Getränke Hoffmann muss schließen

Gentrifizierung geht weiter – Gewerbe wird verdrängt (I)

Die Mietentwicklung im Gleimviertel hat in den letzten 20 Jahren den ganz überwiegenden Teil der alteingesessenen Bewohner aus dem Kiez verdrängt. – Nun, erwischt es auch zunehmend das angestammte Gewerbe. Der Getränke Hoffmann in der Gleimstraße 54 muss schließen.

Kurze Zeit nach dem Fall der Mauer hatte das Geschäft eröffnet. War es nicht sogar noch vor der Öffnung des Gleimtunnels im Jahre 1994? Nun soll am 14.Juli 2018 – einem Tag vor dem WM-Finale – Schluss sein. Die Betreiber hätten gerne weitergemacht. Aber der Eigentümer des Hauses wollte keine Verhandlungen über einen neuen Pachtvertrages führen. Die Kiez-Gerüchte-Küche flüstert, dass dem Eigentümer, einem sehr gut betuchten Promi-Anwalt aus Hamburg, das simple Geschäft des Getränkehandels nicht ins Image passt. Nun wird schon heftig spekuliert, welches Edel-Geschäft dem Eigentümergeschmack angemessen sein könnte.

Ja, wir werden nicht auf dem Trocknen sitzen. Es gibt noch eine Reihe von Geschäften und Spätis im Kiez, in denen man sein Getränkebedarf decken kann. Aber dennoch, an den Getränke Hoffmann in der Gleim 54 hatte man sich gewöhnt. Er gehörte, trotz Betreiberwechsel, schon zu den „alten“ Institutionen im Kiez.

Die Hauseigentümer sollten doch mal bedenken, dass Kiezbindung und lebendige vertraute Nachbarschaften auch für die zukünftige Wertstabilität ihrer Immobilien von erheblicher Bedeutung sind. Auf ein paar Euro Mieteinnahmen und Rendite zu verzichten, kann auf längere Sicht betrachtet von größerem Gewinn sein. Für uns alle, die Bewohner des Kiezes, wären Hauseigentümer mit Sinn für Nachbarschaft und Gemeinwesen allemal von Vorteil.

Cant/10.03.2018

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Schluss vor dem Finale
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