Berliner Wasserbetriebe – mit allen Wassern gewaschen?

Die BWB – und ihre Kommunikation

Im Zusammenhang mit dem Bau der Fernwärmetrasse erhielt der Bürgerverein Gleimviertel die Information, dass auch die Berliner Wasserbetriebe im Gebiet des Gleimviertels umfangreiche Tiefbauarbeiten planen.

In einer telefonische Anfrage bei den BWB  Ende Februar wurde dies bestätigt. Erste Arbeiten würden bereits 2012 beginnen und und sich bis 2016 hinziehen. Details sollten per Email angefragt und übermittelt werden.

Seitdem gibt es regelmäßige Anfragen seitens des Bürgervereins; dem gegenüber grüßt bei den BWB das Murmeltier.
Auch im Tiefbauamt Pankow weiß man nichts genaues außer, dass man keinen gesetzlichen Auftrag zur Koordinierung hat.

Dem Bürgerverein geht es darum, rechtzeitig zu verhindern, dass die gleichen Pannen wie in der Stargarder Straße passieren, als nacheinander die Straße von verschiedenen Bauträgern aufgerissen wurde.

Es kann den Bürgern und Gewerbetreibenden doch nicht egal sein, und der Politik sollte es auch nicht, wenn durch  durch Lärm, Dreck, Umsatzrückgang und Verkehrsbehinderungen ein Stück Lebensqualität temporär eingeschränkt wird.
Sie haben ein Anrecht auf Information und Partizipation.

Es klingt wie eine Drohung, wenn die Berliner Wasserbetriebe, in deren Aufsichtsrat Finanzsenator Nußbaum und Staatssekretär Gothe(Stichwort Mauerpark) sitzen, in ihren Leitsätzen verlauten lassen: „Damit sind wir durch unsere Arbeit unmittelbar Bestandteil des Alltagslebens unserer Kunden.“ und auf ihre „kommunikative Öffentlichkeit“ verweisen.

Vielen Dank liebe Wasserbetriebe – vielleicht haltet ihr Euch auch daran!

Wie in der Stargarder- so im Gleimviertel?

HD

Mauerpark – Anfrage des Bürgervereins Gleimviertel

Vor einer Woche hat der Bürgerverein Gleimviertel e.V. alle  in der Pankower BVV aktive Parteien  um eine Stellungnahme zu den Festlegungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hinsichtlich des Mauerparks gebeten.

Leider haben sich bisher weder Grüne noch SPD dazu geäußert. Von der Piratenfraktion erreichte uns folgende Mitteilung vom Fraktionsvorsitzenden:

“Natürlich wäre es schön das Gelände nördlich des Gleimtunnels auch zum Mauerpark hinzuzunehmen. Dies wird leider nicht der Fall sein, da die Zeit für weitere Verhandlungen einfach vorbei ist. Die Bebauung nördlich des Gleimtunnels ist das kleinere Übel, vorausgesetzt der restliche Mauerpark wird fertiggestellt. Zugegeben diese Lösung ist nicht die Beste, aber es ist immer noch besser als keine Fertigstellung des Parks. Im übrigen hat die Bürgerwerkstatt den nördlichen Teil ebenfalls nicht in ihrer Planung mit drin. Nach fast 10 Jahren zähen Verhandlungen, welche zu keiner Einigung zwischen allen Beteiligten führte ist diese Lösung die Bestmögliche. Wie gesagt solange nur nördlich des Gleimtunnels gebaut wird und die Fläche südlich komplett zur Fertigstellung genutzt wird, kann ich dem Vorhaben zustimmen.”

HD

Fernwärme Pro und Kontra

Wie ist die Lage ?

Die Nutzung von Fernwärme gilt im Allgemeinen als ökologisch sinnvoll , fällt sie doch automatisch bei der Stromproduktion an. Gerne verwiesen wird auf den hohen Wirkungsgrad einer Kraft-Wärme-Kopplung mit einer Brennstoffnutzung von 75 bis 90 Grad gegenüber der herkömmlichen Stromerzeugung von ca. 40 bis 50 Grad. Der Vorteil liegt vor allem im geringerem CO2 Ausstoß. Er soll laut Vattenfall pro Wohneinheit, im Vergleich zu Gas, 1 Tonne CO2 im Jahr betragen.

Der Vorteil liegt aber wohl auch bei Vattenfall, lässt sich doch so die überflüssige Abwärme ökonomisch sinnvoll nutzen. Dem Versorgten kann’s egal sein, solange die Preise stimmen, mal abgesehen vom Lärm und den Verkehrseinschränkungen bei der Verlegung der Ferwärmetrasse.

Aber es gibt noch eine Gefahr! Hat man sich entschieden, auf diese Art zu heizen, bindet man sich an einen Anbieter, der ein Monopol besitzt.

Noch ein Argument ist zu beachten!

Nicht unwichtig für die Umweltbilanz ist, wo die Fernwärme herkommt, und wie sie erzeugt wird.

Das Gleimviertel und der Prenzlauer Berg sollen ihre Wärme aus den Kraftwerken Mitte und Klingenberg erhalten. Letzteres gilt in Sachen Umwelt gegenwärtig nicht unbedingt als vorbildlich. Das in Lichtenberg/Rummelsburg gelegene, 1925 erbaute und mehrmals modernisierte Kraftwerk, erzeugt seinen Strom überwiegend aus Braunkohle aus der Lausitz, das mit dem Schiff antransportiert wird (Grundlast), und aus Gas(Spitzenlast). Erst ab 2019, so das Konzept von Vattenfall und Senat, soll die Strom-und Wärmeerzeugung durch zwei kleinere Biomasse-Kraftwerke mit je 20 MW Leistung und einem größeren Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk erfolgen.

Dem gegenüber gilt das 1994/96 gebaute Kraftwerk Mitte als modern und zukunftsweisend.

In dem Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk(GuD) werden elektrische Energie und Fernwärme in Kraft-Wärme-Kopplung durch mit Erdgas betriebene Gasturbinen erzeugt. Die Luftverschmutzung soll durch die gewählte Bauweise vergleichsweise niedrig sein. Die Heizleistung des HKW Mitte reicht mit 398 MW um ca. 600 000 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen. Gleichzeitig werden gegenwärtig 440 MW Strom erzeugt.

Eine Alternative zu den großen HKW stellen dezentrale Block-oder Miniblockheizkraftwerke dar. Auch sie nutzen das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und haben den Vorteil eines minimierten Leitungsverlustes, der bei zentraler Fernwärme bei etwa 10 bis 15 Prozent liegt.

Es soll gegenwärtig ca. 400 BHKW in Berlin geben, fast alle Heiztechnikhersteller bieten sie inzwischen an.
Mini-Blockheizkraftwerke sind etwa kühlschrankgroß und erzeugen Energie und Wärme mittels einem Sterlingmotor, der mit Gas arbeitet.

Wie sieht hier die Kosten-und Energiebilanz aus?.

Diese Frage ist umstritten hängt sie doch von der Größe der Anlage ab. Für wärmere Tage sind sie meist überdimensioniert, für tiefere Temperaturen müssen „Wärmespitzen“ vorgehalten werden, was die Gesamtbilanz verschlechtert. Eine endgültige Bewertung steht noch aus, zumal KWK-Anlagen generell subventioniert werden.

Das betrifft aber auch die GuD, also die “großen” Gas-und Dampf-Kombikraftwerke! Zahlen wir subventionierten Strom und subventionieren wir Fernwärme als Steuerzahler oder Abnehmer?

Wer zahlt die Zeche, wer macht Gewinn?

Fragen über Fragen!

H.D

Fernwärme in Berlin

Kleiner Abriss

Bei der Stromerzeugung fällt Wärme an, deshalb kamen schon vor 100 Jahren die Hamburger Elektrizitätswerke auf die Idee, den so erzeugten Dampf in das unweit gelegene Hamburger Rathaus zu transportieren. Auch in Berlin gab es erste Aktivitäten, so leitete anfangs des 20.Jahrhunderts das Kraftwerk Charlottenburg Dampf in das Heizungssystem des Charlottenburger Rathauses ein.

Triebfeder war damals weniger der ökologische Gedanke, der Umweltschutz oder der Effektivitätsaspekt, sondern die schlichte Tatsache, dass die vielen Kohleöfen eine ständige Brandgefahr bedeuteten und der besonders im Winter penetrante Schwefelgeruch, den viele vielleicht noch noch aus der DDR-Zeit kennen, aus der Stadt heraus gelagert werden konnte.

In Berlin sind nach Angaben von Vattenfall derzeit 50 Prozent des ehemaligen Ostteils und 16 Prozent des alten Westberlins mit Fernwärme versorgt. Der Grund für diesen Unterschied liegt darin, dass die DDR einen Mangel an Gas und Öl aber reichlich Braunkohle hatte und diese in ihren Kraftwerken zur Stromgewinnung nutzte. Besonders die in den 70-er und 80-er Jahren im Ostteil erbauten Stadtbezirke Marzahn und Hellersdorf, später auch innerstädtische Bereiche wie der Thälmann-Park, wurden an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Berlin besitzt derzeit das größte Fernwärmenetz Europas. Es umfasst ca.1. 500 Km Rohrleitung und versorgt etwa 600. 000 Wohnungen. Jedes Jahr kommen ungefähr 20. 000 dazu.

Das Gleimviertel soll, von der Stargarder Straße ausgehend, ab 2012 an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Dazu wird die Schönhauser Allee untertunnelt.

In diesem Jahr sind die Gleimstrasse, die Rhinower Straße und die Kopenhagener Straße betroffen. Weitere Bauabschnitte sind geplant werden aber (noch) nicht bekannt gegeben. Offensichtlich geht Vattenfall so vor, dass erst potentielle Abnehmer/Eigentümer angefragt werden und danach eine Abstimmung der Planungen erfolgt.
Insgesamt sollen wohl 17 Mio Euro „verbuddelt“ werden. Die Frage ist wer das bezahlt. Am Ende wohl die Mieter über entsprechende Preise?

Nach Aussagen des Tiefbauamtes, die der Bürgerverein auf Anfrage erhalten hat, ist es nicht die Aufgabe des Amtes derartige Arbeiten zu koordinieren. Das wird spätestens dann zu Problemen führen, wenn auch die Wasserbetriebe mit umfangreichen Sanierungs- und Verlegungsarbeiten beginnen.

Eine Anfrage seitens des Bürgervereins Gleimviertel e.V. liegt den BWB vor, wurde aber noch nicht beantwortet.

Im Bezirksamt/Tiefbauamt weiß man auch nichts, oder wenig!

HD

Podiumsdiskussion zur Wahl gut besucht!

7 Kandidaten stellten sich vor

Unter dem Motto “Machen Sie sich Ihr Bild“, nutzten ca. 75-80 Anwohner des Gleimkiezes die Gelegenheit, 3 Tage vor der Wahl des Abgeordnetenhauses, Ihre Direktkandidaten des Wahlkreises 6 kennenzulernen.

In der Mitte des Podiums haben sich Andreas Otto/Grüne und Roland Schröder/SPD platziert. Der Kandidat der LINKEN, Florian Schöttle, saß rechts – aber nur vom Publikum aus gesehen.Aus seiner Sicht stimmte die Richtung. Links neben Ihm Christoph Dietrich/FDP.
Eher ungewöhnlich die linke Seite mit Philipp Magalski/Piraten(Phil Anthrop), Stephan Lenz/CDU, und Andrea Hüttinger von den Unabhängigen.

Moderiert hat die Veranstaltung Simone Krauskopf, 1.Vorsitzende des Vorstands des Bürgervereins Gleimviertel.

Die erste Runde galt der Vorstellung der Kandidaten, Ihrer Vita und programmatischer Kernaussagen.
Davon machten Schöttle, Schröder und Otto umfangreich Gebrauch.
Dankbar aufgenommen wurde deshalb vom Publikum, dass sich die übrigen Kandidaten hier etwas zurückhielten.

1.Schwerpunkt, der von S.Krauskopf anmoderierten Themen, war das Kapitel „Bauen, Wohnen, Mieten, Gentrifizierung, Kiezentwicklung“.

Hier punkteten Schöttle, Schröder und Otto durch Fakten- und Detailkenntnisse; erprobtes Sachwissen aus zahllosen Ausschusssitzungen, denen sie beiwohnten oder vorsaßen.

Die Themen, die diskutiert und angesprochen wurden waren:
-Zweckentfremdung stoppen (Umwandlung von Wohnungen in Hostels und Ferienwohnungen)
-Mietpreisbindung bei Neuvermietung, Verhinderung von Mietwucher
-Kosten der ökologischen Sanierung
-Mietpreiserhöhungen der landeseigenen WBG

Hier lagen sich Schöttle und Schröder sehr nahe und berichteten über einige positive Beispiele der Bezirkspolitik.
Dietrich wollte keine Reglementierung und setzte auf mehr Angebot durch Neubau oder Sanierung – und auf den Markt.
Lenz wollte keine Luftschlösser bauen, sah als Jurist die Möglichkeiten begrenzt und wies auf die viel schärfere Problematik in anderen europäischen Hauptstädten hin.

Dem schloss sich Hüttinger an, die ebenfalls auf die eingeschränkten Möglichkeiten der Politik angesichts der einschlägigen Rechtsprechung verwies und ein Beispiel für Zweckentfremdung aus dem von Ihr bewohnten Wohnhaus brachte.

Auch Magalski hatte keine Generallösung parat, wollte aber mehr Wohngeld für die von Mieterhöhung betroffenen Mieter.

Foto: H.D.Kontrovers diskutierte dagegen Otto, der der bisherigen Koalition zwischen SPD/LINKE vorwarf, die letzten 10 Jahre verschlafen zu haben, um jetzt umsetzen zu wollen, was sie schon längst hätten tun können.Entsprechende Vorschläge der Grünen seien mit Hinweis auf den entspannten Wohnungsmarkt „abgebürstet“ oder nicht zur Kenntnis genommen worden.Dies beziehe sich vor allem auf die Mietspiegelbindung bei Neuvermietung.

In der sich anschließenden Fragerunde galt die erste Frage nicht der Wohnungsproblematik, sondern dem Rundbrief von Schröder an die Bewohner des Gleimkiezes.Die Fragestellerin verbat sich diese Art von Werbung und monierte die Klage von Schröder, dass Otto ja schon einen sicheren Listenplatz hätte.
Otto fand das auch befremdlich, während Schröder sein Recht auf freie
Meinungsäußerung-und Verteilung verteidigte.

2.Schwerpunkt „Mauerpark“

Schon in der Sache angelegt, gab es hier die meisten Emotionen im Publikum.
Vorab herrschte unter den Kandidaten aber kein tiefgreifender Dissens.

Fotos: H.D.

Magalski sprach von einer „bedingungslosen Fertigstellung“, Lenz lehnte ebenfalls eine Bebauung ab, dem stimmten Hüttinger und Schöttle zu.
Kritik erntete Schröder, der am Gothe Vorschlag der nördlichen Randbebauung und an der Bürgerwerkstatt festhielt.
Otto wollte so wenig Bebauung wie möglich, räumte dann aber auf hartnäckiger Frage hin, eine maximale Bebauungsfläche von 2 Hektar ein.
Die meisten Kandidaten waren sich einig, dass alle Akteure des Mauerparks an einem Strang ziehen müssen, und ideologische Kontroversen zu vermeiden seien.
Natürlich sei die Finanzierung das alles entscheidende Problem.
Schröder wollte die Einstellung der Gelder in einem Koalitionsvertrag und eine Refinanzierung durch die Bebauung im Norden.
Otto und Lenz waren für eine Unterstützung der Stiftung „Weltbürgerpark“ und setzten ihre Hoffnung auf entsprechende Spendenbereitschaft.
Otto verwies darauf, dass schon im letzten Koalitionsvertrag die Fertigstellung beschlossen wurde, ohne dass etwas passiert sei.

In der anschließenden Diskussion wurde Schröder scharf angegriffen und der Unehrlichkeit bezichtigt, wogegen er sich mit Argumenten verwahrte.

3.Schwerpunkt „Schulpolitik, Lehrermangel, Inklusion“

Zum letzten Tagesordnungspunkt war das Publikum weniger zahlreich, wenn auch weiter engagiert.
Schröder und Schöttle verteidigten das Konzept der Gemeinschaftsschulen, dass sich bewährt habe und ausgebaut werden solle.
Dietrich war dagegen und forderte, entgegen einschlägiger Pisastudien, ein differenziertes Bildungssystem und die Förderung individueller Begabungen.
Otto und Lenz und auch Hüttinger wollten eher keine neuen Bildungsexperimente und die Konsolidierung des Bestehenden.
Die Piraten bejahten die Gemeinschaftsschule, die individuelle Selbstbestimmung und Freiheit.
Ein Thema, was bisher wenige auf dem „Schirm“ hatten, war die Umsetzung von EU-Richtlinien zur „Inklusion“.Gemeint ist damit die Eingliederung von bisherigen Förderschulen in die bestehende Schullandschaft.
Es wird befürchtet, dass dieses Thema einigen Sprengstoff in sich birgt.

Foto: H.D.Insgesamt ist dem Veranstalter, Bürgerverein Gleimviertel, eine interessante Podiumsdiskussion gelungen, die durch S.Krauskopf eloquent und humorvoll moderiert wurde.
Das zeigte sich an der regen Teilnahme der Anwohner, der engagierten Diskussion, der Zufriedenheit der Kandidaten, die meinten; Ihr Anliegen an die Bürger gebracht zu haben, und in den sich anschließendes persönlichen Gesprächen zwischen den Parteienvertretern und Bürgern.
Es war ca. 22 Uhr 30 als die Letzten den Kieztreff des Bürgervereins verließen.

HD 17.09.2011