Colosseum und Flohkino

Im Unterschied zum Kolosseum in Rom schreibt sich das Berliner Kino in der Schönhauser Allee mit C, also Colosseum. Einige haben Schwierigkeiten mit der Schreibweise wegen dem L und schreiben es doppelt, egal. Viel interessanter ist seine Historie als Spiegelbild Berliner Geschichte.

Arm und Reich

Die Kinogeschichte der Gleimstraße beginnt Ende 1912 an der Ecke Gleimstraße 71 zur Swinemünder im Wedding mit den Marga-Lichtspielen.

Nach Berliner Maßstäben würde man es als Flohkino bezeichnen. Es stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Man kennt das ja heute. Die Nachbar beschweren sich und machen Anzeigen wegen dem ungewohnten Lärm, der Bauarbeiten, dem obskuren Publikum, dem zu starken Motorengeräusch des Kinematographen und der Rauchentwicklung aus dem Schornstein.

Irgendwann war es in der Nachbarschaft akzeptiert, aber die Besitzer und die Namensbezeichnung wechselten häufig. 1934 erhielt es seinen letzten Namen als Roxy-Lichtspiele bis das Eckhaus samt Kino am Ende des 2. Weltkrieges durch eine Fliegerbombe zerstört wurde.

Colosseum

Am anderen Ende der Gleimstraße im Nord-Osten stand später das Colosseum. Es hat bis heute überlebt.

Die Geschichte des Colosseums in der Schönhauser Allee/Ecke Gleimstraße begann 12 Jahre später 1924 als Filmpalast.

Auf dem Gelände betrieb bis 1894 die Berliner Pferde-Eisenbahn ein großes Depot. Bis über 300 Pferde waren zeitweise in den Stallungen. Aus der Pferdebahn wurde nach der Elektrifizierung die Berliner Straßenbahn.

Wegen fehlenden Geldes wurde das Gelände für 20 Jahre an die Stadt Berlin verkauft. Die verpachtete die Immobilie an J. Neumann und L. Zander. Unter der Planung der Architekten Max Bischoff und Fritz Wilms erstand ein klassizistisch anmutender Bau, der 1200 Kinobesuchern Platz bot. Am 12. September 1924 wurde er unter dem Namen Colosseum eröffnet.

Wer sich für die weitere Geschichte interessiert, kann das in der Publikation Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine. Die Geschichte der Gleimstaße in Berlin*, Seite 65 ff. nachlesen. Das muss deshalb hier nicht plagiatiert werden.

In das Marga-Kino im Wedding gingen die kleinen Leute. Die Preise im Colosseum konnten sich viele nicht leisten. Während das Colosseum mit seinem Glanz die halbe Stadt anzog, bevorzugte der Kiez die Lichtspiele im Nordwesten.

Neuzeit

1992 erwarb der Berliner Filmproduzent Artur Brauner das Kino sowie die alten Gebäude des Depots auf dem Nachbargrundstück, die zur DDR Zeit von der Bezirksfilmdirektion Berlin und der Filmtheatertechnik, die die Vorführgeräte instandsetzte, genutzt wurden.

Nach den Plänen von Peter Wiesner und Thies Diez wurde das Colosseum zu einem Multiplexkino mit zehn Kinosälen umgebaut. Die alte Bausubstanz wurde wo möglich einbezogen.

1997 folgte eine gemeinsame Betreibergesellschaft mit der Cinemaxx AG. Nach der Kündigung durch die Cinemaxx AG übernahm am 1. September 2006 die Firma UCI Kinowelt den Betrieb des Kinos.

Es ist ja der Flair Berlins, dass es Geschichte hat. Wer nur eine Unterkunft sucht oder eine Wertanlage, ist eigentlich zu bemitleiden. Leider kann man diesen Leuten nicht verhindern sich einzunisten.

Die Generation der Berliner Geschichtenerzähler stirbt aus. Die Urbanität geht den Bach runter! Armes Berlin!

*Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine. Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin. BasisDruck-Verlag GmbH, ISBN 3-86163-091-5

Hartmut Dold

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Gleimstraße – Kinogeschichte