Dichtung und Wahrheit

Frank Möller hat den Kampf um einen unbebauten Mauerpark mit seinem Vergleich zwischen Wolf und Schaf und seiner Replik über gewaltfreie Kommunikation auf eine Metaebene gehoben, die allergrößten Respekt verdient.

Vielleicht sind ihm etwas die Pferde durchgegangen. Das ist aber angesichts der Lage um die unfasslich arroganten Groth-Pläne zur Bebauung des Nordfeldes des Mauerparks nachvollziebar. Grundsätzlich hat er Recht.

Nur historisch und textkritisch  muss etwas nachgebessert werden. Zwischen der Äsopschen Fabel und der Fassung von La Fontaine, gibt es zur Lessingschen Interpretation einen Paradigmenwechsel.

Bei Äsoph und La Fontaine befand sich das Lamm in der totalen Opferrolle. Die Argumente waren auf seiner Seite. Aber es herrscht das Recht des Stärkeren. Egal was es in unterwürfigem Ton vorbrachte – sein Ende war vorbestimmt. Es wurde gefressen.

Dem  gegenüber betont Lessing in seiner Parabel, und unter dem Licht der Aufklärung, die Unabhängigkeit beider durch einen Fluß getrennter Bereiche.

Der Zugriff des Wolfes kann nicht sofort erfolgen. Das Lamm wähnt sich auf Augenhöhe und verhöhnt den Wolf. Der Wolf bewahrt Fassung und knirrscht mit den Zähnen, weiß er doch, irgendwann kriegt er das Lamm. Wenn nicht heute, dann später. Er ist sich seiner Stärke sicher.

Aber seit der Aufklärung sind etliche Jahrhunderte ins Land gegangen.

Offiziell leben wir jetzt in einer parlamentarischen Demokratie und in einem Sozialstaat. Es gilt die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative. Aber darüber hinaus gibt es auch zunehmend bürgerschaftliches Engagement in Bürgervereinen und Initiativen außerhalb und unabhängig von der repräsentativen Politik.

Da kann wenigstens das Lamm überleben, wenn es dem Wolf gelingt den Fluß zu überqueren. Er hat seine Spitzel schon ausgesandt.

Ob es dann im metaphorischen Sinne gefressen wird, oder ihm kärgere Weiden zugewiesen werden, bleibt abzuwarten. Im Augenblick blökt es noch lautstark und vernehmbar.

Wenn die Herde wächst, kann sie besser gehört werden, eventuell auch vom Hirten und seinem Hund. Dann kann sich der Wolf nur den verfilzten Pelz waschen!

Hartmut Dold

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Der Mauerpark zwischen Fabel und Wirklichkeit
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