Aus dem Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans 1-64a

Bezüglich des Gleimtunnels verweist der Planentwurf auf angeblich ungeklärte Eigentumsverhältnisse. Wegen der Sanierungskosten erkennt weder die Bahn AG noch die CA Immo als Rechtsnachfolgerin der Liegenschaften die Eigentümerschaft an. Das hindert aber keinen daran, den Abriss der 10,5 Meter langen verklinkerten Stützmauer zu fordern.

Wir zitieren deshalb aus dem Planentwurf:

I.2.3  Geltungsbereich und Eigentumsverhältnisse

Es ist unklar, ob die Deutsche Bahn AG – als Nachfolgerin der früheren Eisenbahngesellschaften– oder die CA Immo Deutschland GmbH–als Rechtsnachfolger des früheren Eisenbahnvermögens – Eigentümerin der südlich an den Geltungsbereich angrenzenden ehemaligen Eisenbahnbrücken (Gleimtunnel) ist; keines der  beiden Unternehmen erkennt die Eigentümerschaft derzeit an.

Bezüglich der gewidmeten Straßenfläche der Gleimstraße, die Teil des Flurstücks 353 (vormals Teilfläche des Flurstücks 346) ist, wird davon ausgegangen, dass sie sich im Eigentum der CA Immo Deutschland GmbH befindet.

I.2.8  Denkmalschutz

Am südlichen Rand des Plangebietes, überwiegend außerhalb des Geltungsbereichs, befindet sich der Gleimtunnel, d. h. die Brückenkonstruktion über die Gleimstraße, die als Baudenkmal in die Denkmalliste Berlin eingetragen ist (OBJ-Dok-Nr.: 09065204, Eisenbahnbrücke 1903 1904, Umbau 1908-1911, Bauingenieur Zabinski Königliche Eisenbahndirektion).

1903/04 wurden die Flächen im Norden des Bahnhofs aufgeschüttet, um die Durchführung
einer öffentlichen Straße zu ermöglichen und damit die Trennwirkung der Bahnanlagen ab-
zumildern. Mit dem Bau der 130 m langen Unterführung unter den Gleisen des Güterbahn-
hofs und der Verlängerung der Gleimstraße entstand eine direkte Verbindung zwischen den
dicht besiedelten Stadtvierteln beiderseits der Bahnanlagen.

Die Anlage besteht aus acht Stahlbrücken, die auf Pendelstützen, gusseisernen Säulen mit
korinthischem Kapitell, ruhen. Die lange, beidseitige Reihung von Stützen führt zur charakteristischen Dreiteilung des Straßenraums unter den Brücken; auch  das  ursprüngliche Straßen- und Gehsteigpflaster ist noch erhalten. Die  einzelnen Brücken sind überwiegend mit Abdeckblechen verbunden, so dass der Eindruck eines „Tunnels“ entsteht. Die äußere Begrenzung des Straßenraums bilden knapp 2,5 m starke Widerlager, die gelb verklinkert sind und einen Granitsockel aufweisen.

Das  Brückenbauwerk des Gleimtunnels hat nach Angaben des Landesdenkmalamtes verkehrs- und ortsgeschichtliche sowie ingenieurbautechnische und  künstlerische Bedeutung. Der Tunnel sei in seiner Gesamtheit und Vollständigkeit einzigartig und ein seltenes Objekt eines eisenbahntechnischen Bauwerks.

Innerhalb des Geltungsbereichs des Bebauungsplans befindet sich westlich des Brückenbauwerks eine etwa 10,5  m lange denkmalgeschützte  Stützmauer, die die  Böschung des Bahndamms an der Gleimstraße abfängt.

Die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks Mitte hat in ihrem Schreiben vom 20.02.2014  die denkmalrechtliche Erlaubnis zum Abriss dieses Mauerabschnitts erteilt.

Das servile Verhalten von Denkmalschutzbehörden kennt man bereits. Mucken sie auf, wie beim Magnushaus, werden sie von der Politik abgebürstet. Kein Ruhmesblatt für die Behörde, aber noch weniger für die Entscheider und für die Demokratie.

Hartmut Dold

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Gleimtunnel und Denkmalschutz

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