Gründe für das Aufkommen der AfD

Es wir uns gerne weisgemacht, dass für das Aufkommen des Rechtspopulismus, wie in Deutschland die AfD, der Islam oder generell eine Überfremdungsangst die Hauptursache ist. Das spielt sicher eine große Rolle. Die Ursache ist sie nicht.

Schon bei den letzten Wahlen konnte man erkennen, dass der Hauptanteil der AfD-Wähler aus der bisherigen Nichtwählerschaft kam. Von Leuten also, die sich durch das herrschende Parteienkartell nicht mehr vertreten fühlten. Das sind nicht nur Protestwähler, die bei den nächsten Wahlen ihr Kreuz wieder bei den Piraten oder anderen machen, wie so manche glauben möchten.

Die Hauptursache liegt in Deutschland bei der Prekarisierung weiter Bevölkerungsschichten in Folge der Hartz-IV Gesetze, der Liberalisierung des Arbeitsmarktes durch Leiharbeit und Arbeitnehmerüberlassung, durch die Legalisierung von befristeten Arbeitsverträgen und der Entfesselung der Finanzmärkte unter Mithilfe deutscher Sozialdemokraten, den Grünen, und von CDU und FDP. Es drohen Altersarmut und der Verlust der Wohnung in den Innenstädten.

In Frankreich wurden jetzt unter Umgehung des Parlaments ebenfalls so genannte „Arbeitsmarktreformen“ beschlossen. Sie werden Frankreich nichts nutzen, weil sie im Wettbewerb nach unten zu spät kommen und zynischerweise nicht radikal genug sind.

Alternativlos?

Das alles wurde uns als alternativlos verkauft. Aber eigentlich ging es nur um ein altes Spiel. Gier und Profitsucht schlägt soziale Verantwortung und politische Vernunft. Der Neoliberalismus raubte so in letzter Konsequenz den Traditionsparteien wie der SPD ihre soziale Basis.

Jetzt ist das Gejammer groß! Deshalb muss ein Popanz her! Der wurde aufgeblasen, indem die Flüchtlinge ins Land gelassen wurden. Die Zivilgesellschaft hat sich dem in bravouröser Form angenommen. Die Medien solange es ein Live-Event war, dann kippten sie um und machen seit dem Stimmung dagegen.

Damit bekommen die Altparteien aber ihre Wähler nicht zurück. Irgendwann werden sie die AfD hoffähig machen, erst mal in einigen Bundesländern. Man wird sehen!

Es mag sein, dass beim Beschluss zur temporären Öffnung wirtschaftliches Kalkül eine Rolle gespielt hat. Billiger geht immer und Konkurrenz belebt das Geschäft. Ganz im Sinne des Lohndumping und des Schwarzmarktes.

Umarmungen

Jetzt entdecken beispielsweise die Sozialdemokraten wieder den kleinen Mann oder die kleine Frau. (Wertekonferenz). Das ging ziemlich nach hinten los. Der große Vorsitzende lies sich von einer Putzfrau sozialdemokratische Politik erklären. Sehr erfrischend!

Gleichzeitig wollen sie in die Mitte, die es schon lange nicht mehr gibt. Aber die von ihnen mitverantwortete neoliberale Agenda spricht andere an. Gepaart mit der vermuteten oder realen Angst vor dem Abstieg, oder weil sie ihn schon hinter sich haben, laufen sie Verführern nach, die echte Solidarität anstatt Parteibuch-Freundschaft versprechen. Sie wähnen sich als „Neue Mitte der Gesellschaft“.

Mensch und Markt

Während der Neoliberalismus den christlichen und sozialdemokratischen Parteien Identität und Orientierung nimmt, beflügelt er den Aufstieg der neuen Verführer: Soziale Wärme, Gemeinwohl, Solidarität, Volksgemeinschaft, Umweltschutz und die Familie im Mittelpunkt – wer hätte das nicht gern in Zeiten wie diesen! Und wer täglich in einem Existenzkampf steht oder ihn schon verloren hat, empfindet die Ausländer und die Flüchtlinge als Bedrohung und die EU-Politik als Instrumentarium einer universalen Elite von Besatzern.

Der Schoß ist fruchtbar noch

Bertolt Brecht, dem man einen Sinn für geschichtliche Gleichnisse wohl nicht absprechen kann, titelte in seiner Hitler-Farce „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Noch sind die rechten Populisten wie: Le Pen, Orbán, Trump, Wilders, Hofer und Petry recht freundliche Leute. Sollte sich die wirtschaftliche Elite für nützliche Idioten entscheiden, könnte es auch anders ausgehen.

Zurück zur Kausalität

Im formalen wie juristischen Sinne ist Kausalität die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, betrifft also die Abfolge aufeinander bezogener Ereignisse und Zustände.

Ganz so einfach machen es sich die verschiedenen philosophischen Schulen und Systeme nicht.

Im Dialektischem Materialismus beispielsweise, der übrigens der historischen SPD nicht ganz unbekannt sein müsste, wird von inneren Widersprüchen und Entwicklungen im Zusammenhang mit äußeren Ursachen und Gegebenheiten gesprochen, die sich wechselseitig beeinflussen. Das Verhältnis von äußeren und inneren Ursachen ist dabei relativ: was für ein System innere Ursache ist, kann für ein anderes System äußere Ursache sein und umgekehrt. (Dialektik)

zurück zu Marx?

Ein typisches Beispiel für historische Dialektik war für Karl Marx das System von Produktionsverhältnissen (Eigentumsverhältnisse und politische Verfasstheit (PV), der eher starren Form gesellschaftlicher Verhältnisse und Produktivkräften (PK), die stetig vorwärts drängen.

Unter bestimmten Bedingungen, Krieg, Revolution, Hunger, Massenarbeitslosigkeit, Diktatur wälzt sich dieses Verhältnis um und neue Produktionsverhältnisse können entstehen.

Die Produktivkräfte – digitale Revolution, technologische Revolution 2.0, Weltmarkt u.a.m. drängen nach vorn. Die PV antworten mit Raubbau an menschlichen und natürlichen Ressourcen, Militarisierung, Ideologisierung und Nationalismus.

Mal abwarten und überleben! Was weiss ich denn schon?

Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Basis_und_%C3%9Cberbau

Und: http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/prod_verhaltn.html

P.S. Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und muss nicht unbedingt mit der der Mitglieder des BV übereinstimmen. Es wird wohl der letzte sein. Danke!

Hartmut Dold

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Das Gesetz der Kausalität – Kommentar

2 Gedanken zu „Das Gesetz der Kausalität – Kommentar

  • 20. Mai 2016 um 16:36
    Permalink

    Vielen Dank für die Aufmunterung. Bin diesmal ganz ihrer Meinung. Soweit auseinander liegen wir gar nicht.

    Beste Grüße

  • 20. Mai 2016 um 10:31
    Permalink

    Lieber Hartmut Dold,

    man muss ja nicht immer einer Meinung sein, und kann sich trotzdem gern lesen! Tatsächlich ist Meinungsvielfalt wichtig, denn die Parteien versuchen, Kommunikation zu lenken, abzuschotten.
    Aus eben diesem Grunde gibt es die Pankower Allgemeine Zeitung!

    Ich lade herzlich ein! Autorenbeiträge sind Willkommen!

    herzliche Grüße
    Michael Springer

    P.S: Für Beiträge politischer Organisationen empfiehlt sich ein „Politiker-Abo“.Wir
    setzen damit Mindestlohn/50% Frauenquote und Presse-Finanzierung um! Ein guter Weg, um
    aus Wahlkampfspenden Politik zu machen! 29 € + MWST. Social-Business-Tarif für eine
    unabhängige Plattform sollten für kommunale plurale Meinungsvielfalt schon drin sein!

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