Verantwortung für die Erde

Falkplatz: Denksteine gegen Atomstrom

Verstehen Sie Frühelamitisch? Nein? Kein Grund zur Sorge. Niemand kann heute noch lesen, welche Begebenheiten die ersten Elamiter, Vorgänger der Perser, vor 5000 Jahren aufgeschrieben haben. Was aber, wenn in einer Million Jahren niemand mehr unsere Schrift entziffern kann? So lange nämlich brauchen plutoniumhaltige Brennstäbe, bis sie unschädlich sind. Vielleicht weniger, womöglich mehr. Keiner kann sagen, wie lange genau.Ginkgo-Blatt
Argumente wie diese haben Viele davon überzeugt, die Kernenergie abzulehnen. Zum Beispiel Heike Maaz, die hier im Gleimviertel zuhause ist. Sie sieht die Gefahr einer Wiederbelebung dieser Energieerzeugung, seitdem das Klima die Nachrichten beherrscht. Dem drohenden Ausstieg aus dem Ausstieg möchten sie und Ihre FreundInnen von der Initiative „StoppAtom-Baum“ den ganz privaten Ausstieg entgegensetzen. Ein kleiner Schritt nur; dafür einer, den jeder gehen kann.

Stopp dem Atomstrom

Der „StoppAtom-Baum“ steht bereits: Es ist ein Ginkgobaum. Am 29. April 2008 wurde er gepflanzt. Am Falkplatz auf der Ecke, die die Straße gleichen Namens und die Schmeling-Halle bilden, wächst er nun und erinnert an die Gefahren der Atomkraft.
Zu seinen Füßen wurden am 31. August mehrere Denksteine gelegt. Die hell leuchtenden Sandsteine Denkstein meißeln, C. Niemacktragen gemeißelte Unterschriften. Die Unterzeichner verpflichten sich damit öffentlich: „Wir übernehmen Verantwortung für uns und die Erde und kaufen nie wieder Atomstrom.“
Bei uns in Deutschland, so ist zu hören, stehen die sichersten Kernkraftwerke der Welt. Das bedeutet mitnichten, dass sie sicher sind, meint Ulrich Uffrecht aus Buxtehude. Auf Einladung der Initiative gestaltete er am 1. Juli 2008 einen Informationsabend im Kieztreff Gleimviertel. Als Leiter eines Gymnasiums im niedersächsischen Stade, dessen Kernkraftwerk zur Zeit abgerissen wird, stieß er schnell auf Schweigen, Unwissen oder Nicht-Wissen-Wollen bei Behörden und Kraftwerksmanagern. Er wollte nur die Notfallpläne seiner Schule an das Nuklearzeitalter anpassen. Die Pläne wurden irgendwann besser, die Sicherheit nicht gleichermaßen. Uffrecht kam zu dem Schluss, dass die Atomenergie nicht beherrschbar ist. In seinen Vorträgen erklärt er zudem, warum sie keine Antwort auf die aktuellen Fragen der Energiewende sein kann.

Nein zum Atomkrieg

Für die „StoppAtom“-Aktivisten ist es dabei selbstverständlich, die nukleare Aufrüstung als Teil desselben Problems anzusehen. Die Denksteine sind auch Mahnsteine gegen den Krieg, indem sie eine bekannte Geschichte vom Frühjahr 1946 ins Gedächtnis zurück rufen.
Da stand ein Ginkgo gerade 1,3 Kilometer von jenem Krankenhaus in Hiroshima entfernt, über dem im Jahr zuvor die erste Atombombe im Kriegseinsatz gezündet hatte. Er war – so schien es – vollkommen verbrannt worden. Doch jetzt trieb er erneut aus, wuchs wieder heran und gedeiht bis zum heutigen Tag. So gab er Hoffnung inmitten der Wüste.
Die Einwohner von Hiroshima vergaßen das nie, bauten ihre Gebäude um die wenigen, überlebenden Bäume herum oder versetzten sie in den zentralen Gedenkpark. Viele neue Bäume kamen im Zeichen des Friedens hinzu. Überall auf der Welt tut man es ihnen seitdem gleich. Eine wahrhaft universelle Sprache, wo immer es Menschen gibt. 

Mario Rieger, 12.09.2008

Foto oben: Ginkgo biloba (Vanderbilt Bioimages)

Foto unten: Constanze Niemack am Denkstein (mr)

Kontakt:
Heike Maaz, Initiative „StoppAtom-Baum“
E-Mail: email hidden; JavaScript is required

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Denksteinlegung am Ginkgobaum

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