Der Nahe Osten – schon immer umkämpft

Der Nahe Osten gilt als die Wiege der Zivilisation, erste Stadtgründungen gab es vermutlich bereits vor 10.000 Jahren (Jericho, Çatalhöyük). Als älteste Siedlung mit Urbanität gilt den Sumerern Eridu rund zwei tausend Jahre später. Schon immer galt er als Spielball staatlicher Interessen. Auf die Bevölkerung wurde kaum Rücksicht genommen.

Kurzer Abriss der Geschichte –  Kapitel I: Antike

Vorgeschichte

Bekannt ist die Auseinandersetzung von Ramses II. mit dem Hethiterreich im heutigen Anatolien gelegen. Von der Schlacht bei Kadesch (Nordsyrien) zwischen dem Pharao und dem hethitischen Großkönig Muwatalli II, die vermutlich Remis endete, gibt es Berichte auf Tontafeln in Keilschrift, ägyptische Papyri und eine Schilderung im Tempel von Karnak.

15 Jahre später und nach wechselnder Kriegsgeschichte wurden die Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und den Hethitern 1264 v. Chr. durch Unterzeichnung des ersten bekannten Friedensvertrages (Ägyptisch-Hethitischer Friedensvertrag) beendet. Der Vertrag ist auf den 31. Oktober datiert. Auszüge bzw. eine Kopie des Vertrages befinden sich im UNO-Gebäude in New York.

Später bestimmten vor allem Auseinandersetzungen zwischen dem Assyrern und dem Neubabylonischen Reich die Region. In diese Zeit fällt auch der Fall Jerusalems, die Zerstörung des Tempels der Juden und ihr Exodus nach Babylon duch Nebukadnedzar II. um 587 v. Chr.

Alexander der Große und die Diadochenreiche

In der Antike ist der Nahe Osten vor allem durch die Feldzüge des Makedonen Alexander des Großen bekannt. Er rang das persische Großreich unter Dareios den III. nieder und scheiterte erst in Indien.

Nach seinem Tod in Babylon 323 v. Chr. wurde das Reich unter seinen Diadochen aufgeteilt. Ptolemäus erhielt Ägypten, Thrakien fiel an Lysimachos, Eumenes erhielt das noch zu erobernde Kappadokien und Lykien, Pamphylien sowie Pisidien gingen an Antigones und Seleukos wurde Kommandeur der Elitekavallerie der Hetairen.

Mit Ausnahme Ägyptens waren die Grenzen der jeweiligen Machtbereiche ständig im Fluss. Als Ergebnis der Kämpfe hatten sich drei große Nachfolgestaaten gebildet, die bis zum Auftreten Roms im 2. Jahrhundert v. Chr. Bestand haben sollten: das Ptolemäerreich in Ägypten, das Seleukidenreich in Kleinasien und das Antigonidenreich in Griechenland.

Römische Provinzen

Vor 2000 Jahren waren der Nahe Osten, Ägypten und Teile des Zweistromlandes unter Kontrolle des Römischen Reiches. Zu Zeiten von Jesus Christus waren Palästina, Judäa und Samaria römische Provinz. Der Statthalter Pontius Pilatus residierte in Caesarea in der Nähe des heutigen Ashdod am Mittelmeer. Im Norden erstreckte sich die Provinz Syria mit der Hauptstadt Antiochia, dem heutigen Antakya, bis in die heutige Türkei.

In den Jahren 66 bis 67 n. Chr. erhoben sich die Juden gegen die römischen Herrschaft. Der Volksaufstand endete mit der vollständigen Zerstörung Jerusalems und des II. Tempels durch römische Legionen unter Titus, dem Sohn des römischen Heerführers und späteren Kaiser Vespasian, der das Kolosseum in Rom erbauen lies.

In der späteren römischen Zeit wurde die Region von römisch-persischen Kriegen geprägt. Die militärischen Auseinandersetzungen begannen mit der Gründung  des Sassanidenreichs im 3. Jahrhundert n. Chr. und fanden erst mit dem Sieg des oströmischen Kaisers Herakleios 628/30 einen Abschluss.

Besonders intensiv waren die Kampfhandlungen zu Zeiten Schapurs I. (240/42–270), Schapurs II. (309–379), Chosraus I. (531–579) und Chosraus II. (590–628). Dabei gingen die Angriffe sowohl von römischer wie von persischer Seite aus.

Nach dem letzten und größten römisch-persischen Krieg (603–628) wurden die beiden erschöpften Großreiche ein Opfer der Expansion der Araber. Diese vernichteten das Sassanidenreich und eroberten die römischen Orientprovinzen. Dieses Ereignis wird von vielen Historikern als das endgültige Ende der Antike angesehen

Kurzer Abriss der Geschichte –  Kapitel II: Mittelalter

Zeit der Kreuzzüge und historische Parallelen ( 11. und 12. Jahrhundert)

Es befällt mich immer klammheimliche Freude, wenn ich vermeintliche historische Analogien zu entdecken vermag. Hier die Testosteron gesteuerten jungen arabischen Flüchtlinge, die das Abendland überfluten. Dort die arbeitslosen Ritter, die wegen der Erbfolge im frühmittelalterlichen Europa unnütz wurden. Dazu kam eine aggressive christliche Missionierungsmission mit dem Versprechen von Grundbesitz und Schätzen im Heiligen Land.

Irgendwie klingt das realer als der Selbstmordtod im Sprengstoffgürtel und die 100 Jungfrauen im Paradies. Aber Jedem das Seine. Die religiöse Masche ist austauschbar.
Egal wie, die Kreuzfahrerschaft und ihre Reiche dauerten nur knapp 200 Jahre. Interessanter Weise war der Eroberer Jerusalems Sultan Saladin ein Kurde. Sein Vater wurde im heutigen Armenien geboren.

Saladin

Zwischen 1187 bis 1189 eroberte er weite Teile der Kreuzfahrerstaaten, Tripolis und Antiochia. Erst der Dritte Kreuzzug unter Richard Löwenherz konnte ihn daran hindern, die Kreuzfahrerstaaten vollständig zu vernichten. Das haben dann seine Nachfolger getan.

Sein Mausoleum befindet sich heute unmittelbar vor der Umayyaden-Moschee in Damaskus, wenn es denn inzwischen nicht zerstört ist?

Die Dynastie der Zengiden, der Saladin angehörte, führte den orthodoxen Sunnismus in Syrien wieder ein, um die Macht der Schiiten einzugrenzen. Das erklärt vielleicht heutige Probleme.

Zwischenspiel – Assassinen

Zwischen dem Ende des 11. Jahrhunderts und der Mitte des 13. Jahrhunderts  war in Persien und in Syrien eine nizaritisch-ismailitischen Sekte aktiv, die durch ihre Mordattentate auf politische Gegner Angst und Schrecken verbreitete. Die Angehörigen dieser Bewegung brachten im Nahen Osten verschiedene Bergfestungen (z. B. Alamut und Masyaf) in ihren Besitz und terrorisierten von dort aus ihre Umgebung. Ihre Attentäter, die manchmal auch in Gruppen auftraten, wurden „Opferbereite“ genannt, weil sie bei den Aktionen meist selbst den Tod fanden.

Die Bezeichnung Assassinen leitet sich wahlweise von dem arabischen Namen für Haschischesser oder aus dem italienischen für Mörder oder Selbstmordattentäter ab. Die Imam-Dynastie von Alamut, der bekanntesten Bergfestung, setzte sich unter dem legendären Alten vom Berg bis zum Jahre 1256 fort. Dann wurde sie von den Mongolen unter Hülegü, einem Enkel Dschingis Khans, dem die Gebiete bis zum Mittelmeer zugesprochen wurden, geschleift.

Mongolensturm

Die Zengidendynastie und Persien brachen unter dem Sturm der Mongolen Mitte des 13. Jahrhunderts auseinander. Unter dem Khan Hülegü (1256–65) wurde die Dynastie der Ilchane begründet. Bagdad brachten die Mongolen 1258 nach kurzer Belagerung gewaltsam unter ihre Herrschaft. Damit endete schließlich auch das Kalifat der Abbasiden in Bagdad.

Ein weitere Vorstoß der Mongolen unter dem Heerführer Kitboga gegen Ägypten und Syrien misslang. Inzwischen hatte sich der Mameluke Baibars I. der ägyptischen Königsherrschaft der Ayyubiden bemächtigt und sie in der Schlacht von al-Bira 1273 vernichtend geschlagen.

Mameluken

Baibars begann seinen Eroberungszug gegen die Kreuzfahrerstaaten 1265 und nahm nacheinander Caesarea, Haifa und Arsuf ein. Im Folgejahr fielen auch Safed und Toron in seine Hände. Da um diese Zeit auch der Il-Chan Hülegü gestorben war, ergriff Baibars die Gelegenheit zu einem Angriff auf das armenische Königreich von Kilikien, das mit dem Il-Chanat verbündet war. In der Schlacht von Mari (24. August 1266) wurde das Heer der Armenier vernichtend geschlagen, woraufhin die Mameluken Kilikien verwüsteten und ausplünderten. 1271 eroberte er die als uneinnehmbar geltende Burg der Kreuzritter Krak des Chevaliers nach langer Belagerung  durch List.

Im Frühjahr 1268 führte Baibars seinen zweiten großen Schlag gegen die Christen. Anders als Saladin vor ihm führte er gegenüber den Kreuzfahrern an den Küsten Syriens, Libanons und Palästinas eine Politik der verbrannten Erde: Er ließ die eroberten Hafenstädte der Kreuzfahrer völlig zerstören, die Befestigungen schleifen, die Bevölkerung massakrieren, vergewaltigen und versklaven.

Der gesamte Küstenstreifen hatte danach (1292) keine größeren Städte mehr, die den Kreuzfahrern als Basis hätten dienen können.

Baibars gilt deshalb als der eigentliche Begründer des ägyptisch-syrischen Mamelukenstaates, der bis zur osmanischen Eroberung 1517 Bestand hatte.

Zwischenspiel – Tamerlan

Der mongolische Eroberer Tamerlan oder Timur Lenk, der Lahme, hat die seldschukische Eroberung des Nahen Ostens im 13. und 14. Jahrhundert entscheidend verzögert. Seit 1380 begann er die Eroberung des Südens von Chorasan, Irans und Iraks. Die lokalen Dynastien wurden dabei weggefegt.

1398 eroberte er Dehli, 1401 fielen Damaskus und Bagdad in seine Hände. 1402 fügte er – zu dem Zeitpunkt schon fast blind – dem osmanischen Heer unter Sultan Bayezid I. in der Schlacht bei Ankara eine der schwersten Niederlagen in dessen Geschichte zu.  Bayezid starb in mongolischer Gefangenschaft.

Osmanen

Seit dem 16. Jahrhundert geriet der Nahe Osten einschließlich Ägypten unter osmanischer Kontrolle. Neben der Besetzung weiter Gebiete des Balkans konnte die Westexpansion nur knapp zweimal vor Wien gestoppt werden. Über 300 Jahre blieb der Balkan unter türkischer Vorherrschaft.

In dem machtpolitischen Vakuum im Nahen Osten nach der Eroberung von Byzanz durch Mehmed II.1453 konnten sich die Osmanen relativ locker durchsetzen.
Auch hier geriet die türkische Vorherrschaft erst über 300 Jahre später ins Wanken. Bis dahin war die Goldene Pforte das Maß der Dinge. Der Prunk der Herrscher von Mehmed II, dem Eroberer von Byzanz und Syleiman dem Prächtigen lag ganz in der byzantinischen Tradition, vielleicht auch in dem 1000 Zimmer Palast des heutigen Herrschers?

Niedergang

Im Russisch-Türkischen Krieg 1768–1774 musste das Osmanische Reich endgültig erkennen, dass es seine imperiale Macht verloren hatte. In der Seeschlacht bei Çezme vernichteten die Russen die vor Anker liegende osmanische Flotte. Im Frieden von Küçük Kaynarca mussten die Osmanen das Krim-Khanat in die „Unabhängigkeit“ entlassen

In Ägypten riss der Statthalter Muhammad Ali Pascha allmählich die Macht an sich und ließ die einflussreichen Mamelucken-Emire liquidieren. Durch eine Reihe von Reformen war Ägypten bald in vielerlei Hinsicht der Zentrale in Konstantinopel überlegen.

Nachdem sich Sultan Mahmud II. geweigert hatte, Muhammad Ali Pascha auch als Statthalter in Syrien einzusetzen, besetzten ägyptische Truppen unter Ibrahim Pascha 1831 Palästina und Syrien und stießen nach einigen Siegen über die Osmanen bei Homs und Konya 1832 nach Anatolien vor.

1838 fühlte sich das Osmanische Reich stark genug, den Kampf gegen die ägyptischen Truppen unter Ibrahim Pascha in Syrien wieder aufzunehmen. Die ägyptischen Truppen besiegten aber die osmanische Armee unter Hafiz Pasha in der Schlacht von Nisibis am 24. Juni 1839. An dieser Schlacht nahm der spätere deutsche Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke als Militärberater bei der türkischen Armee teil. Erst durch die Intervention Großbritanniens, Russlands, Preußens und Österreichs (1840) wurde Muhammad Ali Pascha 1841 gezwungen, Syrien und Palästina wieder zu räumen.

Vielvölkerstaat

Ein zunehmendes Problem für den Vielvölkerstaat der Osmanen war der Nationalismus der sich zunehmend als eigenständige Völker begreifenden Gruppen in den von ihnen besetzten Gebieten. Diese erhoben vehement Anspruch auf Repräsentation in eigenen Staaten. Zunächst erhoben sich 1804 die Serben; bis 1830 erhielten sie eine weitgehende Autonomie.

In den 1820-er Jahren gewann auch Unabhängigkeitsbewegung Griechenlands an Dynamik. Ein besonderes osmanisches Problem in diesem Falle stellten die einflussreichen Griechen in der Verwaltung dar, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten. Im Krieg von 1826 war Mahmud gezwungen, ausgerechnet Truppen des verfeindeten Muhammad Ali Pascha von Ägypten zu Hilfe zu rufen. Trotzdem musste er 1830 Griechenland in die Unabhängigkeit entlassen.

Spielball europäischer Mächte

In der Folge kam es zum sogenannten Krimkrieg (1853–1856), der durch die russische Besetzung der Fürstentümer Walachei und Moldau ausgelöst wurde. Großbritannien, Frankreich und später auch Sardinien-Piemont kämpften auf Seiten der Osmanen.  Es gab Hunderttausende von Toten. Die westliche Koalition scheiterte militärisch auf der Krim. Im Frieden von Paris wurden von beiden Seiten Zugeständnisse gemacht  und die Unverletzlichkeit des Osmanischen Reichs garantiert.

Kurzer Abriss der Geschichte –  Kapitel III: Neuzeit

Syrien und Irak

Beide Staaten entstanden im Ergebnis des ersten Weltkrieges. Die Grenzen wurden von den Siegermächten England und Frankreich gezogen. 1916 wurde Syrien gegründet, 1920 der Irak. An Hand der Karten lässt sich die schachbrettartige Grenzziehung nachvollziehen.

Die Staatenbildung geht auf das geheime  Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 zwischen England und Frankreich zurück, das das Ziel hatte den Nahen Osten nach kolonialen Maßstäben aufzuteilen.

Großbritannien wurde die Herrschaft über ein Gebiet zuerkannt, das insgesamt etwa dem heutigen Jordanien, dem Irak und dem Gebiet um Haifa entspricht. Frankreich übernahm die Herrschaft über die Südost-Türkei, den Nordirak, Syrien und den Libanon. Jedes Land konnte die Staatsgrenzen innerhalb seiner Einflusszone frei bestimmen.
Das später Palästina genannte Gebiet wurde unter internationale Verwaltung gestellt.

Aus heutiger Sicht ist fatal, dass die Araber, denen bei einer Beteiligung am Sturz des Osmanischen Reiches eine eigene territoriale Unabhängigkeit zugesagt wurde, außen vor blieben.

Die Hauptpunkte des Sykes-Picot-Abkommens wurden in der Konferenz von Sanremo bestätigt, auf der die drei Völkerbundmandate beruhen, die am 24. Juli 1922 ratifiziert wurden.

Irak

Im Irak wurde 1921 unter dem Protektorat der Briten eine haschemitische Monarchie etabliert. Faisal Ibn Hussein, der den arabischen Aufstand gegen das osmanische Reich angeführt hatte, wurde am 23. August 1921 König des Irak.

1958 putschte die Armee gegen den 23 Jahre alten König Faisal II. Der Putsch wurde angeführt von dem damaligen Brigadegeneral Abd al-Karim Qasim und dem Oberst Abd as-Sallam Arif. Der König und seine Familie wurden umgebracht, der Premierminister Nuri as-Said, der als Symbolfigur der Bindung an Großbritannien galt, von der aufgebrachten Bagdader Bevölkerung gelyncht.

Die Vereinigung mit Jordanien sowie die Monarchie wurden beendet und die Republik Irak gegründet. Dem Putsch folgten im Sommer 1958 zunächst einige soziale und demokratische Reformen: Es wurde eine neue Verfassung verabschiedet, Parteien und Gewerkschaften zugelassen.

Allerdings kam es zu einem Machtkampf zwischen den beiden Putschisten. Qasim behielt die Oberhand, im September 1958 wurde Arif verhaftet. Qasim führte zunächst die Reformen fort, (Landreform 1958), herrschte aber in der Folge jedoch immer diktatorischer. Binnen kurzer Zeit wurde ein Militärregime errichtet.

1979 übernahm Saddam Hussein die Führung der Baath-Partei und lies sich zum Präsidenten ausrufen. Durch Personenkult und Geheimpolizei wurde er zum Autokraten. Erst führte er den 7-jährigen Golfkrieg gegen den Iran, von den USA mit Waffen unterstützt. Später setzte er Giftgas in Halabscha gegen die Kurden ein.

In seinem Wahn der arabische Führer zu sein, besetzte er Kuweit, um sich dessen Öls zu bemächtigen. Das war der Macht, die sich in einer ihrer drei Säulen der Weltherrschaft auf die Fakturierung in Petrodollars stützt zuviel.

Syrien

Seine heutigen Grenzen erhielt Syrien erst nach dem Ersten Weltkrieg durch die Aufteilung des bis dahin vom Osmanischen Reich beherrschten Arabischen Ostens unter die Siegermächte England und Frankreich.

Mit etwa 21 Millionen Einwohnern war Syrien vor dem Bürgerkrieg ab 2011 nach Ägypten das einwohnerstärkste Land des Nahen Ostens. Seit dem sind fast 10 Millionen Einwohner auf der Flucht.

Mehr als zwei Drittel sind sunnitische Muslime, 12 % schiitische Alawiten, dem auch der Assad-Clan angehört. Die Zahl der Christen ist seit den 20-er Jahren von 30 auf 10% zurückgegangen. Den Rest bilden Jeziden/Kurden, Drusen, Juden und Turkmenen.

Die Geschichte Syriens nach dem Zweiten Weltkrieg stand im Zeichen des arabisch-israelischen Konfliktes. 1949 endete die syrische Teilnahme am Überfall ohne Kriegserklärung auf den auf den  nach UNO Mandat neu gegründeten Staat Israel mit einer schweren Niederlage der arabischen Allianzstreitkräfte unter Führung Syriens.

Nach Aufstieg des Panarabisten Gamal Abdel Nasser in Ägypten hatte Syrien Hoffnungen auf die Schaffung eines gemeinsamen arabischen Staates. Am 1. Februar 1958 wurde dann der Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) bekanntgegeben.

Da die ägyptische Seite von Anfang an dominierte  und die wichtigsten Politikbereiche bestimmte, wuchs die Unzufriedenheit in Syrien. Hinzu traten wirtschaftliche Probleme.

Ein Putsch syrischer Offiziere im September 1961 bedeutete schließlich das Ende der Vereinigten Arabischen Republik von syrischer Seite. Nach einem weiteren Putsch im Mai 1963 erlangte die Baath-Partei zum ersten Mal die Macht in Syrien, die aber in sich zerstritten war.

Hafiz al-Assad

Nach dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg gegen Israel im Juni 1967 und dem Verlust der Golanhöhen folgte eine Phase des Niedergangs. Aus den Machtkämpfen innerhalb der Baath-Partei ging am 16. November 1970 schließlich Hafiz al-Assad als Sieger hervor.

Ein Kennzeichen von Assads Politik war die Unterdrückung der islamistischen Opposition. Es kam in Folge zu Terroranschlägen, die auf das Konto der Muslimbrüder gingen. Nach einem weiteren Anschlag in der Militärakademie 1979, dem 50 alawitische Kadetten zum Opfer fielen, ging die Regierung verschärft gegen die Muslimbrüder vor.

Bereits 1982 kam es tu einem weiteren Aufstand der Muslimbrüdern in Hama. Assad griff rücksichtslos mit Panzern und Luftwaffe ein und es kam zu heftigen Kämpfen. Große Teile der Altstadt wurden zerstört wurden. Etwa 1000 Soldaten und zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten verloren ihr Leben. Danach regierte Assad gestützt auf seiner Armee und Geheimpolizei.

Beziehung zum Iran

Bereits während des ersten Golfkrieges (1980–1988) unterstützte Syrien den Iran gegen den ebenfalls von der Baath-Partei regierten Irak unter Saddam Hussein. Nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait war Syrien militärisch an dessen Befreiung während des zweiten Golfkrieges  unter US-Führung beteiligt.

Nach dem Tod des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad im Juni 2000 wurde am 10. Juli sein zweitjüngster Sohn Baschar al-Assad nach einer Verfassungsänderung bezüglich des Mindestalters eines Präsidenten mit einer Mehrheit von97% zum nächsten Präsidenten gewählt. Unter ihm begann zunächst eine Zeit zaghafter Reformen, die später als Damaszener Frühling,bezeichnet wurde.

Baschar al-Assad hatte in London Medizin (Augenartzt) studiert und galt anfangs als liberal. Das Internet wurde erlaubt und es gab Freilassungen von Gefangenen.
Im Frühjahr 2004 wurden nach Demonstrationen und Zusammenstößen mit den Sicherheitsdiensten hunderte syrische Kurden, darunter auch Kinder, verhaftet und getötet.

Unter der Herrschaft von Baschar al-Assad wurde der Libanon von Syrien teilweise besetzt. Die Invasion endete erst 2005 auf Druck der USA und Frankreichs.

Bodenschätze

Syrien ist ein potentiell reiches Land. Der bedeutendste Bodenschatz ist Erdöl. Daneben spielen in größerem Maße auch Erdgas und Phosphat eine Rolle, in geringerer Menge fördert Syrien auch Eisen, Chrom, Mangan, Asphalt und Steinsalz. Die Küstenlinie und der Norden ist sehr fruchtbar – uraltes Kulturland.

Syrien hatte seit 2002 rund eine halbe Millionen palästinischer Flüchtlinge aufgenommen, Nach dem letzten Irakkrieg waren es nicht weniger, vor allem sunnitische Iraker.

Bürgerkrieg?

Der von wem auch immer angezettelte Bürgerkrieg tobt seit 2011. Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung sind von allen Teilnehmern an der Tagesordnung. Millionen sind auf der Flucht, in Lagern oder auf dem Weg nach Westeuropa. Die dort schon Angekommenen haben die Millionenzahl inzwischen mit Sicherheit überschritten.

Am Himmel von Syrien und Irak tummeln sich die Kampfjet und Bomber, da muss sich Deutschland auch noch mit 6 Aufklärungsflugzeugen beteiligen und sich in das Chaos hineinziehen lassen.

Die falsche Politik des Westens hat eine Hydra geboren. Ihr Name ist IS, eine Mafiaorganisation aus prekären sunnitischen Kämpfern und ausländischen Söldner, die sich aus geklauten Erdöleinnahmen, Wegezöllen und Frauenhandel finanzieren, unterstützt durch den Großmufti im Norden.

Gewöhnlich dient ein Krieg der Durchsetzung politischer Ziele mit militärischen Mitteln. Aber ist gibt gar keine verbindende Ziele und die militärischen Mittel sind ohne massive Bodentruppen eher begrenzt. Was bleibt ist Propaganda!

Willkommen im Jahrtausende alten Schlamassel (jüdischer Begriff) des Nahen Ostens. Oder wie Mubarak gegenüber Bush gesagt haben soll: Sie werden die Pforte zur Hölle öffnen!

Hartmut Dold

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Von der Wiege der Zivilisation zur Wiege des Terrorismus

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