Empirische Wahrnehmungen und Assoziationen

Das Kastensystem ist aus Indien bekannt. Es steht für die Undurchlässigkeit zwischen sozialen Schichten. Und es hat entfernte Ähnlichkeit mit dem Stände- und Zünftesystem im Deutschen Mittelalter – aber das ist nicht unser Thema. Es geht um die Flüchtlinge und das Prekariat.

Das Indische Kastensystem unterschiedet 3 Hauptklassen:

  1. Brahmanen – Priester, Gelehrte
  2. Kshatriyas – Fürsten, Krieger, höhere Beamte
  3. Vaishyas – Bauern, Kaufleute

Darunter stehen zwei weitere: Die Shudras – Knechte und Dienstleister und die Unberührbaren, die Parias.

Nicht Hindus, also Ausländer oder Flüchtlinge wurden erst gar nicht hinzugezählt.

Das indische Kastensystem hat seinen Ursprung im vedischen Zeitalter und dem Aufkommen des Reitervolkes der Arya (Arier), die nach dem Zerfall der Indushochkulturen den Subkontinent dominierten. Nomen est omen?

In Deutschland der heutigen Zeit ist das Kastensystem moderner, ein bisschen durchlässiger aber nicht unbedingt im Zustand der Osmose.

Einschlägige Bildungsberichte weisen aus, dass der Zugang zu höheren Qualifikationen zunehmend vom Bildungs- und Statuszustand der Eltern abhängt. Das war schon einmal viel besser.

Was immer man im Nachhinein über das Bildungssystem der DDR sagen mag, die soziale Durchlässigkeit vor vorbildlich, die Bildung und soziale Empathie der Lehrer hoch. Das Problem war die politische Indoktrinierung von Lehrern und Schülern. Ich habe seinerzeit das Bildungssystem der DDR viel negativer bewertet als heute.

Zurück zum Kastensystem. Es unterscheidet sich heutzutage vom indischen Modell in seiner Geringschätzung des Geistlichen. Soweit Priester nicht Erzbischöfe oder Bischöfe sind, werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung und Wirkmächtigkeit eher nicht zur führenden Schicht gerechnet.

Eigentlich interessieren uns die oberen Schichten eher weniger. Das System könnte vielleicht so aussehen:

  • Milliardäre und Großaktionäre
  • Ihre Abkömmlinge, die Managerkaste, Vorstände
  • Die Politikerkaste auf Bundes-und Länderebene
  • Verbände und Lobbyisten
  • Der gehobene Stand der Freiberufler, Topanwälte, Chefärzte usw.
  • Mittelständler
  • Höhere Beamte …

Diese Liste könnte locker weitergeführt und ergänzt werden, ähnlich den insgesamt 22 Indischen Kasten. Aber das ist nicht unser Thema.

Was uns interessiert ist die Frage:

Was passiert bei den Unberührbaren, den Parias am unteren Rand der Gesellschaft und was mit den hunderttausenden Flüchtlingen, die jetzt gekommen sind und weiter kommen werden. Die standen in Indien sogar außerhalb jeglicher sozialer Klassifizierung.

Werden jetzt die Parias gegen Asylanten ausgespielt?

Der Mindestlohn von 8.50 Euro gilt für Hartz IV Bezieher und einige andere prekär Beschäftigte nicht. Sie haben zunehmend Probleme bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auf der anderen Seite wird geplant, das bisherige Verbot, Asylbewerber und Geduldete z.B als Leiharbeiter einzusetzen, aufzuheben. Die stehen in der sozialen Rangliste in der Regel aber noch vor den Langzeitarbeitslosen und Hartz IV Empfängern.

Dieses Ausspielen von Existenzängsten ist gewissenlos und wird uns noch auf die Füße fallen.

Inzwischen hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der das Asylrecht verschärfen und Fehlanreize vermeiden soll. In den Flüchtlingsunterkünften soll verstärkt auf Sach- an Stelle von Geldleistungen umgestellt werden.

Die sogenannten Dublin-Flüchtlinge sollen nur noch eine Rückfahrkarte und eine Wegzehrung erhalten – und so veranlasst werden, sich wieder in den Staat zu begeben, den sie in der EU als erstes betreten haben.

Sie werden künftig, „ausschließlich eine Reisebeihilfe zur Deckung des unabweisbaren Reisebedarfs“ erhalten. Einen Anspruch auf ein Bett oder ein Dach über dem Kopf und der Anspruch auf medizinische Betreuung entfällt, heißt es in dem Referentenentwurf, der im Oktober zur Abstimmung kommen soll.

Refugees Welcome! Die dunkle und die helle Seite Deutschlands?

P.S.: Indien hat schon jetzt einen Grenzzaun gegenüber Bangladesch gebaut, der den der Ungarn weit übertrifft. Sollten die 160 Mio Einwohner dieses Landes durch den Anstieg des Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung geflutet werden, beiben sie an den Zäunen hängen oder ertrinken.

Nicht ausgeschlossen sind Wanderungsbewegungen aus Indien in den Westen. Ein Teil der Pakistanis ist schon unterwegs. Wer beschäftigt sich eigentlich mit dem Thema? Hier geht es nicht um Hunterttausende sondern um X-Millionen Flüchtlinge.

Hartmut Dold

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Die Einführung des Kastensystems in Deutschland?

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