Grillen: Falkplatz nein, Mauerpark ja.

Anwohnerversammlung findet eine problematische Lösung

Im gesamten Berliner Norden gibt es genau einen öffentlichen Grillplatz – am Falkplatz und im Mauerpark im Gleimviertel. Kein Wunder, dass sich zu viele Grillfreunde auf zu kleinem Raum drängeln und an schönen Sonnentagen andere Nutzungen nahezu unmöglich machen.

Grafik Grillplatz am FalkplatzDie Lösung dieses Problems könnte also einfacher nicht sein: Mehr Grillplätze. Deren Einrichtung wurde auf der Anwohnerversammlung „Grillen am Falkplatz“ am 10. Juni 2009 folgerichtig mehrfach vorgeschlagen. Trotzdem blieb die Sache ein Randthema. Denn der nahe liegende Humboldthain befindet sich im Bezirk Mitte und für weitere Grillstellen in Pankow wollte sich der anwesende Bürgermeister Matthias Köhne nicht ausdrücklich verwenden. Man konzentrierte sich auf den Falkplatz. Und das erwies sich als schwierig.

Beten für den Regen

Denn das „Kapazitätsproblem“ wird fürs Erste sogar verschärft. Bürgermeister Köhne kam gemeinsam mit drei Vertretern verschiedener Bezirksämter ins Gleimviertel, um ein Meinungsbild zu erhalten. Über 70 Anwohner folgten der Einladung in den Kieztreff Gleimviertel. Eine unverbindliche Abstimmung ergab: Das Grillen am Falkplatz kann nicht weiter erlaubt werden, im Mauerpark dagegen schon.

Für die direkten Anwohner am Falkplatz ist die Belastung durch die Grillaktivität ganz offensichtlich zu hoch geworden. Sie beklagen dauerhafte Nachteile durch Rauch und Lärm sowie Nutzungseinschränkungen „ihres“ Falkplatzes. Frühstück auf dem Balkon? Undenkbar. Einfach mal ein Buch im Gras lesen? Unzumutbar. Mit den Kindern auf der Wiese spielen? „Gesundheitlich bedenklich.“ „Fünf Monate täglich 24 Stunden“ heiße es leiden, aus Grillfeuern entstünden Müllverbrennungsplätze, man „bete jeden Tag für Regen“, so die Betroffenen.

Anwohnerversammlung Grillen, Bild 2Wem gehört die Wiese?

Unwidersprochen blieb dies nicht. Der Falkplatz gehöre nicht bloß den unmittelbaren Nachbarn, sondern allen Einwohnern drumherum. Das Grillen wie auch andere Freizeitnutzungen machten die Gegend lebendig und gerade darum attraktiv, wandten einige ein und ernteten dafür recht wenig Verständnis bei den überwiegend platznah wohnenden Versammlungsbesuchern. „Unser“ Park, meinten letztere, dürfe nicht zum „Freizeitpark werden“.

Nun ist aber der „Eventpark“ Falkplatz und Umgebung eine Realität, stellte Bürgermeister Köhne fest. Hier lediglich mit Verboten zu hantieren, sei nicht klug. Anwohnerversammlung Grillen, Bild 1Darauf ließ sich eine Mehrheit der Anwesenden ein und überlegte, wie das Grillen zukünftig trotz Verbot am Falkplatz möglich sein könnte. Die Ideen reichten von der Ausweisung fester Grillplätze oder – zeiten über die Grillgenehmigungspflicht mit oder ohne Gebühr bis zu Aufklärungsaktionen und Barrierebauten, die Autos von den Grünflächen fernhalten könnten.

Weitere Anwohnerversammlung vorgesehen

Man kam wie erwähnt leidlich überein, das Grillen auf den Mauerpark zu beschränken. Jedoch mit fragwürdiger Begründung. Die schönen Wiesen und Bäume am Falkplatz müssten geschützt werden, während in der „Mondlandschaft Mauerpark“ ohnehin nichts mehr zu retten sei. Nur ein Teilnehmer und zugleich Mitglied im Freundeskreis Mauerpark dachte zudem daran, dass auch im Wedding Leute leben, die natürlich dann – wenngleich mit etwas größerer Distanz – stärker als zuvor betroffen wären.

Zur nächsten Anwohnerversammlung über das Grillen am Falkplatz, die Details der Neuregelung zum Gegenstand haben wird, werden die Weddinger immerhin explizit mit eingeladen. Wie auch immer diese Regelung ausfällt, der Mangel an öffentlichen Grillflächen wird dadurch nicht behoben. Die noch stärkere Übernutzung des Mauerparks kann auf Dauer keine ausreichende Lösung sein.

Mario Rieger, 16.06.09

Grafik: Derzeitige Grillzone am Falkplatz. Das Spielplatzgelände bleibt grillfrei.
Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Fotos: mr

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Anwohnerversammlung „Grillen am Falkplatz“ am 10.06.09

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