Mauerfall und Novemberrevolution

Am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin. Ich kann mich daran gut erinnern, denn ich war dabei. Gegen 23 Uhr hielten die Grenzer den Druck der Massen nicht mehr stand und die Menschen fluteten über die Bornholmer Brücke. Das war der Anfang vom Ende der DDR … .

Weniger als einem Drittel der Bevölkerung ist dieses Datum noch geläufig. Noch viel weniger erinnern sich an andere Schicksalstage Deutschlands.

Novemberrevolution 1918

Mit dem Aufstand der Kieler Matrosen der Reichskriegsflotte begann der Aufstand gegen das Kaiserreich und die Reichskriegsregierung. Soldatenräte und Arbeiterräte übernahmen die Macht in vielen deutschen Städten.

Am 6. November war Nordwestdeutschland unter Kontrolle der Räte. Am 7. November wurde von Kurt Eisner in Bayern die Republik proklamiert. Am 8. November erreichte die Revolution Sachsen, Hessen, Franken und Württemberg. Die dortigen Fürsten dankten ab.

Am 9. November gab Reichskanzler Max von Baden unter dem Druck der Ereignisse die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt, dessen Thronverzicht u.a. die SPD-Führung gefordert hatte.

Er übergab die Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann rief daraufhin am 9. November 1918 vom Balkon des Reichstags die erste Deutsche Republik aus.

Dem gegenüber proklamierte Karl Liebknecht am Berliner Stadtschloss die „Freie Sozialistische Republik“. Er berief sich auf die Volksmassen, die Soldaten- und Arbeiterräte und die Revolution.

Der 9. November 1818 gilt als Geburtsdatum der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik. Sie war aber von Anfang an mit Webfehlern behaftet. (Spaltung der Arbeiterbewegung, Revanche der Versailler Verträge.)

Tag der Nationalsozialisten

Der 9. November galt auch den Faschisten, solange ihr tausendjähriges Reich Bestand hatte, als wichtiges Datum. Am 8. und 9. November 1923 unternahm Adolf Hitler, der Führer der Nationalsozialisten, den Versuch, die Reichsregierung zu stürzen. Doch sein „Marsch auf Berlin“ endete an der Münchner Feldherrnhalle – gestoppt von der bayerischen Polizei.

Hitlers Partei, die NSDAP, wurde daraufhin verboten. Zehn Jahre später schaffte er es unter Mithilfe bürgerlicher Parteien und der Deutschen Großindustrie auf halblegalem Wege (Ermächtigungsgesetz), man sieht die Parallelen zur heutigen Türkei, an die Macht zu gelangen. Der 9. November wurde zu einem Gedenktag der Nationalsozialisten.

Pogromnacht am 9. November 1938

Der Untergang der Weimarer Republik durch die Machtergreifung des Faschismus 1933 führte folgerichtig zu weiteren Tragödien. Am 9. November 1938 brannten die Synagogen in Deutschland. Der Weg zum Holocaust wurde vorbereitet. Im September 1939 überfiel Hitlerdeutschland Polen und brach damit den 2. Weltkrieg vom Zaum.

So bleibt ein ambivalentes Verhältnis zum 9. November. Er ist jedenfalls ein Tag, der aus vielerlei Hinsicht nachdenklich machen sollte.

Siehe auch: https://www.fes.de/hfz/arbeiterbewegung/epochen/novemberrevolution-und-weimarer-republik-1918-19-1933/novemberrevolution-und-weimarer-republik-1918-1920131933

Mancher kann sich darüber auch ein eigenes Bild machen!

Hartmut Dold

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Der 9. November – ein Deutscher Schicksalstag

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