Peinliche Werbeinstallationen

Schneller als eine Kuh Muh sagen kann wächst das neue Wohngebiet nördlich des Kinderbauernhof zwischen Gleimtunnel und S-Bahn in die Höhe. Irgendwie hat man den Eindruck, das schnell Tatsachen geschaffen werden sollen. Aber es ist doch alles mit rechten Dingen zugegangen … ?

Kann man sich in eine Stadt verlieben. Man kann!

Das wir allen ernstes gefragt und gleich die Antwort gegeben.

Aber wer hat bloß die Werbeschilder der Groth-Gruppe zu verantworten? Ein Praktikant, ein grammatikalisch Bedürftiger, ein SMS Schreiber? Womöglich ein völlig Berlin Unkundiger? Aber vielleicht soll es auch nur bunter aussehen, eine Art Kalligrafie, sinnentleert und scheinbar bedeutungsschwer? Jetzt haben wir’s: Positiv, ja positiv soll es sein! Und suggestiv für …!

Aber was hat das mit den Neubauten im Mauerpark zu tun? Und wieso Berlin? Wovon reden die eigentlich?

Vom notorisch gestörten Nahverkehr, von zerbröselnden Schulen, von aufgeplatzten Straßen und Bürgersteigen, die noch vom Reichsarbeitsdienst verlegt zu sein scheinen? Vom Lärm an den Bahn Gleisen am neuen Wohnviertel?

Von der nur noch rudimentär funktionierenden Berliner Verwaltung oder den Oligarchenparteien und ihre Spender, die Berlin seit Jahrzehnten unter sich aufteilen? Von der Verschwendung von hunderten von Millionen Euro für den BER, der Staatsoper, der neuen Kanzler U-Bahn, der Museumsinsel? Oder von Goldgruben? Aha, jetzt verstehe ich endlich.

Wenn ich mich überhaupt in eine Stadt verlieben könnte, dann gewiss nicht in eine sterile, teure und unsoziale von sogenannten Investoren gebaute, die auch noch das Grün für sich reklamieren, dass sie beseitigen oder verhindern. Entleerte Innenstädte wie London, Paris, New York haben wir genug. Berlin ist auf dem Weg.

So einladend. So Berlin. Hier fühle ich mich zu Hause.

Ja geht`s noch billiger?

Gut die Sanddünen, Aushübe und Baukräne werden irgendwann weg sein. Aber wer wird dort wohnen. Wer kann sich das leisten? Und was bedeutet das für den Mietspiegel der angrenzenden Wohngebiete.

Kleiner Auszug aus einer So Berlin Liste: http://www.so-berlin.de/RealEstate/Formularsuche

Über die restlichen Mietwohnungen ist bisher bekannt, dass 122 Sozialwohnungen an die Gewobag gehen, die diese für über 20 Mio. € der Groth-Gruppe abkauft und die mit 8,1 Mio. € vom Land Berlin aus den Landeshaushalt subventioniert werden, damit die Mieten für WBS-Berechtigte bezahlbar sind.

Über die Quadratmeterpreise der restlichen 165 Mitwohnungen und 193 Studentenappartements an der S-Bahnseite und gegenüber dem Gesundbrunnen ist noch nichts endgültiges bekannt. Unter 10 Euro Nett0 kalt wird es wohl nichts geben.

Gleich neben an, am Eichenwäldchen bauen die „Freunde des Mauerparks„, unterstützt von der „SIK Holzgestaltungs GmbH“ und einer Gruppe syrischer Flüchtlinge aus der Sporthalle Malmöer Straße ehrenamtlich den Regenbogenspielplatz wieder auf. Ein Spielplatz, der vermutlich auch von den Neuberlinern aus dem neuen Wohngebiet genutzt werden wird. Das ist für mich „So Berlin“.

Über eine Spende des Großinvestors ist bisher nichts bekannt, obwohl es Peanuts wären. Die sollte allerdings auch anonym bleiben. Ich fürchte die „Freunde des Mauerparks“ würden sie sonst gar nicht annehmen.

Hartmut Dold

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Kranballett im Mauerpark

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