Willkommen in der neuen Platte

In der DDR und in Berlin(Ost) herrschte Wohnungsnot. Deshalb wurden Plattenbaubetriebe errichtet und in den 70-er und 80-er Jahren Wohngebiete wie Marzahn und Hellersdorf hochgezogen. Aus dem gleichen Programm gab es Schulen, Kitas und Jugendclubs. Jetzt gibt es MEB’s oder MUF“s.

MEB steht für modulare Ergänzungsbauten. Sie haben, sofern sie Schulen sind, in der Regel eine dreigeschossige Fassade, die Farbe kann man sich auswählen. Innen breite Flure, viel Glas, barrierefreie Toiletten, ein Aufzug und 24 Klassen- und 12 Gruppenräume. Spezialräume für Chemie und Physikunterricht gibt es nicht.Die ersten MEB’s rochen noch wochenlang. Das soll sich jetzt gebessert haben.

17 Fertigteil-Schulen gibt es schon in Berlin. Gerade hat das Abgeordnetenhaus weitere Ergänzungsbauten an 30 Standorten beschlossen. Bis Ende 2017 sollen laut Bildungssenatorin Scheeres (SPD) in solchen Bauten 380 Klassen einrichten und dafür über 180 Millionen Euro ausgeben werden. Herkömmliche Schulbauten wären erst nach acht Jahren Planungs- und Bauzeit fertiggestellt und deutlich teurer.

Kritische Bürger, zu denen wir natürlich nicht gehören, würden von fulminanter Fehlplanung und demografischer Fehleinschätzung sprechen, aber davon gibt es schon soviel in Berlin, dass die MEB’s kaum noch auffallen. Visionäre Stadtpolitik – nicht für Berlin!

Deshalb müssen die modularen Ergänzungsbauten schöngeredet werden. Die knallige Farbe, viel Licht und Glas, die geringen Kosten. Die verantwortlichen Politiker sind dann eh nicht mehr da.

Gute Schulen standen in der Vergangenheit rund 100 Jahre oder länger, wenn sie gepflegt und saniert wurden. Wie lange werden die Module kreisen? Ich habe ein schlechtes Gefühl. Irgendwann entdeckt Jemand krebserregende Stoffe oder Ähnliches. Und dann …!

Containerlager und MUF’s

Dreißig „Containerdörfer“ zur Unterbringung von jeweils bis zu 500 Flüchtlingen sollen in den kommenden Monaten berlinweit auf landeseigenen Grundstücken entstehen. Die dafür nötigen Mittel in Höhe von 78 Millionen Euro hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses bereits freigegeben.

Laut der von der Senatsverwaltung für Finanzen veröffentlichten Liste sollen vier „Containerdörfer“, die nach drei Jahren wieder abgebaut werden, sowie fünf sogenannte „Modulare Unterkunft für Flüchtlinge“ (MUF) in den kommenden Monaten im Bezirk Pankow errichtet werden. Diese sollen mindestens 60 Jahre halten.

Berlin wird modular!

Siehe auch: http://www.prenzlberger-stimme.de/?p=101387

Hartmut Dold

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