Wie die blau-weiß emaillierten Denkmalplaketten an die Häuser kamen

Auch im Gleimviertel zieren noch einige blau-weiße Denkmalplaketten aus Emaille die Fassaden von Häusern. Sie wurden in der DDR-Zeit ab 1979 zunächst an Objekten der zentralen Denkmalliste angebracht. Später folgten Denkmale auf Bezirks-und Kreisebene.

Federführend war das Institut für Denkmalpflege der DDR. Mit dem Entwurf wurde die Arbeitsstelle Berlin beauftragt. Mit der Produktion und dem Vertrieb der damalige ökonomische Direktor und Oberkonservator Hartmut Dold.

1975 wurde das Denkmalpflegegesetz der DDR verabschiedet. An der 3. Durchführungsbestimmung, der Definition des denkmalpflegerischen Mehraufwands war der Verfasser beteiligt. Ziel war, den Erhalt von Denkmalen, wegen der fehlenden baulichen Ressourcen, auf eine breitere Basis zu stellen, um auch außerhalb staatlicher Förderung durch den zentralen Denkmalpflegefonds von ca. 30 Millionen jährlich, denkmalpflegerische Maßnahmen zu fördern.

In diesem Zusammenhang wurde festgelegt, dass die in den Denkmallisten erfassten Denkmäler, durch eine einheitliche Plakette gekennzeichnet werden sollen. Mit der Anbringung wurde ab 1979 begonnen.
Der Entwurf der Plakette richtete sich an den ICOMOS Kriterien aus.

Mit der Produktion wurde das Schilderwerk in Beutha Sachsen/Erzgebirge beauftragt. Die erste Produktionsrate betrug 30.000 Stück. Die hohe Qualität der Emaillierung kann auch nach über 30 Jahren bewundert werden.

Heute kann jeder ein fast identisches Schild bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bestellen. Es ist etwas kleiner und nicht mehr emailliert sondern einbrennlackiert und kostet 10 Euro plus Versand. Besondere Maßstäbe werden nicht erhoben. Fortschritt oder Rückschritt?

Noch viel schlimmer ist, dass Denkmalschutz jetzt Landessache ist, und das Landesdenkmalamt Berlin in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt integriert wurde. Es ist damit nicht mehr unabhängig von der Verwaltung und kann, wie im Falle Eastside-Gallery oder Gleimtunnel nicht mehr eigenständig entscheiden, sondern muss politische Vorgaben berücksichtigen.

Die Abhängigkeit der Fachkompetenz von politischen Entscheidungen hatten wir schon mal. Das war in der DDR, in einem zentralistischen Staat. Hinsichtlich der Denkmalspflege war er besser organisiert. Es fehlten allerdings die materiellen Mittel aus bekannten Gründen.

Die Liste der Kulturdenkmale im Gleimviertel erfaßt Baudenkmale wie den Gleimtunnel, das Humboldt-Umspannwerk, den U-Bahnhof Schönhauser Allee, das Kino Collosseum, das Schulgebäude am Falkplatz sowie die Hinterlandmauer im Mauerpark. An Mietshäusern sind die Nummern 71 bis 78 in der Kopenhagener Straße und die Häuser 134A und 140 in der Schönhauser Allee eingetragen. An der ehemaligen Villa Groterjan, jetzt Villa Rodizio, in der Milastraße 2, ist zwar eine Denkmalplakette zu finden, es gibt aber keinen Eintrag in der Kulturdenkmalliste.

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Das Gleimviertel – Denkmalpflege – Gleimtunnel
Markiert in: