Schwierige Suche nach Kompromissen am Runden Tisch

Wie bereits berichtet, war der erste „Runder Tisch Mauerpark“ im September auf reges Interesse gestoßen. Gerade das Thema „Lärm“ hatte sich dabei als besonderer Schwerpunkt herausgebildet und stand deshalb im Mittelpunkt beim zweiten Runden Tisch am 07. November. Rund 50 Personen waren der Einladung des Bezirksamtes Pankow und der Kulturgemeinschaft Mauerpark in den Mauersegler gefolgt, um miteinander über den aktuellen Zustand und mögliche Verbesserungsvorschläge zu diskutieren. Mit dabei waren wie auch beim letzten Mal der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn und Mitarbeiter des Umwelt- und Ordnungsamtes, Anwohner aus Wedding, Prenzlauer Berg und Mitte, die Gewerbetreibenden im Mauerpark und Vertreter der Straßenmusiker, Vertreter der Bezirks- und Landespolitik sowie der Polizeiabschnitt 15. Auch der Bürgerverein Gleimviertel e.V. war wieder mit zahlreichen Mitgliedern vertreten.

Es wurde deutlich, dass die Lärmbelastung von einigen Anwohnern – nicht nur wie zu erwarten aus der Wolliner- und Swinemünder Straße, sondern auch aus der Oderberger, der Kremmener und der südlichen Schwedter Str. – als deutlich zu hoch und nicht mehr akzeptabel wahrgenommen wird. Die durch die Baustelle des Stauraumkanals verursachte Verknappung der Rasenfläche hat bei steigender Beliebtheit des Mauerparks als Bühne für Straßenmusik und im Zuge eines überaus warmen Sommers zu einer Übernutzung geführt, die einigen Anwohnern im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf raubt. Dass dies auch nicht im Interesse der Straßenmusiker ist, wurde von Vertreterinnen der Berlin Street Music vorgetragen. Straßenmusik soll unterhalten und nicht zur Belastung werden – gleichzeitig benötigt Straßenmusik eben öffentliche Räume zur Darbietung. Klare Regeln, die insbesondere die Nachtruhe schützen, scheinen für alle Beteiligten sinnvoll. Ein generelles Verbot elektrisch verstärkter Musik würde aber viele moderne Musikformen de facto ausschließen. Das Problem sei auch nicht an verstärkter oder unverstärkter Performance festzumachen, sondern an der Lautstärke. Für die Musiker sind die Stellschrauben: Zeit, Ort und Pegel.

Der zweite Runde Tisch sollte Probleme, Konflikte, Einschätzungen und Ideen sammeln –nichts entscheiden. Das Umweltamt Pankow unterbreitete gemeinsam mit dem Grünflächenamt eine Idee: Ein zweites genehmigtes Zeitfenster sonnabends von 15 bis 19.45 Uhr an einem anderen Ort im Mauerpark für Musikdarbietung mit einem Maximalpegel von 60 dB schaffen und Sonntag als verstärkte Musikdarbietung allein das Karaoke im Amphitheater zulassen. Diese Idee wurde mit viel Skepsis aufgenommen: Ausweitung des genehmigten „Lärms“ auf zwei Tage, die Durchsetzung dieser Regel wird ebenso nicht funktionieren, die Musiker wollen am publikumsstarken Flohmarkt-Sonntag spielen u.a.m. Das war eine Idee neben anderen, wie etwa der Aufstellung von mehreren im Park verteilten Auftritts-„Muscheln“ nach Art der Strandpromenaden, mit denen die Abstrahlungsrichtung eines begrenzten Pegels anwohnerverträglich gesteuert werden könnte.

Es gab Anwohner, die sich uneingeschränkt hinter die Auftrittsmöglichkeiten für die Straßenmusiker stellten. Sie seine die Bereicherung, die die Attraktivität des Mauerparks auch für Anwohner ausmache. Es gäbe zwar viele Probleme im Mauerpark, wie Müll, illegaler Getränke- und Drogenhandeln, mangelnde Pflege der Grünanlage, übermäßiger Baustellenlärm, nächtliches Feuerwerk und lärmende Partys mit bluetooth-Lautsprechern. Die Musik der Straßenmusiker sei daran gemessen kein Problem.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass eine Gruppe von Anwohnern, die eine Initiative gegen die „Lärmbelästigung aus dem Mauerpark“ gebildet haben, bewusst nicht am Runden Tisch teilgenommen hat. Sie wollen nicht über Kompromisslösungen debattieren, sondern beharren auf der strikten Einhaltung der Gesetze, des Landes-Immissionsschutzgesetzes und des Grünanlagengesetzes. Im Mauerpark solle nach ihrer Auffassung möglichst weitgehend Ruhe herrschen. Andere Mitstreiter der Gruppe stellten sich der Diskussion im Mauersegler, wofür ihnen von den Moderatoren und dem Bezirksbürgermeister ausdrücklich gedankt wurde.

Das Bezirksamt wird bis Ende des Jahres einen Vorschlag für Regeln im und um den Park erarbeiten, der für alle Beteiligten Klarheit schaffen soll. Auf Einladung des Bezirksamtes soll dann im Januar ein weiteres Treffen stattfinden. Als Bürgerverein Gleimviertel wollen wir uns weiter aktiv in den Diskussionsprozess einbringen.

Der Bürgerverein Gleimviertel vertritt dabei die Position, dass bei möglichst weitgehender Beachtung des Ruhebedürfnisses von Anwohnern der seit über zwei Jahrzehnten gewachsene Charakter des Mauerparks erhalten bleiben soll. Er ist ein wichtiger Kulturort, der weit über die Berliner Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Es handelt sich um einen öffentlichen und vor allem kulturellen Raum, der in seiner Einzigartigkeit eben nicht in das Raster des klassischen Parks passt. Der Mauerpark steht für das Lebensgefühl – sowohl vieler Anwohner, als auch Zugereister aus der ganzen Welt. Deshalb bedarf es auch neuer Regeln und Eigenverantwortung der Nutzer, die die Besonderheiten des Mauerparks schützen.

 

Anna Steinfort/Michail Nelken

Fotos von Hartmut Bräunlich

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Mauerpark – internationaler Kult(ur)ort und Lärmlast
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