B-Plan Moritzhof | bewohnte Lärmschutzwand | späte Erkenntnis

Bebauungsplan festgesetzt – Jugendfarm Moritzhof gesichert

Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow hat am 17.Januar 2018 den „Bebauungsplan IV-45 für das Gelände zwischen Bahnanlagen, Schwedter Straße, Gleimtunnel und der Bezirksgrenze zum Bezirk Mitte im Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg“ beschlossen. Er dient im wesentlichen der Sicherung der Jugendfarm Moritzhof und den Spiel- und Freizeitflächen im nördlichen Abschnitt des Mauerparks gegen die von Westen heranrückende Wohnbebauung des Berliner Immobilien-Tycoon (altmod.: Baulöwe) Klaus Groth.Damit nicht die Zukünftigen Besitzer der Eigentumswohnungen in der Groth-Wohnanlage auf die Idee kommen, gegen den krähenden Hahn, das meckernde Schaf, das wiehernde Pferd oder auch gegen Kinderlärm erfolgversprechend vorgehen zu können. Dieser B-Plan ist erst einmal ein guter Schutzschirm.

 

Städtebauliche Untat: Groth & Politik

Allerdings kann der B-Plan die städtebauliche Untat nicht tilgen und nicht vergessen machen, die die rabiate Durchsetzung der Pläne für dieses Wohnquartier darstellt. Die daran beteiligten Politiker sollten sich angesichts der gebauten Realität in Grund und Boden schämen. Einige bekleiden heute noch Ämter. E. Gothe, M. Müller, C. Spalleck, A. Geisel, Ch. Gäbler. Die Liste der Politiker die letztlich den Mauerpark-Deal ermöglicht haben, ist noch viel länger und reicht fast zwei Jahrzehnte zurück.

Auch alle jene, die meinten der Bebauungskompromiss – ein Stück mehr Mauerpark gegen Baurecht für CA Immo & Klaus Groth – sei doch vertretbar, da Berlin neue Wohnungen bräuchte, sollten sich heute vor den „Moritzhof“ oder auf den „Bärbel-Bohley-Ring“ (welch eine zynische Verhöhnung) stellen und offen ihre Verirrung einräumen. Denn das, was da entsteht, braucht das Gemeinwesen Berlin nicht, sondern allenfalls Klaus Groth für die Maximierung seiner Profite.

Späte Erkenntnis?

Beachtlich, dass nunmehr auch der Tagesspiegel in einem Artikel fragt, was denn hier unter falscher Flagge zum Nachteil des Gemeinwesens durchgedrückt wurde. Warum erst jetzt? Seinerzeit wurde die Aktiven der Mauerpark-Allianz aus dem umliegenden Kiezen, die den Mauerpark-Deal von Groth und Berliner Politikern bekämpft haben, als Nimbys denunziert, die zwar für Wohnungsbau seien, nur nicht vor ihrer Haustier, als Egoisten, die selbst eine Wohnung in der guten Lage hätten und sie nun anderen nicht gönnten. Dass die Groth-Gruppe sich eine PR-Agentur engagierte, um in den Medien Stimmung für das Vorhaben zu machen und in der Öffentlichkeit den Rückhalt der Bürgerinitiativen zu zersetzen, könne die Medienmacher nicht als Entschuldigung vorbringen. Die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und Beweggründe der Akteure waren jahrelang unübersehbar.

Rotzfrecher Zynismus

Nicht nur die Benennung der Straße in der Wohnanlage nach der DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel-Bohley ist zynisch und voller Hohn für die Bürgerinitiativen, die seit 1990 in einem zähen Ringen den Mauerpark erst möglich gemacht haben. Auch dass zur Projektlegitimation die Errichtung von 122 Sozialwohnungen als bewohnte Lärmschutzwand zwischen Berlin und Groth (& CA Immo) vereinbart wurde, ist sozial zynisch. Dass die GEWOBAG diese Wohnungen für ca. 21 Mio. €URO kaufen musste und dafür 10 Mio. € aus der Landeskasse als Zuschuss bekam, ist die typisch Berliner Krönung. Dass die „Studenten“-Appartements zu einem Mietpreis von 27,50 €/qm und einem Kaufpreis von über 8000 €/qm zu den sozialen Errungenschaften dieses Mauerpark-Deals gehören, versteht allein die Berlin SPD. Der Artikel im Tagesspiegel „Sozialwohnungsquote – eine Regel voller Ausnahmen“ kommt einige Jahre zu spät, ist aber dennoch lesenswert.

Es wäre lohnenswert gewesen, wenn die Autorin auch den Zusammenhang zwischen den drei Groth-Projekten, die im Deal mit der CA Immo AG eine Einheit bilden, beleuchtet hätte. Es war ein nicht auflösbares Verkaufspaket über die drei sehr großen Bahnflächen-Areale (Mauerpark, Lehrter Straße, Lichterfelde Süd). Die Kaufverträge enthielten eine wechselseitige Abhängigkeitsklausel, so hörte man. Dieses große Risiko hinsichtlich der Baurechtserlangung konnte in Berlin wohl nur Klaus Groth mit seinen hervorragenden Verbindungen in die Berliner Politik und Verwaltung eingehen. Wegen des Domino-Effekts war ein Nachgeben am Mauerpark für Groth auch nicht verhandelbar. Auf die Berliner Politik konnte er sich dabei verlassen.

MN/28.01.2018

 

 

 

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