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Der Gleimtunnel hat seit seiner Errichtung 1903/04 einiges erlebt. Das Jahr 2016 wird als Schließungsposse mit Zuständigkeitsmikado eingehen. Nachdem am 27. Juli Starkregen den Tunnel unter Wasser setzte und die dort geparkten Autos übereinanderpurzelten, wurde der Tunnel wegen einer Gefährdung der Standfestigkeit gesperrt. Sehr schnell sorgte die Groth – Gruppe dafür, dass der westliche teil mit der Straßenbrücke auf ihr Baugelände für standfest deklariert wurde, damit die Betonmischer weiter über den Gleimtunnel rollen konnten. Was die Gleimstraße unter dem Brückenbauwerk betrifft, so hatten Groth und die Bezirksämter von Mitte und Pankow es nicht so eilig. Man dachte sich, dass dies doch ein gute Gelegenheit sei, die vertraglich zugesagte Einfahrt in die Grothsche Wohnanlage mit dem kleinen Kreisverkehr zu bauen. Eine monatelangen Sperrung des Gleimtunnels wegen Erschließung das ungeliebten Bauvorhaben von Groth, wäre sicherlich auf erheblichen Unmut bei den Autofahrern gestoßen. So kam der starke Regen als Begründung der langen Sperrung wie ein Geschenk des Himmels.

Der scheidende Bezirksstadtrat Kirchner verkündete vor einigen Tagen im Verkehrsausschuss, dass die Bauarbeiten im Tunnel bis zum 23. Dezember beendet würden und so einer Wiedereröffnung Anfang Januar 2017 nicht im Wege stünde. Das las sich in der Berliner Zeitung vom 08. Dezember schon wieder anders. Nun streiten sich die Behörden offenbar nicht nur über die Zuständigkeit für das Brückenbauwerk Gleimtunnel, sondern auch um die Zuständigkeit für die darunter liegende Gleimstraße. Im Ostteil des Tunnels liegt sie unbestritten beim Bezirksamt Pankow. Für den scheint die Gemengelage komplizierter. Die Bahn hat sie, obwohl öffentliches Straßenland mit privatisiert. Die Firma Groth will damit natürlich nichts zu tun haben. Auch darüber, wer denn für den Erhalt und die Sanierung das denkmalgeschützten Brückenbauwerks Gleimtunnel die Verantwortung trägt, können sich Berlin, die Deutschen Bahn und der Unternehmer Groth offenbar nicht abschließend einigen. Die Sanierungskosten des Denkmals will keiner auf sich laden.

Zuständigkeitsmikado statt Denkmalschutz

Dieser Streit schwelt seit über 20 Jahren. Damals hatte das Land Berlin im Rahmen der Olympiabewerbungskampagne bereits 10 Mio. DM für die Sanierung in den Landeshaushalt eingestellt. Diese wurde aber niemals in Angriff genommen, weil sich die Deutsche Bahn nicht an den Kosten beteiligen wollte. Die 1994 zur Wiedereröffnung des Gleimtunnels aufgebrachten Provisorien sollten nur eine „kurze Zeit“ bis zur Sanierung überbrücken. Seit dem ist nichts geschehen und das Denkmal zerfällt. Das Land Berlin verhält sich seit über 20 Jahren grob rechtsbrüchig. 2017 wird der Gleimtunnel wieder eröffnet. Dann wird die Gleimstraße für die Zufahrt zur Grothschen Wohnanlage teuer neugebaut aber das Baudenkmal weiter verfallen. Denkmalzerstörung durch Nichtstun – in dieser Strategie scheinen sich Berlin und Groth zumindest einig. Vielleicht haben sie schon eine geheime Vereinbarung über die Verteilung der Abrisskosten getroffen.

Pankows Bezirksstadtrat Kirchner (demnächst Staatssekretär) wollte da nicht Abseitsstehen. Er hatte für den Pankower Teil vorsichtshalber Stützen in den Tunnel einziehen und ein Statik-Gutachten beauftragen lassen. Nun sattelt er den Umbau der Fahrbahn im Gleimtunnel auf: Parktaschen (!), asphaltierte Radspur und Kfz-Fahrspur auf Kopfstein in der Fahrbahnmitte. Die mehrmonatige Tunnelsperrung diente in erster Linie dem Groth-Bau und der Realisierung von vertraglichen Verpflichtungen des Landes ihm gegenüber. Für Groth geht oder steht in Berlin (fast) alles.

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Gleimtunnel – Geschlossen wegen Groth

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