Wie ist die Lage ?

Die Nutzung von Fernwärme gilt im Allgemeinen als ökologisch sinnvoll , fällt sie doch automatisch bei der Stromproduktion an. Gerne verwiesen wird auf den hohen Wirkungsgrad einer Kraft-Wärme-Kopplung mit einer Brennstoffnutzung von 75 bis 90 Grad gegenüber der herkömmlichen Stromerzeugung von ca. 40 bis 50 Grad. Der Vorteil liegt vor allem im geringerem CO2 Ausstoß. Er soll laut Vattenfall pro Wohneinheit, im Vergleich zu Gas, 1 Tonne CO2 weniger im Jahr betragen.

Der Vorteil liegt aber wohl auch bei Vattenfall, lässt sich doch so die überflüssige Abwärme ökonomisch sinnvoll nutzen. Dem Versorgten kann’s egal sein, solange die Preise stimmen, mal abgesehen vom Lärm und den Verkehrseinschränkungen bei der Verlegung der Ferwärmetrasse.

Aber es gibt noch eine Gefahr! Hat man sich entschieden, auf diese Art zu heizen, bindet man sich an einen Anbieter, der ein Monopol besitzt.

Noch ein Argument ist zu beachten!

Nicht unwichtig für die Umweltbilanz ist, wo die Fernwärme herkommt, und wie sie erzeugt wird.

Das Gleimviertel und der Prenzlauer Berg sollen ihre Wärme aus den Kraftwerken Mitte und Klingenberg erhalten. Letzteres gilt in Sachen Umwelt gegenwärtig nicht unbedingt als vorbildlich. Das in Lichtenberg/Rummelsburg gelegene, 1925 erbaute und mehrmals modernisierte Kraftwerk, erzeugt seinen Strom überwiegend aus Braunkohle aus der Lausitz, das mit dem Schiff antransportiert wird (Grundlast), und aus Gas(Spitzenlast). Erst ab 2019, so das Konzept von Vattenfall und Senat, soll die Strom-und Wärmeerzeugung durch zwei kleinere Biomasse-Kraftwerke mit je 20 MW Leistung und einem größeren Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk erfolgen.

Dem gegenüber gilt das 1994/96 gebaute Kraftwerk Mitte als modern und zukunftsweisend.

In dem Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk(GuD) werden elektrische Energie und Fernwärme in Kraft-Wärme-Kopplung durch mit Erdgas betriebene Gasturbinen erzeugt. Die Luftverschmutzung soll durch die gewählte Bauweise vergleichsweise niedrig sein. Die Heizleistung des HKW Mitte reicht mit 398 MW um ca. 600 000 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen. Gleichzeitig werden gegenwärtig 440 MW Strom erzeugt.

Eine Alternative zu den großen HKW stellen dezentrale Block-oder Miniblockheizkraftwerke dar. Auch sie nutzen das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und haben den Vorteil eines minimierten Leitungsverlustes, der bei zentraler Fernwärme bei etwa 10 bis 15 Prozent liegt.

Es soll gegenwärtig ca. 400 BHKW in Berlin geben, fast alle Heiztechnikhersteller bieten sie inzwischen an.
Mini-Blockheizkraftwerke sind etwa kühlschrankgroß und erzeugen Energie und Wärme mittels einem Sterlingmotor, der mit Gas arbeitet.

Wie sieht hier die Kosten-und Energiebilanz aus?

Diese Frage ist umstritten hängt sie doch von der Größe der Anlage ab. Für wärmere Tage sind sie meist überdimensioniert, für tiefere Temperaturen müssen „Wärmespitzen“ vorgehalten werden, was die Gesamtbilanz verschlechtert. Eine endgültige Bewertung steht noch aus, zumal KWK-Anlagen generell subventioniert werden.

Das betrifft aber auch die GuD, also die „großen“ Gas-und Dampf-Kombikraftwerke! Zahlen wir subventionierten Strom und subventionieren wir Fernwärme als Steuerzahler oder Abnehmer?

Wer zahlt die Zeche, wer macht Gewinn?

Fragen über Fragen!

Hartmut Dold

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Fernwärme in Berlin II: Pro und Kontra

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