Die Kopenhagener Straße – Relikte aus 40 Jahren DDR I

Goldene Hausnummer“

Es gibt sie noch und das gleich zweimal, die „Goldene Hausnummer“, die vor der Wende, von den Bewohnern besonders gut gepflegte Häuser erhielten. (Nr.41 und Nr.67)

Foto HD

Damit ist wohl die Kopenhagener Straße eine der Straßen mit der höchsten Dichte an diesen speziellen Zeitzeugen, denn die meisten fielen Souvenirjägern zum Opfer, oder wurden im Zuge von Fassadenarbeiten einfach abmontiert.

Über 3500 dieser Plaketten wurden damals an „verdiente“ Hausgemeinschaften vergeben, wie die Berliner Zeitung noch im Januar 1989 vermeldete.

Heute glänzen sie nicht mehr golden, der Lack ist ab. Das trifft auch auf die betreffenden Häuser zu, die zu den wenigen unsanierten Gebäuden in der Kopenhagener Straße zählen. Fast ein Hohn, dass es sich bei der heruntergekommenen Plakette mit dem Berliner Bären ausgerechnet um eine Auszeichnung für besonders gepflegte Häuser aus DDR-Zeiten handelt.

Die Idee für die Auszeichnung stammte vom Magistrat von Berlin. Seit Mitte der 1980-er Jahre hatten die Wohnbezirksausschüsse(WBA) sie im Osten der Stadt verliehen. Sie war ein Dank an alle, die sich um ihr Haus, die Innenhöfe und die Wohnumwelt gekümmert hatten, standen doch für die, sich zumeist in Hand kommunaler Wohnungsverwaltungen(KWV)  befindlichen Häuser, immer weniger Mittel für Erhalt und Sanierung zur Verfügung. Eigeninitiative für die Gestaltung der Innenhöfe, der Hausflure, Balkone und Grünflächen war deshalb umso mehr gefragt.

Im Kern eigentlich unpolitisch und auf den Gedanken der Nachbarschaftshilfe basierend, konnte sich die Initiative nicht ganz dem allgemeinen Kontrollzwang und einer bestimmten politischen Ausrichtung entziehen. Es wurde auch schon mal gefordert,  das Haus bei politischen Anlässen besonders gut zu beflaggen oder bei „Wahlen“ frühst möglichst in den Wahllokalen zu erscheinen.

Trotz dieser für den DDR-Sozialismus typischen Erscheinungen bleibt vielen Bürgern der Wettbewerb um die „Goldene Hausnummer“ in guter Erinnerung, war sie doch behaftet mit den Gedanken an gemeinsame Hoffeste, Kellerpartys,  Aufräumungs- und Begrünungsaktionen und Ausdruck gelebten nachbarschaftlichen Engagements.

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Hartmut Dold

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Die Kopenhagener Straße II
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