Von echten und unechten Maulwürfen

Die Aufregung wegen eines Maulwurfs bei der Mauerpark-Allianz hat mich im Urlaub erreicht. Plötzlich war mein Mailing voll von empörten Stellungnahmen wegen der STÖBE-Affäre. So richtig überrascht bin ich nicht davon.

Bereits vor 2 Jahren, ziemlich um die gleiche Jahreszeitzeit, habe ich folgendes geschrieben:

„Während wir noch unsere Plakate malen, Pappschilder hochhalten und T-Shirts drucken, ist die Gegenseite schon wesentlich weiter. Sie plant professionell die Vereinnahmung von Bürgerinitiativen und beginnt mit der Vermarktung dieser neuen Dienstleistung.“ (http://www.gleimviertel.de/archives/19690)

Natürlich benötigt man dazu eine Gegenspionage und schickt geeignete Söldner ins Lager der Bürgerinitiativen, Maulwürfe eben.

Am besten kommt der Maulwurf noch in der tschechischen Zeichentrickserie von Zdenek Miler: „Der kleine Maulwurf“ weg, von der es zwischen 1957 und 2002 immerhin 64 Folgen gab. Sehr niedlich und mit Lebensweisheit.

Im Unterschied zu echten Maulwürfen, einer Säugetierfamilie aus der Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla), deren Nützlichkeit zwar auch umstritten aber weitgehend akzeptiert ist, sind menschliche Maulwürfe eher zwielichtige Gestalten. Man trifft sie gemeinhin im Spionagemilieu.

Googelt man zum Begriff Maulwurf findet man außer zu den wenigen Einträgen zum Gattungsbegriff eher massenhaft Vorschläge und Ratgeber zu deren Bekämpfung.

Menschliche Maulwürfe scheinen sich dagegen bei ihren Auftraggebern großer Beliebtheit zu erfreuen. In der DDR war der Auftraggeber die Stasi und die Maulwürfe hießen informelle Mitarbeiter. Ihr materieller Lohn war eher gering. Meist wurde mit Erpressung gearbeitet.
Beobachten, analysieren und zersetzen hieß in der Regel ihr Auftrag.

Heute sind die Auftraggeber neben den Diensten meist private Unternehmen. Was früher Propaganda hieß, heißt heute PR.

Allgemein gibt der Auftraggeber des Maulwurfs, dessen Namen wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen möchten, auf seiner Webseite hinsichtlich seiner Ziele kund:

„Wir identifizieren Aktivisten und politische Akteure, analysieren das Gefährdungspotential durch vorhandene Initiativen und entwickeln passende Partizipationsstrategien und Kommunikationslösungen für alle Eventualitäten.“

Im Falle Mauerpark wird man sogar noch konkreter. Hier lässt man verlauten:

„Ziel unserer Arbeit war es […] den Rückhalt der Bebauungsgegner sowohl in der Presse als auch bei den Anwohnern zu schwächen, und so in der Öffentlichkeit die Grundlage dafür zu schaffen, dass trotz erfolgreichen Bürgerbegehrens gebaut werden kann, ohne dass es zu weiteren Störmanövern kommt.“

Das klingt auch nicht groß anders als bei den DDR-Diensten, oder? Aus Stasiakten kennt man die Allmachtsfantasien der einschlägigen Mitarbeiter und deren Vorgesetzten. Die haben sich über die naiven Bürgerbewegten und die Oppositionsbewegung eher lustig gemacht, weil sie genug Spitzel dort hatten. Aber hat es ihnen am Ende was genutzt?

Die Frage ist doch nur, ob sich der Senat wissentlich und willentlich und mit Geld der Bürger an solchen Kommunikationsstrategien beteiligt und sie gutheißt.
Aber wahrscheinlich ist diese Frage schon zu naiv gestellt, so wie der Glaube von BI unter sich zu bleiben, wenn wirtschaftliche und politische Interessen ab einer gewissen Größenordnung berührt werden.

siehe auch: http://pankowermieterprotest.jimdo.com/2016/04/04/pr-agenturen-gezielt-gegen-b%C3%BCrgerinitiativen/

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Maulwurfaffäre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.