Gentrifier verdrängen alteingesessenes Gewerbe.

Der Getränke Hoffmann hat am 14.Juli für immer geschlossen. Er war inzwischen eine Kiez-Institution und viele werden ihn und die freundlichen Betreiber vermissen. Der Hauseigentümer war nicht bereit über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln, hört man.

Die Gentrifizierung verdrängt nicht nur unsere Nachbarn aus ihren Wohnungen, sondern auch alteingesessene Gewerbebetriebe, die die hohen Mietforderungen der Neu-Eigentümer nicht mehr bezahlen können. Dem Eigentümer der Gleimstraße 54 war zudem, so wird im Kiez erzählt, der Getränkeladen zu piefig. Er und seine Frau wünschen sich für ihr Haus nicht nur wohlhabende Bewohner, sondern auch ein gehobenes Gewerbe im Erdgeschoss. Welche Edel-Gastronomie oder welche edle Wein-Handlung Familie NN. auch auserwählt, der bittere Nachgeschmack wird wohl eine Weile bleiben.

Ach, wäret ihr doch bloß in Rotherbaum[1] geblieben, könnte angesichts des Trauerspiels einem in den Sinn kommen. Aber, wir sind ja nicht fremdenfeindlich, heißen Schwaben wie Hamburger im Kiez willkommen. Zumal kaum 10% der heutigen Kiezeinwohner vor 1990 hier gewohnt hat. Aber schön wäre es doch, wenn die neuen (und wohlhabenderen) Nachbarn mehr Rücksicht auf die nehmen würden, die schon länger hier leben und nicht die dicke Kohle haben. Dann könnten die Nachbarn auch mit Veränderung im Kiez besser umgehen und Nachbarschaft erneuern.

Cant|16.07.18

[1] Rotherbaum gehört zu den reichsten Stadtteilen Hamburgs. Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt hier 68.191 Euro jährlich (2013) und ist somit fast doppelt so hoch wie der Hamburger Gesamtdurchschnitt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Rotherbaum#cite_note-Stadtteil_Profil_2016-2)

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Getränke Hoffmann – Geschlossen