Weder umweltfreundlich noch billig noch sicher
Atomkraft–Vortrag von Ulrich Uffrecht im Kieztreff Gleimviertel
Der Vortrag von Herrn Ulrich Uffrecht, dem ich auch den Titel geben würde „Was ich alles über Atomstrom nicht wusste“, hat mich tief beeindruckt. Ich dachte, ich hätte mich lange genug mit diesem Thema beschäftigt, um eine entschiedene Atomkraftgegnerin zu sein. Aber nach diesem Vortrag wurde mir klar, dass ich eigentlich gar nichts wusste.
Wie kommt es, dass Materie radioaktiv strahlen kann? In diesem Leben hätte ich das wohl nicht mehr kapiert, wenn ich nicht an jenem Dienstag, dem 1. Juli, im Kieztreff Gleimviertel in Herrn Uffrechts Vortrag gesessen hätte, wo mir ganz unerwartet ein Crashkurs in Sachen Radiochemie erteilt wurde. Und noch viele andere Bereiche rund um den Betrieb von Atomkraftwerken hat er gründlich neu belichtet.
Zehn Kilometer Katastrophenschutz
Dieser Mann hat sich wie kein anderer der Verantwortung als Leiter einer großen Schule in der Nachbarschaft eines AKWs gestellt. In Sorge um die Sicherheit seiner Leute hat er immer wieder zäh bei den Behörden nachgefragt, was denn im Störfall zu tun sei. Bis heute blieben sie ihm Antworten schuldig.
Da kann man schon zum Zyniker werden. Aber Herr Uffrecht ist nicht zynisch. Er bleibt als Hanseat ganz und gar sachlich. Nur wenn er Textpassagen aus offiziellen Atomstrom-Broschüren der Bundesregierung zitiert, die sich wie wahre Horrorszenarien anhören, spürt man etwas von seiner Wut. Da geht es dann z. B. um die Katastrophenschutzplanung, die für sich genommen schon ein „Witz“ ist, und sich außerdem lediglich auf einen Umkreis von 10 km beschränkt, während man weiß, dass der Unfall von Tschernobyl sich noch in mehr als 1000 km Entfernung ausgewirkt hat.
Mit journalistischem Eifer hat Ulrich Uffrecht jahrelang recherchiert und die wichtigsten Fakten in einem Lichtbildvortrag zusammengestellt, der pädagogisch hervorragend aufgebaut ist und ständig aktualisiert wird. Schon vor Jahrzehnten hat er damit ein großes Publikum erreicht.
Falsche Alternative
Wir, seine Zuhörer, kommen am Ende zu der bitteren Erkenntnis: Atomstrom ist weder umweltfreundlich noch billig noch sicher. Auch sind wir keinesfalls bei Unfällen geschützt. Dass Herr Uffrecht, wie er sagt, sich zuweilen den Vorwurf einer ideologischen Herangehensweise an das Thema Atomstrom gefallen lassen muss, berührt einen nur noch peinlich. Schade, dass wir nur eine Handvoll Zuhörer waren. Aber die Zeiten ändern sich. Das Thema kommt jetzt wieder auf den Tisch.
Voller Hochachtung und Dankbarkeit ging ich aus dem Vortrag des aufrechten Bürgers Ulrich Uffrecht. Er hätte auch in der Urania auftreten können; dann hätte ich ihn vielleicht verpasst. So aber war er in unserem Kieztreff. Ein Teil meiner Dankbarkeit gilt deshalb auch unserer Heike Maaz, die diese Veranstaltung organisiert hat.
Jutta Stern, Juli 2008
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Ich habe Herrn Uffrecht vor längerer Zeit in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) gehört und bin alles andere als begeistert von ihm. Sein größtes Problem ist, dass er seine Informationen generell aus sekundären Quellen bezieht, da er selbst offenbar nicht auf dem Gebiet der Kerntechnik und des Strahlenschutzes tätig war. Das ist die gewohnte und logische Art, die Lehrer nun mal in ihrem Beruf praktizieren. Die Gefahr dabei ist, dass man die Info-Quellen beliebig auswählen kann und damit die Objektivität verloren geht. Bei Herrn Uffrecht ist es ganz eindeutig so, dass er alles, was negativ und gefährlich zu Kernenergie klingt, auswählt und die pro-Seite völlig ausblendet. Das ist erst mal nicht verwerflich, dann sollte man sich aber nicht den Anschein von Neutralität geben. Bei dem Vortrag in Haldensleben habe ich ihn auf andere, meist gegensätzliche Informationsquellen hingewiesen, was bei ihm mehrfach zu einem “Aha!” geführt hat, d.h. er kannte die Quellen nicht und hatte sich offenbar gar nicht bemüht, sich um andere wissenschaftliche Quellen zu bemühen, die seiner vorgefassten Meinung nicht entsprechen. Mein Fazit: Wenn man eine eindeutig ablehnende Haltung zur Kernenergie hat und einen Referenten sucht, der einen in dieser Meinung bestärkt, dann ist Herr Uffrecht ideal geeignet. Will man sich jedoch objektiv über dieses sehr komplexe und umstrittene Thema informieren, sollte man möglichst die Finger von Herrn Uffrecht lassen.
Dipl.-Phys. Hartmut Schulze, Beendorf