Im Urlaub gelesen

In der Regel kann man Bücher am Stück nur lesen, wenn man Urlaub hat; besonders, wenn es sich um dicke Wälzer handelt. Meine Lektüre der letzten 2 Wochen waren: Das Spiel des Engels von C. R. Zafon: Der Diktator von R. Harris über Cicero (Trilogie) und: Der Friedhof in Prag von U. Eco, dem leider vor kurzem verstorbenen Erfolgsautor von Der Name der Rose.

Aus aktuellem Anlass ( Maulwurfaffäre) möchte ich mit dem Friedhof beginnen. Eco beschreibt in seiner eigenen Sprachbrillanz das Spitzelwesen, die Untergrabung von revolutionären Bewegungen und das Schüren von nationalistischen und rassistischen Vorurteilen durch Geld und Macht.

Hier ging es um die Geschehnisse innerhalb eines halben Jahrhunderts. Der Zeitrahmen reicht von den revolutionären Empörungen der 40-er Jahre des 19. Jh. über die garribaldische Bewegung zur Einigung Italiens in den 60-er Jahren bis zum Zusammenbruch des französischen Kaiserreiches unter Napoleon III, den Ereignissen um die Pariser Kommune 1871 bis zur Dreyfus-Affäre Ende des 19. Jh.

Schwerverdauliche Kost, zumal der Erzähler mehrfach die Perspektive wechselt. Ideal geeignet für alle Verschwörungstheoretiker, genauso wie für deren Kritiker. Brot und Spiele fürs Volk, den Rest erledigen die da oben durch Geld, Krieg oder Mord. Sehr pessimistisch!

Im letzten Band der Cicero Trilogie Diktator von Robert Harris, die vom Übergang der alten Römischen Republik in eine Kaiserdiktatur handelt, ist mir mal wieder das Problem eines Triumvirats aufgefallen. Zum Schluss kann es nur Einen geben!

Cäsar schaltete erst Crassus und dann Pompeius aus. Anfang 44 v. Chr. wurde er vom von ihm selbst bestimmten Senat als Diktator auf Lebenszeit ernannt. Kurze Zeit später wurde er von Anhängern der Republik ermordet. (Brutus).

Das darauffolgende Triumvirat beendete Octavian, indem er seine Mitkonsuln Lepidus und Marcus Antonius (Kleopatra) ausschaltete. Er regierte dann als Kaiser Augustus.

Ähnliches geschah nach der französischen Revolution von 1789. Hier setzte sich Napoleon durch einen Staatsstreich 1799 gegen seine Mitkonsuln Sieyes und Dycos und gegen die verfassunggebende Versammlung durch und lies sich für 10 Jahre ähnlich Cäsar zum 1. Konsul wählen. Schon Ab 1804 war er dann Kaiser Napoleon, der Ursupator, der ganz Europa verwüstete. Allerdings waren seine gesetzgeberischen Hinterlassenschaften ( Code Napoleon) bemerkenswert.

Nun will ich die Berliner SPD und ihr bisheriges Triumvirat nicht mit der Weltpolitik vergleichen – viel zu klein und kleinkariert. Klar ist aber das Müller auch den Parteivorsitz anstrebt und bekommen wird. Da waren ’s nur noch zwei. Ein Furz! – nicht mehr.

Den Roman von Carlos Ruiz Zafon Das Spiel des Engels habe ich mit großem Genuss gelesen. Man muss sich allerdings darauf einlassen. Der Ort der Handlung, das Barcelona am Vorabend des Spanischen Bürgerkrieges, ist nicht jedermanns Geschmack und braucht Vorstellungskraft.

Alle, die schon Der Schatten des Windes oder der Gefangene des Himmels gelesen haben wissen, worauf sie sich einlassen. Ich persönlich halte ihn aufgrund seiner fulminanten Wortbilder, der spannend aufgebauten Geschichten und wegen der philosophischen Tiefe für einen zukünftigen Nobelpreisträger – wenn es denn in die Zeit passt.

Folgende Weisheiten sind mir erinnerlich:

In einem Gespräch mit seinen diabolischen Verleger erklärt dieser ihm seine Sicht der Dinge: „Es ist die alte Geschichte. Sage mir für wen Du dich hältst und ich sage dir, was dir fehlt. Der Inkompetente tritt immer als Fachmann auf, der Grausame als Barmherziger, der Sünder als Frömmler, der Wucherer als Wohltäter, der Schäbige als Patriot, der Arrogante als Demütiger, der Plebejer als edler Herr und der Einfaltspinsel als Intellektueller“. ( Das Spiel des Engels, Seite 278, S. Fischer Verlag 2008)

Dem bleibt wenig hinzuzufügen.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Literatur

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