Die Kopenhagener Straße und das „Nordischen Viertel“

eine kurze historische Namensgeschichte

Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kam es in Deutschland und insbesondere in Berlin zu einem Gründerboom, der u.a. auch aus Reparationszahlungen Frankreichs gespeist wurde.

Es wurde Mode, die Straßen in den neu entstehenden Stadtquartieren nach bestimmten geografischen Gesichtspunkten zu benennen. So entstand in den 80-er Jahren des 19.Jahrhunderts das „Französische Viertel“ zwischen Schönhauser und Prenzlauer Allee mit Namen französischer Städte wie Metz, Straßburg, Colmar, Belfort, Wörth und Mühlhausen.

Später kamen dann das „Westpreußen Viertel“ und das „Ostpreußen Viertel“ hinzu, deren Straßennahmen aber nach Gründung der DDR durch die Namen antifaschistischer Widerstandskämpfer ersetzt wurden. Zwischen 1945 und 1990 wurden insgesamt 47 Straßen und Plätze umbenannt.

Die Kopenhagener Straße gehört, wie schon ihr Name sagt, zum sogenannten „Nordischen Viertel“ des Prenzlauer Bergs, der seine Namensgebung allerdings erst 1921 als Verwaltungsbezirk 4 des neuen Groß-Berlin erhielt.

Die nach der Jahrhundertwende angelegten Straßen verliefen zwischen der Bornholmer Straße im Norden, rund um den Arnimplatz und bis ins Gebiet des heutigen Gleimviertels hinein, das damals vom Norden noch nicht durch die S-Bahn Trasse geteilt war. Neben typischen Namen wie, Finnländischen Straße, Gotlandstraße, Malmöer Straße, Dänen Straße, die auf nordische Orte verwiesen, gab es auch Straßennahmen, die an den dänischen Dichter Anderson, und die norwegischen Schriftsteller Björnson und Ibsen erinnerten.

Foto HD

Neben der Kopenhagener Straße, gibt es im Gleimviertel weitere Straßen mit nordischem Namen. Die Ystader Straße, die Korsörer Straße, die Schwedter Straße, die Sonnenburger Straße und die Rhinower Straße, wobei hier der „nordische“ Bezug nicht ganz eingängig ist, liegt doch Rhinow westlich Berlins am Rande des Rhin-Luchs.

Ein Kapitel für sich ist die Sonnenburger Straße. Benannt nach Sonnenburg/Neumark, Stadt in der früheren Provinz Brandenburg, heute Slonsk, Woiwodschaft Lubuskie (Lebus).

Der Ort kam im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs an Polen.

Die Sonnenburger Sraße, vorher Straße 16 der Abt. XI des Hobrechtschen Bebauungsplanes, erhielt 1906 ihren Namen.

1911 beschloß die Stadtverordnetenversammlung Berlin den Ankauf der östlichen Hälfte des Exerzierplatzes vom Militärfiskus. Durch diesen Ankauf, der 1912 getätigt wurde, war eine Verlängerung der Sonnenburger Straße von der Gaudy- bis zur Eberswalder Straße möglich. Dieser Abschnitt trug von 1920 bis 1935 den Namen RudolfMosse-Straße, benannt nach einem bedeutenden jüdischen Verleger, der auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee ein Ehrengrab erhielt.

1935 wurde die Straße von den Nazis in Sonnenburger Straße rückbenannt. Den Namen trägt sie bis heute.

Bereits in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts mußte die Straße zwischen Gaudy- und Eberswalder Straße Sport und Spielstätten weichen. 1951 wurde daraus der Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark. Heute liegt ihr südlicher Teil nur noch als Sackgasse zwischen Gleimstraße und der 1945 durch einen Bombentreffer zerstörten Schönfließer Brücke.

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Hartmut Dold

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Die Kopenhagener Straße I

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