Schulunterricht in Pankow

Vom REH, der mobilen Raumerweiterung in der DDR zum MUR, den flexiblen Unterrichtsräumen für Schüler in Pankow. Der Fortschritt ist nach 40 Jahren greifbar, nur viel teurer. Weil in Pankow für tausende von Grundschülern in den nächsten Jahren Schul- und Kitaplätze fehlen werden, plant Pankow, ab dem nächsten Schuljahr Schulcontainer aufzustellen, um der Not abzuhelfen.

Natürlich sind das keine Container, weil der Begriff negativ besetzt ist. Im landläufigen Sinne verbindet man damit standardisierte, universell nutzbare Aufbewahrungsbehältnisse für Sachen und Güter. Allerdings gibt es noch viel schlimmere Bezeichnungen für Container.

Damit haben die Schulcontainer natürlich nichst zu tun und der Standard soll sehr hoch sein. Deshalb werden sie zukünftig wahrscheinlich als Schulboxen oder Schulen oder als Schulnebentrakte bezeichnet werden.

was ist geplant?

Sieben dieser MUR’s sind für den Doppelhaushalt 2014/15 geplant. Laut Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) gibt es darüber gerade Verhandlungen mit dem Senat, der dass bezahlen soll. Der Stadträtin war es wichtig zu erklären, dass es sich um vollwertige Unterrichtsräume handeln werde.

Dem gegenüber fragt man sich, warum in anderen Bundesländern dies immer als Zwischenlösungen betrachtet wurde und man froh war, die Module wieder los zu werden.

Offensichtlich hat man sich auf einen Typ und die Lieferfirma festgelegt, weil von 1,8 Mio. Euro pro Schulbox  mit 12 Lerneinheiten, sprich Klassenzimmern die Rede ist.

Standortsuche

Auf der Suche nach geeigneten Standorten ist man noch. Sie werden auf Grund der beengten Flächenverhältnisse im Prenzlauer Berg wohl eher im Norden liegen. Auf der anderen Seite sollen sie in der Nähe der Wohnungen der zukünftigen Schüler sein. Ein schwieriges Unterfangen.

Der Schulhof der Schule am Falkplatz bietet sich eher nicht an, es sei denn man würde Teile des Sportplatzes abreißen. Wird der nördliche Teil des Mauerparks bebaut, erhöht sich der Druck weiter, wenn dort kein Schulneubau geplant ist.

warum wird jetzt erst reagiert?

War die Bevölkerungsentwicklung in Pankow vorausschaubar? Eigentlich schon. Die Wachstumsraten (16%) waren bekannt. Der Zuzug junger Familien sowieso. Auch hat die zuständige Stadträtin rechtzeitig darauf hingewiesen.

Was folgt sind politische und haushaltspolitische Spielchen zwischen den Parteien und zwischen Pankow und dem Senat. In jeder politischen Erklärung vor den Wahlen betonen ja alle Parteien unisono, dass die Bildung das höchste Gut und der entscheidende Standortfaktor für Deutschland  ist.

Passen da Containerschulen, egal mit welcher Ausstattung und mit welcher beschönigenden Bezeichnung auch immer ins Bild? Das reiche Deutschland auf dem Niveau eines 3.Welt-Landes? Sonntagsreden und Montagsrealität, echt peinlich.

Ausblick?

Fehlt nur noch die Aufstellung von Sozialcontainern an den Stadtgrenzen von Pankow, Dort können dann die von Hartz IV Betroffenen leben, natürlich in abgespeckter Version. Da können wir uns unsere polnischen Nachbarn zum Vorbild nehmen. In der Stadt Lodz plant man das alles schon.

Hartmut Dold

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Das große Murren
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