Die Kopenhagener Straße – Relikte aus 40 Jahren DDR II

Berlins letzte(S) REH

Am 18.4.2012 hat sie wieder eröffnet und zeigt, frisch renoviert, bis 6.5.2012, eine Installation von Janine Eggert & Philipp Ricklefs mit dem Titel „The Dymamic Sublime Device“. REH? Da war doch mal was! Richtig, natürlich kein Reh sondern eines der typischen Wortungetüme der DDR. REH stand für Raumerweiterungshalle, ein universeller, teleskopartiger Leichtbaucontainer aus Aluminium und Pappe, meist mit den Aufschriften „Mitropa“, „Intershop“ oder „HO“ b.z.w. „Konsum“ drauf. Insgesamt wurden davon 3400 Stück fertiggestelt. Die Produktion endete 1989.

Die REH ist ein Teil der Architekturgeschichte. 1959 entwarf Helmuth Both die erste „transportable Raumerweiterungshalle“ in seiner Firma in Boizenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Viele Entwicklungsschritte folgten. Der Typ „Variant“, gebaut zwischen 1966 und 1978, wurde zum Klassiker, mit der eleganten Silhouette, den geschwungenen Formen, schrägen Seiten und abgerundeten Ecken.

So sieht auch die Kunsthalle in Prenzlauer Berg aus. Sie ist die letzte ihrer Art in Berlin. Das Prinzip der REH ist einfach. Die Halle besteht aus bis zu acht ineinander geschachtelten Elementen. Man kann sie wie ein Teleskop auseinanderziehen und so die Größe variieren.

80 Quadratmeter groß ist das Modell an der Kopenhagener Straße 17., 128 Quadratmeter waren möglich. Die Außenhülle ist eine Konstruktion aus Aluminiumblech und leichten Stahlträgern, die Innenwände sind mit Hartfaserplatten verkleidet. Der Boden wird separat auf Schienen verlegt. Innerhalb eines Tages konnte der 7,5 Tonnen schwere Container aufgebaut werden. Da in der DDR nicht immer und überall ein Kran zu Verfügung stand, wurde die REH so konstruiert, dass man sie  zusammenschieben und auf einem Transportgestell, ähnlich einem Campingwagenanhänger, an beliebige Ort verfrachten konnte.

Zrück zur Kunstinstallation. Der Verfasser hat sich erklären lassen, dies sei die Sinuskurve in der ersten Sekunde eines Raketenstartes. Hoffentlich eine Forschungsrakete und keine…, na Sie wissen schon!

Hartmut Dold

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Die Kopenhagener Straße III
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