Aktionsbündnis „Pro Parkraumbewirtschaftung“ gegründet

Studie empfiehlt Parkraumbewirtschaftung in Teilen Prenzlauer Bergs

Die 64-seitige Studie „Parkraumbewirtschaftung prüfen, Machbarkeitsstudie Parkraumbewirtschaftung Prenzlauer Berg“, die vom Bezirksamt beauftragt und Ende 2008 vom Verkehrsplanungsbüro LK Argus vorgelegt wurde, empfiehlt die Einführung von Parkzonen in Teilen des Prenzlauer Bergs. Betroffen sind die Sanierungsgebiete Kollwitzplatz, Teutoburger Platz und Helmholtzplatz. Dort herrscht ein erheblicher Parkdruck, die Stellplatzauslastung beträgt bis zu 123% und die Konkurrenz zwischen verschiedenen Nutzergruppen (Bewohner, Besucher, Angestellte) ist nachweisbar. Parkdruck und Nutzergruppenkonkurrenz sind verkehrsrechtliche Bedingungen, um Parkraumbewirtschaftung einzuführen.

Parksituation Lychener StraßeErgebnisse der Studie

Im Gebiet Helmholtzplatz, zu dem auch die Bremer Höhe zählt, leben mehr als 20000 Menschen, davon haben 27,2% ein Kfz, insgesamt sind 5618 Kfz zugelassen. 3156 Stellplätze sind im öffentlichen Straßenland aber nur vorhanden, die genaue Zahl der privaten Stellplätze ist nicht quantifizierbar. Zu den Bewohnern kommen noch Besucher und Angestellte, die im Gebiet um den Helmholtzplatz parken. Jedes 4. parkende Kfz gehört einem Beschäftigten. Kurz parkende Besucher und Kunden machen tagsüber ca. 12% und am Abend 7% aller Fahrzeuge aus. Interessant ist auch, dass die Stellplatzauslastung in Parkhäusern an Veranstaltungstagen (Kulturbrauerei und Max-Schmeling-Halle) bei nur 82% und an normalen Werktagen bei nur 56% liegt. Offenbar ist die Bereitschaft, einen Stellplatz zu kaufen, geringer, als die Inkaufnahme von illegalem Parken auf Gehwegen und in Parkverbotszonen auf Kosten Aller.

Alternative Parkhaus?

Warum nicht Parkhäuser? Das könnte sich so manch eine/r in Anbetracht der angespannten Situation fragen. Doch mit dieser Frage gehen weitere entscheidende einher: 1. Wo sollen diese Parkhäuser stehen? 2. Sind die Bewohner auch bereit, bis zu 100 € monatlich für einen Stellplatz im Parkhaus zu bezahlen? 3. Wer soll ein Parkhaus bauen? 4. Sind Zu- und Abfluss des Verkehrs an der Parkhauseinfahrt gewährleistet, ohne den Verkehrsfluss an der anliegenden Straße zu behindern? 5. Ist das Festhalten an einer „autogerechten Stadt“ überhaupt noch sinnvoll oder sollten innerstädtisch nicht doch lieber das Fahrrad und der ÖPNV gefördert werden? In einer Umfrage des Instituts für Urbanistik stellte sich heraus, dass Wege über 300 m vom Parkhaus zur Wohnung inakzeptabel für die Befragten sind und die Schmerzgrenze der monatlichen Stellplatzgebühr bei 50 € liegt. Doch mit 50 Euro monatlich ist kein Parkhaus zu bauen und wirtschaftlich zu betreiben. Die schlechte Auslastung der privaten Stellplätze im Untersuchungsgebiet bestätigt dieses Umfrageergebnis.

20,40 € für zwei Jahre

Parkraumbewirtschaftung habe den Effekt, so die Autoren der Studie, dass Stellplätze bevorzugt für Bewohner zur Verfügung stünden, während gebietsfremde Parker für eine Stunde 1 € zu zahlen hätten. Bewohner zahlen 20,40 € für eine Parkvignette, die zwei Jahre Gültigkeit hat, also 0,85 € monatlich. Gäste von Bewohnern zahlen für eine Woche 13 €, das sind täglich 0,54 €. Überwachung, Parkscheinautomaten, Informationskampagnen und Verkehrsbeschilderung verschlingen den Großteil der 2,7 Mio € Einnahmen. Die jährlichen Nettoeinnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung würden laut Studie bei etwa 250 Tausend Euro liegen. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu betrachten, da eine Wirtschaftlichkeitsberechnung noch aussteht. Das Bezirksamt strebt eine „schwarze Null“ an, denn Parkraumbewirtschaftung in Prenzlauer Berg soll einzig und allein eine den ruhenden Verkehr steuernde Methode sein und nicht – wie gern behauptet wird – „reine Abzocke“.

Effekte von Parkzonen

In der Studie wird prognostiziert, dass die Parkraumauslastung bei Bewirtschaftung auf 85 bis 90% sinken würde. Große Wunder kann man also nicht erwarten. Aber mit dem illegalen Parken auf Gehwegen, an Kreuzungen und in Einfahrten könnte es vorbei sein.

Die AG Verkehr Bremer Höhe initiierte das Aktionsbündnis „Pro Parkraumbewirtschaftung in Prenzlauer Berg“ (APP), zu dem Firmen, Vereine, Bürgerinitiativen und Anwohnervertretungen gehören. Dabei sind Carsharing-Unternehmen, BUND und VCD, die Bürgerinitiativen „CARambolagen“ und „Mehr Sicherheit für Kinder am Teutoburger Platz“, die Betroffenenvertretungen Winsstraße und Helmholtzplatz und der Förderverein Helmholtzplatz. Auf einer fachpolitischen Veranstaltung zum Thema am 5. März überreichte das APP der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und dem Stadtrat für Öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner, eine Petition, in der Parkraumbewirtschaftung in den hoch verdichteten Teilgebieten des Prenzlauer Bergs gefordert wird, um eine Entspannung des ruhenden Verkehrs zugunsten aller Verkehrsteilnehmer zu erreichen.

Tino Kotte, März 2009

Aktionsbündnis „Pro Parkraumbewirtschaftung Prenzlauer Berg

Der Beitrag erschien erstmals im „Mitteilungsblatt der Bremer Wohnungsgenossenschaft Bremer Höhe e.G.“, März 2009, und wurde geringfügig verändert.

Kontakt:

APP – Aktionsbündnis Pro Parkraumbewirtschaftung in Prenzlauer Berg

Dr. Oliver Schwedes, Tino Kotte

c/o Verkehr Bremer Höhe, Schönhauser Allee 59b, 10437 Berlin

Tel: 030 – 67 30 05 88 / 0177 – 62 67 950

E-mail: email hidden; JavaScript is required

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