Vororttermin mit Staatssekretär

Hatten sich in den letzten Tagen durch Pressemeldungen bei manchen Anwohnern Hoffnungen aufgebaut, dass nunmehr nach 22 Jahren doch noch eine uralte Forderung vieler Bürger in Erfüllung gehe könnte und der Gleimtunnel für den Autoverkehr wieder geschlossen würde, stellte der Verkehrsstaatssekretär J.-H. Kirchner (B90/Grüne) heute klar: Der Gleimtunnel wird für Autos wieder geöffnet. Es war ihm unübersehbar wichtig zu betonen, dass er auf die schnellstmögliche Öffnung dränge. War er doch nicht unbeteiligt an der irreführenden Medienberichterstattung der letzten Tage.

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Foto: Gerd Danigel, 1993

Vielleicht wollte er damit auch kritischen Nachfragen zu seiner Vergangenheit vorbeugen. Denn das Bündnis Prenzlauer Berg (lokale Vorgängerpartei von Bündnis 90/Grüne in Prenzlauer Berg) war 1994 entschieden gegen die Öffnung des Gleimtunnels aufgetreten, wie das  Foto von der mehrwöchigen Tunnelbesetzung dokumentiert.

Dabei hat die Sperrung des Gleimtunnels den Praxistest unter verschärften Bedingungen bestanden. Denn zugleich war ja seit Monaten die Bösebrücke für den Verkehr in Richtung Schönhauser Allee gesperrt. Der Verkehrskollaps ist ausgeblieben. Man könnte also den Gleimtunnel problemlos dauerhaft für den Autoverkehr schließen.

Mitte Januar (2017) – Wiederöffnung für Autos

img_0292Am heutigen 3. Januar 2017 traf Staatssekretär Kirchner sich mit zahlreichen Mitarbeiter Berliner Verwaltungen zu einem Vororttermin am Gleimtunnel, um die Öffnung zu beschleunigen. Das Ergebnis lautet: Der Gleimtunnel wir Mitte Januar 17 wieder für den Autoverkehr geöffnet.

Da zu diesem Zeitpunkt die Tiefbauarbeiten für die Zufahrt zur Groth-Wohnanlage an der westlichen Tunneleinfahrt noch nicht beendet sein werden, bleibt dieser Bereich bis Anfang Februar Baustelle. Das bedeutet zum einem, dass der nördliche Fußweg solange weiterhin gesperrt bleiben wird. Zum anderen muss der Autoverkehr in Richtung Graunstraße teilweise über den Mittelbereich des Kreisverkehrs fahren.

„Gebaut ist gebaut“

Der Vororttermin machte deutlich, dass der Straßenumbau in der Ausführung nicht unproblematisch ist. Der aufgepflasterte Inselbereich des kleinen Kreisverkehrs vor dem westlichen Tunneleingang ist mit 5 cm höher als üblich. Was für Fahrrad- und Motorradfahrer ein gewisses Risiko darstellen könne. Mit einer noch aufzutragenden Farbmarkierung soll vor dieser Abweichung vom Üblichen gewarnt werden.

Das entschieden größere Verkehrssicherheitsproblem stellt die Ausführung der Fahrbahn im Gleimtunnel dar. Die Fahrradwege auf den Gehwegen werden aufgehoben und der intensive Fahrradverkehr wird auch im Tunnel auf die Straße verlegt. Dafür wurden zwei Asphaltstreifen (1,50 m breit) in das Kopfsteinpflaster eingebracht. Was wie Radwege aussieht, sind aber verkehrsrechtlich keine Fahrradwege. Die Asphaltstreifen sind Teil der Fahrbahnfläche, die sich die rollenden Verkehrsteilnehmer teilen müssen. img_0294Sie sind Teil der jeweiligen Richtungsfahrbahn und werden auch von den Autofahrern benutzt werden. Bedauerlich sei, so Teilnehmer der Runde, dass die Graniteinfassungen der Asphaltstreifen optisch wie eine Abmarkierung wirken und damit den falschen Eindruck erzeugen könnten, dass es sich hier um einen Fahrradweg exklusiv für Radfahrer handele. Darin läge ein Gefahrenpotenzial insbesondere im Falle des Begegnungsverkehrs von Pkws beim gleichzeitigen überholen eines Fahrradfahrers. Die Straßenfläche zwischen den Asphaltstreifen beträgt nur 3,50 m und ist für den Begegnungsfall von Pkws nicht ausreichend, so dass die Autos zwingend auf den Asphaltstreifen fahren müssen.

Diese gefährliche Situation wird durch die parkenden Autos am Fahrbahnrand verstärkt, weil zum einen keine Ausweichfläche zur Verfügung steht und zum anderen auch offene Pkw-Türen in den Bereich des Asphaltastreifens hineinragen könnten.

Gebaut ist gebaut, so Kirchner, man müsse jetzt mit dieser Situation umgehen. Eine Streichung der 40 Stellplätze im Tunnel, wie das das Bezirksamt Mitte im Dezember ins Gespräch gebracht hatte, lehnte Kirchner ab. Es wurde gebaut wie geplant und eine Fehlerdiskussion wollte Kirchner nicht aufkommen lassen. – Ob zukünftig diese Stellplätze in die Parkraumbewirtschaftungszone 43 des Bezirks Pankow einbezogen würden, um die Gebührenflucht in den Tunnel zu verhindern, wurde von dieser Runde nicht erörtert.

Fahrradstraße – nicht so schnell

Die kurzzeitige Hoffnung auf eine Sperrung des Gleimtunnels für Autos war den Ankündigungen der Staatssekretärs in mehreren Medien über eine neue Fahrradstraße auf dem Straßenzug Stargarder Straße – Gleimstraße – Rügener Straße entsprungen. Kirchner konnte dabei aber offenbar den Journalisten nicht vermitteln, dass die Ausweisung einer Fahrradstraße nicht den Ausschluss des allgemeinen Kfz-Verkehrs bedeuten würde, sondern lediglich eine mit einer Tempobegrenzung verbundene Bevorrechtung der Fahrrad fahrenden Verkehrsteilnehmer. Deshalb betonte Kirchner gegenüber den bei der heutigen Verwaltungsbesprechung anwesenden Pressevertretern, dass der Straßenzug und der Gleimtunnel auch im Falle einer Fahrradstraße für den allgemeinen Durchgangsverkehr geöffnet blieben. Zudem stünden einer Ausweisung als Fahrradstraße noch vielerlei Hürden im Wege, insbesondere die Herauslösung der Straßen aus der übergeordneten Verbindungsstraßennetz. Somit sei mit einer Ausweisung der Fahrradstraße erst mittelfristig zu rechnen.

img_0298Es war die Polizei, die beim heutigen Treffen in Sachen Fahrradstraße auf die Tube drückte, weil dies für die Gleimtunnel-Durchfahrt die verkehrssicherste Lösung sei. Denn so wäre für alle Verkehrsteilnehmer die Lage übersichtlicher. Sie regte an, dass man angesichts der Hemmnisse kurzfristig nur den Gleimtunnel und die beiden angrenzenden Abschnitte der Gleimstraße als Fahrradstraße festsetzen sollte.

 

Michail Nelken 03.01.2017

 

Pressemitteilung der Senatsverwaltung Verkehr/Umwelt vom 03.01.2017

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Der Gleimtunnel bleibt NICHT zu
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Ein Gedanke zu „Der Gleimtunnel bleibt NICHT zu

  • 5. Januar 2017 um 12:15
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    Die bauliche Lösung mit dem „Mini-Kreisverkehr“ ist eine Verschlimmbesserung für Radfahrer, die nicht mit den Anforderungen des BauGB nach „gesunden Lebens-, Arbeits- und Wohnverhältnissen im Einklang steht. Bedenkt man, dass auch noch Schulkinder durch den Tunnel fahren müssen, so ist das Fiasko nun vorprogrammiert.
    Bündnis 90/Grüne und Linkspartei haben im Fall Mauerpark-Bebauung kläglich versagt, weil sie als letztes Bollwerk im AGH ihre Rechts-Position nicht wahrgenommen haben, und auch Rechtsverstöße hingenommen haben.

    Alles war vorhersehbar, wenn man sich fachlich mit dem Thema Städtbau und Verkehr rechtzeitig auseinandergesetzt hätte. Nun muss mit den Folgen politischer Stadtplanung bzw. -planlosigkeit gelebt werden!

    Operation Gleimtunnel mißlungen: Radfahrertod droht!
    http://www.pankower-allgemeine-zeitung.de/operation-gleimtunnel-misslungen-radfahrertod-droht/

    Der Rechtsweg ist nun der beste Weg!

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