Gegenwart und Geschichte

Bei der Stromerzeugung fällt Wärme an, deshalb kamen schon vor 100 Jahren die Hamburger Elektrizitätswerke auf die Idee, den so erzeugten Dampf in das unweit gelegene Hamburger Rathaus zu transportieren. Auch in Berlin gab es erste Aktivitäten, so leitete anfangs des 20.Jahrhunderts das Kraftwerk Charlottenburg Dampf in das Heizungssystem des Charlottenburger Rathauses ein.

Triebfeder war damals weniger der ökologische Gedanke, der Umweltschutz oder der Effektivitätsaspekt, sondern die schlichte Tatsache, dass die vielen Kohleöfen eine ständige Brandgefahr bedeuteten und der besonders im Winter penetrante Schwefelgeruch, den viele vielleicht noch noch aus der DDR-Zeit kennen, aus der Stadt heraus gelagert werden konnte.

In Berlin sind nach Angaben von Vattenfall derzeit 50 Prozent des ehemaligen Ostteils und 16 Prozent des alten Westberlins mit Fernwärme versorgt. Der Grund für diesen Unterschied liegt darin, dass die DDR einen Mangel an Gas und Öl aber reichlich Braunkohle hatte und diese in ihren Kraftwerken zur Stromgewinnung nutzte. Besonders die in den 70-er und 80-er Jahren im Ostteil erbauten Stadtbezirke Marzahn und Hellersdorf, später auch innerstädtische Bereiche wie der Thälmann-Park, wurden an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Berlin besitzt derzeit das größte Fernwärmenetz Europas. Es umfasst ca.1. 500 Km Rohrleitung und versorgt etwa 600. 000 Wohnungen. Jedes Jahr kommen ungefähr 20. 000 dazu.

Foto HD

Das Gleimviertel soll, von der Stargarder Straße ausgehend, ab 2012 an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Dazu wird die Schönhauser Allee untertunnelt.

In diesem Jahr sind die Gleimstrasse, die Rhinower Straße und die Kopenhagener Straße betroffen. Weitere Bauabschnitte sind geplant werden aber (noch) nicht bekannt gegeben. Offensichtlich geht Vattenfall so vor, dass erst potentielle Abnehmer/Eigentümer angefragt werden und danach eine Abstimmung der Planungen erfolgt.
Insgesamt sollen wohl 17 Mio Euro „verbuddelt“ werden. Die Frage ist wer das bezahlt. Am Ende wohl die Mieter über entsprechende Preise?

Nach Aussagen des Tiefbauamtes, die der Bürgerverein auf Anfrage erhalten hat, ist es nicht die Aufgabe des Amtes derartige Arbeiten zu koordinieren. Das wird spätestens dann zu Problemen führen, wenn auch die Wasserbetriebe mit umfangreichen Sanierungs- und Verlegungsarbeiten beginnen.

Eine Anfrage seitens des Bürgervereins Gleimviertel e.V. liegt den BWB vor, wurde aber noch nicht beantwortet.

Im Bezirksamt/Tiefbauamt weiß man auch nichts, oder wenig!

Hartmut Dold

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Fernwärme in Berlin I: Kleiner Abriss
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Ein Gedanke zu „Fernwärme in Berlin I: Kleiner Abriss

  • 29. Februar 2012 um 15:31
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    Was für ein Armutszeugnis für ein Amt ! Was ist denn die Aufgabe eines Tiefbauamtes wenn nicht die Koordinierung von Straßenbauarbeiten! Da werden ganze Straßenzüge aufgerissen, die Anwohner werden quasi einen Tag vor Baubeginn von der ausführenden Baufirma bruchstückhaft per Handzettel informiert, müssen dann monatelang mit den Bauarbeiten leben und das Tiefbauamt tut so, als hätte es nichts damit zu tun. Ich bin entsetzt über so eine Art von Amtsausübung. Ist das die vielgerühmte Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung an Großprojekten? Selbst wenn es für eine angeblich „gute“ Sache ist (wie HD schon schreibt, über den ökonomischen oder ökologischen Nutzen von Fernwärme kann man streiten), werden die Bürger und Bürgerinnen mal wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Vielen Dank liebes Bezirksamt !

    Rainer Stern
    Anwohner

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