Ein Plädoyer für Berlin – Mit Schmerzen

Ist Berlin eine failed Stadt? Das behauptet jedenfalls eine gewisse A. Reimann von Spiegel Online, der sich, ganz im Sinne seines Mutterblattes, in aggressiven Schlagzeilen gern hervor tut. Angeblich hat der Artikel große Wellen geschlagen. Aber was ist wahr daran und was billige Polemik?

Leider gibt es viele Beispiele für das Versagen des Berliner Politikmanagements, der Senatsbehörden und der Bezirksämter. Der Blackout in der Flüchtlingskrise durch das Lasego, die Dauerbaustelle BER und das Verbrennen von Geld bei anderen Baustellen (Staatsoper, Museumsinsel). Die teilweise unzumutbare Situation bei der Berliner S-Bahn, der Zustand der Schulen und nicht zu Letzt die Situation in den Bürgerämtern. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen, aber wem hilft das.

In unserem Blog haben wir auf die Berliner Missstände schon oft hingewiesen und an drastischer Kritik nicht gespart.

Wer aber den Zustand von Politik und Verwaltung mit einem Failed State vergleicht, also mit Somalia, Libyen, Südsudan oder Syrien, hat entweder von Politik keine Ahnung oder handelt bewusst provokativ und journalistisch obszön in gleicher Weise. Derartig auf Berlin einzuhauen ist mir dann doch zu billig!

Gewiss, es gibt viel zu ändern. Von A für Asylpolitik bis Z für Zwangsräumungen. Nicht alles ist dem Senat anzulasten, sondern auch Ausfluss des gewählten Wirtschaftssystems und der Bundespolitik. Entscheidend für Berlin waren die über 60 Milliarden Schulden, die durch die Pleite der Berliner Landesbank durch Immobilienfehlspekulationen angehäuft wurden.

In der Folge einer rigorosen, nicht an den Aufgaben bemessenen Fiskalpolitik wurde die Verwaltung kaputtgespart. Das konnte einigermaßen funktionieren, so lange die Einwohnerzahl stagnierte oder sank.

Jetzt geht die Post in eine andere Richtung ab. Das haben noch nicht alle richtig begriffen, aber Ansätze, wie den neuen Doppelhaushalt gibt es schon. Schwerer wird es die politische Bunkermentalität und die gibt’s Du mir geb ich Dir Praxis zu beschneiden.

Berlin ist keine gefallene Stadt, auch nicht arm und sexy – vielleicht ist sie die Stadt der gefallenen Engel. Das hört sich viel poetischer an und ist auch Titel eines Jugendromans.

P.S. : Wer sich auf den Autor verlinken möchte, darf auch folgende Website verwenden: http://newstral.com/de/people/14903653/hartmut-dold

Hartmut Dold

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Berlin – Eine gefallene Stadt?

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