Beitrag aus historischer Sicht zum Mauerpark

Als die OHG Simon&Bloch 1904 den südlichen, etwa 5 Hektar großen Teil des Platzes N an die Stadt verkaufte, konnte sie sich die Hände reiben, sie hatte ein Schnäppchen gemacht!
Bis dahin hatte sie sich,  durch die Parzellierung und Verpachtung, des ihnen gehörigen Geländes, rings um den Platz N,  sowieso schon ein beträchtliches Vermögen verdient.
Allerdings warf ein städtischer Platz, wie im Bebauungsplan vorgesehen, dummerweise keine Rendite ab. Deshalb feilschten Simon&Bloch mehrere Jahre mit der Stadt. Solange wurde das Gelände eben verpachtet, wenn auch ohne Gewinn. Um wenigstens einen Teil gewinnbringend zu vermarkten, bot die Offene Handelgesellschaft der Stadt an, ca 2/3 des Patzes in öffentliche Hand zu geben. Die Stadt ging darauf ein – Rest siehe oben.

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So wurde der Platz N eben der Platz N1 “Falkplatz”, seiner Fläche um mindestens 1/3 beraubt, zugunsten privater Spekulanten und ihrer Gewinne.
Zu fragen ist, ob sich Ähnliches nicht heute wiederholt?
Es geht um den Mauerpark und um die Verwertung eines Teils durch die Vivico.

Der historische Kompromiss von 1904 ähnelt irgendwie dem Vorschlag des Stadtradts Gothe und der Bürgerwerkstatt.
Muss man sich immer über den Tisch ziehen lassen, gibt es keine Lehren aus der Geschichte?

P.S. Übrigens ging die OHG Simon&Bloch nach dem erfogreichen Deal in Liquidation. Die Vivico ist  seit 2007  an die CA Immo AG Wien für 1.03 Mrd Euro verkauft worden.

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Das Gleimviertel – ein Update 2.0.2

Das Gleimviertel

Der „Exer“ – Geschichte, die Geschichten schrieb!

Es ist heute wenig bekannt, dass die Geschichte von Herta BSC eng mit dem Gleimviertel verbunden ist. Sie ist auch ein gutes Beispiel für Gemeinsames zwischen dem Wedding und Prenzlauer Berg ,das, zuerst durch den Bau des Bahndamms der Nordbahn 1877, und fast ein Jahrhundert später, 1961, durch die Errichtung der brutalen „Berliner Mauer“, mehr und mehr verlorenging.
Es waren Berliner Jungs aus der Stralsunderstraße im Wedding, dem alten Arbeiterbezirk aus dem Nord-Osten, die 1892 den Fußsballverein Herta BSC 1892 gründeten.
Ihre erste Spielstätte war der „Exer“, das Gelände, dass seit 1825 vom Kaiserlichen Alexanderregiment zum Exerzieren genutz wurde, in den 90-er Jahren des 19.Jahrhunderts aber eine Umwidmung zur Erholungs- und Sportstätte erfuhr. Erst 1904 wurde der Umzug nach Wedding vollzogen.

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Ironischerweise  wurde dieses, ab den 50-er Jahren mehrfach zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark umgebaute Areal, in den 80-er Jahren ausgerechnet vom BFC Dynamo, 10-facher Meister der „DDR-Oberliga“, und Vorzeigeclub von Erich Mielke, Chef der Stasi, bei Spielen als Sportstätte genutzt.
Der Verfasser war zugegen, als besagter Fussballclub, trotz überragener Spieler, wie Thomas Doll, Andreas Thom und Rainer Ernst, alles spätere „gesamtdeutsche Nationalspieler“, 1985/86 im Europapokal der Landesmeister gegen Austria Wien von Toni Poster im Alleingang erledigt wurde und 0:2 verlor.
Heute vollzieht sich hier auch nicht immer Rühmliches.
Bekannt sind die Krawalle, wenn hier der heutige BFC Dynamo, mittlerweile in der Oberliga Nordost beheimatet, im Rahmen von Pokalwettbewerben auf  lokale oder nationale Konkurrenz trifft.
Trauriger Höhepunkt war das DFB Pokalspiel im Sommer dieses Jahres zwischen dem BFC und dem 1. FC Kaiserslautern, als BFC-Anhänger, nach dem 0:3 verlorenen Spiel, den Gästeblock stürmten und auf die „gegnerischen Fans“ einprügelten.
Auch über den „Exer“, dem früheren „Platz an der einsamen Pappel“ gab es in der Historie nicht nur Positives zu vermelden. So erschoss sich dort 1897 der Kaufmannslehrling W. aus der Bernauerstraße beim Schiebenschießen aus versehen.
Von den Polizeirevieren eher gemieden, sprach sich die Gegend bei den „Gestrandeten“ und „Neuankömmlingen“, der rasch wachsenden Stadt, schnell herum.
Es ist ein „Dorado für Vogelfänger, Obdachlose, Liebespaare und Selbstmörder“, weiß die „Quelle“, die Ortszeitung seiner Zeit, zu berichten.
So heißt es beipielsweise am 14.Oktober 1893:
„Eine umfangreiche Razzia hat in der vergangenen Nacht im Norden und Nordwesten Berlins stattgefunden. Besonders abgesucht wurden die Terrains an der Schönhauser Allee und die Umgebung am Exerzierplatz zur einsamen Pappel. Außer einigen nachtwandelnden harmlosen Liebespärchen, die sich über ihre Personalien ausweisen konnten, wurden 5 von den Behörden längst wegen Begleichung eines Strafkontos gesuchte Subjekte erwischt, darunter auch ein wilder Mann, welcher erst kurz aus einer Heilanstalt entflohen ist.“*
Bei der nächsten Razzia wurde neben einer Bande von Feldfrüchtedieben auch ein flüchtiger Vereinskassierer aus Breslau gefasst, der mit der Vereinskasse von 300 RM durchgebrannt war.

Zu denken geben muss auch das Schicksal des Schlossermeisters B, der sich am 8.Dezember 1894 auf dem „Exer“ erschoss. Der Mann hatte bei Schwindelbauten ein kleines Vermögen verdient, sich dann aber verspekuliert. „Verluste an Schwindelbauten waren um diese Zeit nicht selten. Mit der Bebauung dieses Viertels trieb die Spekulation Blüten.“*.

Für die Terraingesellschaften war es ein risikoloses Geschäft. Sie verkauften den Handwerksmeistern die Grundstücke, die diese bebauten. Konnten die Häuser nicht gewinnbringend verkauft werden, waren sie pleite.

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*Zitiert aus: „Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine.Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin”, BasisDruck Verlag GmbH, ISBN 3-86163-091-5

Das Gleimviertel – ein Update 2.0.1



Das Gleimviertel

erste Anfänge eines bürgerschaftlichen Engagements

Wenn man über dieses Thema schreibt, muss man sich natürlich der Implikationen und Intensionen der Begriffsbestimmungen bewußt sein.

Die „Vereinsbewegung“ im späten 19./frühen 20.Jahrhundert ist sicher nicht mit den heutigen Bürgervereinen direkt vergleichbar, aber historische Unterschiede und Termini können wohl nicht die Intressenorientierung verbergen, die sich aus sozialer- und Statuslage ergibt.

Erste Anfänge solcher Bürgerbeteiligung lassen sich idealtypisch am Beispiel der Entwicklung der Gleimstraße und des Gleimviertels nachvollziehen.

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Am 18.Januar 2012 wird die Gleimstraße, Namensgeber des Gleimviertels,   120 Jahre alt (1892); jedenfals der nördlich des Gleimtunnels im Wedding gelegene Teil. Der südöstliche, heute zu Pankow/Prenzlauer Berg zugehörige Abschnitt, kam 10 Jahre später hinzu.

Bis dahin firmierte die Straße unter der Nr.19, Abteilung XI des Hobrechtschen Bebauungsplanes von 1862 und hatte schon eine bewegte Geschichte.

Erste „Bürgerbewegungen“ wandten sich mit Unterschriftssammlungen gegen den Bau einer „Poudrettfabrik“, die mangels Kanalisation, tierische und menschliche Exkremente verarbeiten sollte, an die zuständigen Behörden. Es ist insofern bemerkenswert, dass erst durch eine Intervention des preussischen Militärs, in Gestalt des Garde-Grenadier-Regiment Nr.1,  das am „Exer“ seine Ausbildung absolvierte, Abhilfe erfolgte.

Weitere Zeugnisse eines „Bürgerbegehrens“ wurden in den nächsten Jahren vor allem vom „Grundbesitzerverein“ vorgetragen, der sich um die Rendite, der durch seine Mitglieder angekauften Flächen sorgte. Hier ging es vor allem um den Personenbahnhof der Nordbahn an der Schwedterstrasse, den die Königliche Eisenbahnbaudirektion aufgeben wollte.

Wenn auch die Beschwerde abgewiesen wurde, war der Verein, der immerhin 1178  Unterschriften sammelte, weiter aktiv.

Die nächste Intervention galt dem Bau des Gleimtunnels.

Die, durch die Nordbahn mit ihrem aufgeschütteten Damm abgeschnitten Hälften, Wedding im Norden und Prenzlauer Berg im Süd-Osten, sollten durch einen Gleimtunnel zusammengeführt werden.

Einen entsprechenden Antrag stellte der „Grundbesitzerverein“ bereits 1899. Dem folgte eine Beschwerde ein Jahr später, unterstützt durch die örtlichen Polizeidirektionen, aus guten Grund.

Eine „vom Grundbesitzerverein”  innitierte Zählung der Bewohner, für die der Gleimtunnel notwendig sei, ergab auf der Seite des Gesundbrunnens 43.989 und an der Schönhauser Allee 21.832 Personen.

1902 gab es die ersten Verhandlungen über den Bau des Gleimtunnels zwischen der Königlichen Eisenbahnbaudirektion, der Stadtgemeinde, den Polizeirevieren und den Grundbesitzervereinen.

Es dauerte bis 1905, bis die endgültige Abnahme des Tunnels durch die Straßenbauinspektion. erfolgte. Den endgültigen Namen “Gleimtunnel” erhielt die Tunnelführung unter dem Gleisbett der Nordbahn aber erst 1911.

Es klingt bekannt, dass  Bürger ,der seit 1903 zunehmend bebauten Gleimstraße östlich des Tunnels, sich seit 1907 über den Lärm beklagen. Der Antrag der Anwohner und dem örtlichen Polizeirevier 90 auf Asphaltierung wird mit der Begründung abgelehnt, dass „nicht das erst drei Jahre alte Pflaster wegen der Bürger, die kaum länger als zwei Minuten im Tunnel sind und wegen des Trabfahrens der Kutschen entfernt werden könne.”

Probleme gab es auch mit den Straßenschildern und Hausnummern. So wandten sich bereits 1904 die Anwohner der Gleimstraße an das Polizeipräsidium mit der Bitte um Anbringung von Straßenschilder.

Dies zog sich wohl noch eine Weile hin, denn noch 1908 verfasste der Schriftsteller Paul Elmer eine Eingabe an die Kaiserliche Oberpostdirektion, in der er sich beschwerte, dass die Gleimstraße noch immer nicht einheitlich nummeriert sei und es beispielsweise 11 Häuser gäbe, die die Nr.9 trügen.Dadurch käme es zu Verzögerungen bei der Zustellung.

Artikel H.D.

unter Verwendung des Buches “Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine.Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin”, erschienen im BasisDruck Verlag GmbH 1998, ISBN 3-86163-091-5