Die Kopenhagener Straße – Hermann Tops

vergessene Geschichte

In der Kopenhagener Straße 46, in einem der wenigen noch nicht sanierten Häuser, wohnte bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1942, Hermann Tops. Ein Arbeitersportler, der, in der an der Ystader/Gleimstraße Straße gelegenen Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums, nach der Machtergreifung des Faschismus in „Horst-Wessel Gymnasium“ umbenannt, den Turnernachwuchs des Kiezes trainierte.

Seit 31. Januar 1952 trägt die Topsstraße, ebenfalls im Gleimkiez gelegen, seinen Namen.

1977 erhielt die, nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50, den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“.

In der Aula der 8. POS hing bis zur Auflösung der Schule im Sommer 1991 und der Neueröffnung der 11. Grundschule ein überlebensgroßes Porträt des einstigen Namengebers. Heute ist das Gebäude Hort der Schule am Falkplatz.

Foto HD

Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist eine im November 1987 im Eingangsbereich von Haus Nr.6, des heutigen Bezirksamtes Pankow in der Fröbelstraße 17, enthüllte Gedenktafel für die beiden, von der NS-Justiz zum Tode verurteilten Bezirksverordneten der KPD, Gustav Schiefelbein und Hermann Tops.

Wie aus dem Text hervorging, sollten mit der Tafel alle Widerstandskämpfer geehrt werden, egal ob sie Kommunisten oder Sozialdemokraten waren.

Das erinnert an den frühchristlichen Bilderstreit, zweites Konzil von Nicäa, und an die Reformation. Nur, dass jetzt „kommunistische“ Abbilder “ statt „christlicher“ übertüncht wurden.

Auch die Gedenktafel im Haus Nr. 46, erst 1987 angebracht, ist inzwischen entfernt worden. Der Gedenkstein auf dem Gelände der Schule, mit Graffiti besprüht, fristet ein trauriges Dasein des Vergessens!

Wer war Hermann Tops?

Der mit der Benennung einer Straße und einer Schule Geehrte, nach der Wende aber Vergessene und aus dem öffentlichen Bewußsein Entfernte, wurde am 18. Juli 1897 in Prenzlauer Berg geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Werkzeugmachers.

1919 schloss er sich dem Metallarbeiterverband und der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1923 wurde er Mitglied der KPD und Betriebsratsvorsitzender. Von früher Jugend an war er aktiv im Arbeitersportverein „Fichte“ tätig.

„Ende der 1920er Jahre wurde „Männe“ – wie seine Sportfreunde Hermann Tops gern nannten – für seine Partei in die BVV Prenzlauer Berg gewählt. Als Arbeitersportler übte er seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ aus.

Als nach dem 30. Januar 1933 die NS-Machthaber die kommunistischen und sozialdemokratischen Sportorganisationen verboten, gelang es ganzen Gruppen von Arbeitersportlern aus Prenzlauer Berg, in politisch unverdächtigen Sportvereinigungen, vor allem im „Berliner Turnverein 1862“, unterzukommen. Bald tauchten dort auch illegale Flugblätter gegen das NS-Regime auf.

Der Gestapo konnte die politischen Aktivitäten der ehemaligen Roten Sportler nicht verborgen bleiben. Als am 12. Oktober 1933 Mitglieder der zentralen wie der örtlichen Leitung der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit verhaftet wurden, befand sich unter ihnen auch Hermann Tops. Wegen seiner antifaschistischen Tätigkeit wurde er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, nahm er wieder am illegalen Kampf gegen die NS-Diktatur teil.

Als Mitarbeiter einer Maschinenbaufirma in Berlin-Wittenau begann er mit dem Aufbau illegaler Widerstandsgruppen in Berliner Rüstungsbetrieben. 1939 schloss er sich, wie viele andere frühere Arbeitersportler, der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an und wurde zum Verbindungsmann  zu  der Widerstandsorganisation um den Kommunisten  Anton Saefkow, die im Berliner Nordosten mehrere Stützpunkte im betrieblichen Bereich besaß.

Am 4. Februar 1942 wurde Hermann Tops erneut verhaftet und nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.*

*Unter Verwendung eines Artikels von Klaus Grosinki, veröffentlicht im Falkblatt Nr. 15 des BV Gleimviertel, Februar 2004, S. 11

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Hartmut Dold

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Die Kopenhagener Straße IV
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