Ende des Orakelns

Gesamtgutachten zu den Traubenkirschen im Baumgremium Pankow vorgestellt

Einmal mehr hat sich gezeigt: Der Einsatz der Pankower Bürgerinitiativen für die Traubenkirschen ist ein Erfolg. Denn nicht weniger als 60% des Bestands konnte vor der sofortigen Fällung bewahrt werden.

Das ist das Ergebnis des Gesamtgutachtens zu den Traubenkirschen, dass den Bürgervertretern auf der Sitzung des Pankower Baumgremiums am 28. Februar 2009 vorgestellt wurde. Die Sachverständigen Roland Dengler und Frank RinnFällung 06.11.07, Abtransport haben insgesamt 982 Traubenkirschen untersucht. Die ersten 161 Bestandsexemplare waren im April 2008 aufgrund des öffentlichen Widerstands gegen die seinerzeit geplanten Serienfällungen Gegenstand eines ersten, gemeinsamen Gutachtens, für die Begutachtung der anderen hatte das Amt für Umwelt und Natur (AUN) Pankow Dengler allein beauftragt. Letztlich wurden zwar 301 Traubenkirschen als akute Gefahrenbäume eingestuft und gefällt. Jedoch erwiesen sich 544 Kirschbäume als nicht oder nur gering beeinträchtigt. Weitere 137 Bäume konnten nach einer Kronenbeschneidung fürs erste stehen bleiben.

Neue Zweifel an Gutachten

Die Zeit des Orakelns über den wahren Zustand der Fällkandidaten ist also vorbei. Allerdings: Es gibt auch neue Fragen. So stellte sich heraus, dass 13% der nach 1991 gepflanzten Traubenkirschen ebenfalls Gefahrenpotenzial entwickelten, darunter sogar solche mit dem Pflanzjahr 2003. Dadurch wird ein Kernelement der Ursachenanalyse für das Standversagen dieser Baumart aus dem ersten Gutachten erheblich relativiert. Dort ist festgehalten, dass Fehler bei Aufzucht, Bereitstellung und Anpflanzung zu DDR-Zeiten die Grundlagen für die späteren Wurzelschädigungen gelegt hätten.

Eines scheint immerhin klar zu sein: Besonders wohl fühlen sich die Traubenkirschen in der Stadt nicht. Sie bleiben weiter unter besonderer Beobachtung.

Pflanzung 11.10.08. GruppeSchwerpunkt der Arbeit im Pankower Baumgremium sind die Traubenkirschen nicht mehr. Vielmehr geht es darum, wie die Baumverluste trotz unzureichender Finanzmittel wieder auszugleichen wären. Das AUN hat im vergangenen Jahr in Prenzlauer Berg insgesamt nur 77 Bäume pflanzen können und für 32 weitere entsprechende Aufträge vergeben. Um diese Anzahl überhaupt zu erreichen, musste, ergänzend zum Etatansatz, Geld für die Sanierungsgebiete mobilisiert werden. Gleiches soll im laufenden Jahr geschehen. Verbindliche Zusagen gibt es indes nicht. Wenn alles klappt, dann kann das AUN in 2009 nach vorläufiger Schätzung 126 Bäume pflanzen.

Umweltamt verspricht Zusammenarbeit

Das Umweltamt versichert, künftig bei den Pflanzungen auf Initiative der Bürger kooperieren zu wollen. Den Kauf der Bäume möchte es selbst durchführen und finanzieren, die Anwohner würden dann pflanzen. Erstes Vorhaben ist eine Frühjahrspflanzung am 25. und 26. April 2009 in der Lychener und Hiddenseer Straße. Für die Herbstpflanzungen ist ein Betrag von 5000 € vorgesehen.

Das Projekt könnte gelingen, denn das einstmals als „Arbeitskreis Traubenkirsche“ gegründete Baumgremium Pankow hat sich seit einiger Zeit durchaus bewährt. So haben Umweltamt und Bürgerinitiativen gemeinsam überlegt, wo neue Pflanzungen besonders dringend sind. Die Umsetzung der daraus resultierenden Planungen hat inzwischen begonnen. Selbstverständlich sollte es nun werden, Bürgern, wenn sie eigenes Geld, Engagement und Know-How fürs Stadtgrün einzusetzen bereit sind, bei diesen Gelegenheiten in der Regel freie Hand zu lassen.

Mario Rieger, 05.04.2009

_____

Please follow and like us:
Baumgremium Pankow am 18.02.2009

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.