Abriss und Neubau des Jahn-Stadions 2020 – 2023

Es fing alles ganz harmlos an. Im Jahre 2013 fasste das Berliner Abgeordnetenhaus auf Antrag der Regierungskoalition SPD&CDU den Beschluss, dass für das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion ein Nutzungs- und Entwicklungskonzept zu erarbeiten sei. Im Jahre 2014 kamen dann SPD&CDU mal wieder auf die Idee, dass Berlin sich um Olympische Spiele bewerben solle. Klaus Wowereit und Frank Henkel präsentierten im August 2014 eine Interessenbekundung Berlins. In dieser war zu lesen, dass der Jahn-Sportpark nicht nur eine prima Olympia-Sportstätte sei, sondern „zum deutschlandweit ersten Inklusionssportpark“ entwickelt werde. Im September 2014 kam schon das Aus für Olympia in Berlin.

Der Umbau des Jahn-Stadions war damit aber nicht begraben. Im Januar 2015 präsentierte der Senat in den Ausschüssen der BVV Pankow und des Abgeordnetenhauses sowie in einer öffentlichen Veranstaltung vor Ort eine Machbarkeitsstudie für einen solchen Umbau. Im Gesamtergebnis der Auswertung schlug Senator Henkel (CDU) im September 2015 folgende Neubauten und Anlagen vor:

  • Sukzessiver Abriss und Neubau des Großen Stadions, Überdachung sämtlicher Tribünen bei Beibehaltung der Kapazität von 20.000 Zuschauern und Zuschauerinnen
  • Parkhaus mit 450 Stellplätzen an der Eberswalder Straße
  • 3-Feld-Tennishalle an der Gaudystraße
  • Verlagerung der bestehenden ungedeckten Tennisanlage
  • 2 weitere Kunstrasen-Großspielfelder
  • Erneuerung der bestehenden 2 Großspielfelder
  • Beachvolleyballanlage mit 6 Spielfeldern
  • 3 Basketballfelder und 2 DFB-Minifelder an der Topsstraße
  • Sportmultifunktionsgebäude als Hochhaus mit zwei 3-Feld-Hallen, Gymnastikräumen, weiteren Mehrzweckräumen sowie Büros für Verwaltung, Vereine, Verbände etc. im Zentrum des Sportparks
  • Gastronomiepavillon am kleinen Stadion.

Dann geschah lange Zeit nichts. Das Bezirksamt Pankow berichtete regelmäßig der BVV, dass es in der Sache nichts Neues gäbe. Die neue rot-rot-grüne Regierungskoalition nahm den Umbau zum Inklusionssportpark in ihr Regierungsprogramm auf. Im August 2017 fragte der Abgeordnete Lenz (CDU) den Senat nach dem Stand der Umbaupläne und der Einbeziehung der Anwohnerschaft. In der Antwort teilte Staatssekretär Gäbler mit, dass die „Anwohnerinnen und Anwohner im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die Umbaupläne des Senats informiert werden“ und dass mit den „Freunden des Mauerparks e.V.“ bereits ein Gespräch stattgefunden habe. Gespräche mit anderen würden folgen. Ein Gespräch mit dem Bürgerverein Gleimviertel fand nicht statt, obgleich wir uns auf Anfrage dazu bereiterklärt hatten. Von der Durchführung der angekündigten Info-Veranstaltung im Gleimviertel haben wir nichts bemerkt.

 

Olympisches Déjà vu

Dann ging alles ganz schnell, ganz so wie 1993/94 mit der Max-Schmeling-Halle im Kontext der Debakel-Bewerbung des Berliner CDU&SPD-Senats um Olympia 2000. Seinerzeit wurde die Großsporthalle für 10.000 Zuschauer ohne Bebauungsplan und ohne Verkehrs- und Erschließungskonzept genehmigt und mitten im Wohngebiet errichtet. Die Folgen sind bekannt.

Berlin hatte im November 2018 den Zuschlag für die Ausrichtung der Special Olympics 2023 bekommen, eines internationalen Sportwettbewerbs für geistig behinderte Sportler. Der Jahnsportpark soll Austragungsort für einige der Wettkämpfe werden. Dabei hat man insbesondere das große Stadion ins Auge gefasst. Doch für eine solche Nutzung müsse das Stadion zur Erreichung der Barrierefreiheit und moderner Standards angeblich komplett neu errichtet werden. – Der Gutachter hatte 2014 (siehe oben) einen schrittweisen Abriss und Neubau empfohlen. – Um das Ziel 2023 zu erreichen, will jetzt der Senat Abriss und Neubau des Stadions im Schnellverfahren. Für das erforderliche Bebauungsplanverfahren mit einer ordentlichen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, der Öffentlichkeit und Anwohnerschaft ist da keine Zeit. Wieder will der Senat die Errichtung einer Olympischen Sportstätte ohne eine integrierte Planung und ohne eine Beteiligung der Bürger durchziehen. Dabei haben sich die Problemlagen seit 1994 noch einmal dramatisch verschärft. Jetzt gibt es nicht nur die Max-Schmeling-Halle mit ihrem Veranstaltungsbetrieb, sondern der Mauerpark hat sich in den letzten 25 Jahren zu einem Besuchermagneten mit über 10.000 Besuchern in der Spitze entwickelt.

Im Mai 2019 erklärte der Sport-Senator Geisel, dass man das große Stadion 2020 abreißen und 2021/22 ein neues Stadion für 20.000 Zuschauer an gleicher Stelle errichten wolle. Die Finanzierung dafür würde in den Doppelhaushalt 2020/21 eingestellt. Am 7. Juni 2019 tagte der Sportausschuss des Abgeordnetenhauses im Jahnstadion. Dem Wortprotokoll ist zu entnehmen, dass verschiedene Sportvereine neue Bedarfe für den Umbau anmelden. Allen voran ALBA Berlin. Der Verein wünscht sich die Schaffung eines Leistungszentrums mit einem Hallenneubau mit 2000 Zuschauerplätzen. Abgeordnete sprachen sich dafür aus, das Erfordernis des Totalabrisses des großen Stadions zu überprüfen. Vielleicht sei ja auch ein Neubau nur des Tribünenhauses in Verbindung mit einer Sanierung des Stadionwalls mit den Zuschauertraversen ausreichend.

Der Senat erklärt zwar, dass es für den Umbau des restlichen Sportparks ein B-Plan-Verfahren mit einer Anwohnerbeteiligung geben solle, aber das ist u.E. nicht ausreichend. Ein integriertes Planverfahren, den Stadionneubau eingeschlossen, ist zwingend erforderlich.

Den Bezirksverordneten der BVV Pankow reicht es offenbar auch. In der BVV-Sitzung am 14. August 2019 standen zwei Anträge (von der LINKEN und von B90/Grüne) auf der Tagesordnung, die eine Beteiligung des Bezirkes und ein B-Planverfahren fordern. Sie wurden in die Ausschüsse zur Beratung überwiesen

Der Bürgerverein Gleimviertel fordert die Politikerinnen und Politiker auf Bezirks- und Landesebene auf, ein integriertes Planverfahren für den gesamten Sportpark, einschließlich des Stadionneubaus, mit einer breiten Beteiligung der Anwohner sicherzustellen. Wir werden die Interessen der Anwohner inklusive der unorganisierten Freizeitsportler, die den Sportpark intensiv nutzen, in den Planungs- und Umbauprozess aktiv einbringen.

Alle Interessierten können sich beim Bürgerverein Gleimviertel melden. Helfen Sie uns, den Umbau des Sportparks zu einem Gewinn für alle zu machen. Machen Sie mit!

Cant || 30.08.2019

Text als pdf.datei zum herunterladen.

Please follow and like us:
Umbau des Jahn-Sportparks, ein Olympisches Déjà-vu ?
Markiert in: