Bombardierung in Kundus

Offiziell führt die US-Luftwaffe in Afghanistan nur noch Ausbildungsflüge durch. Ob es zum Ausbildungsprogramm gehört Krankenhäuser zu bombardieren darf bezweifelt werden. Trotzdem wurde ein Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ in Kundus bombardiert. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte.

In Kundus, der Stadt im Norden Afghanistans mit über 300.000 Einwohnern, waren bis vor wenigen Monaten Bundeswehreinheiten stationiert, die Deutschland am Hindukusch verteidigt haben. Die Klinik wurde mit ihrer Hilfe aufgebaut.

Jetzt hat ein Ein AC-130-Flugzeug der US-Armee das Krankenhaus bombardiert. Mindestens 22 Menschen wurden getötet und Viele verletzt.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen war schon in vielen Kriegen im Einsatz, sie kennt die Risiken. Daher teilt sie immer allen Konfliktparteien mit, wo genau sich ihre Hilfszentren befinden. Das hat Ärzte ohne Grenzen auch in Kundus getan, mehrfach in den vergangenen Monaten und mit genauen GPS-Koordinaten aller Gebäude. Trotzdem wurde das Krankenhaus der Hilfsorganisation bei dem Bombardement gleich mehrmals getroffen.

Selbst nachdem amerikanische und afghanische Militärs in Kabul und in Washington über einen ersten Treffer informiert wurden, sei der Bombenangriff auf die Gebäude noch mehr als 30 Minuten lang weitergegangen, teilte die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ mit.

Sie verlangt jetzt Aufklärung darüber, was genau passiert sei und wie es zu diesem furchtbaren Ereignis habe kommen können. Diese Attacke sei eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts, sagte Meinie Nicolai, die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, in einer Mitteilung. „Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als ‚Kollateralschaden‘ abgetan wird.“

Dem gegenüber sprach der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung von einem „tragischen Vorfall“. Eine volle Untersuchung sei in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange. „Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme.“

Das ist wirklich sehr tröstlich!

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Luftangriff scharf verurteilt. Wie sein Büro mitteilte, forderte er zugleich eine „gründliche und unabhängige Untersuchung“, um festzustellen, wer verantwortlich sei.

Wenn die Untersuchungen und Prüfungen abgeschlossen sind kräht kein Hahn mehr in den Medien ob der Toten. Bleibt die Frage nach dem Sinn des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr.

Hartmut Dold

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Unentschuldbar?!

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