Weiteres Opfer der Gentrifizierung

Die Jagd geldgieriger Vermieter um immer höhere Renditen hat zu einem neuen Opfer geführt. Am 13. August hat der langjährige Mieter Caspar Oehlschlegel im Haus Kuglerstraße 14 im Prenzlauer Berg den Freitod gewählt. Er war dem psychischen Druck nicht mehr gewachsen.

Gestern, am 3.September 2015, haben Freunde und Bekannte in einer Mahnwache seiner gedacht. Wie die Prenzelberger Stimme heute berichtet, „ging dem ein jahrelanger Rechtsstreit um Modernisierungskosten voraus, die zu tragen er nicht in der Lage war.“

Wie die Initiatoren der Mahnwache berichteten,“ brach der Eigentümer mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers und einer Gruppe von weiteren sieben Personen Oehlschlegels Wohnungstür auf, um die Modernisierung durchzusetzen.“

Schon am darauffolgenden Tag, so die Initiatoren, erhöhte der Vermieter die Miete um 50 Prozent. Das sowie die vorher aufgebaute Drohkulisse durch den Eigentümer und seiner Rechtsanwältin, war für den Künstler und Hörspielautor Zuviel.

Wir kennen das Haus Kuglerstraße 14 durch eine Fotoserie über Jugendstilhäuser im Prenzlauer Berg. Gegenüber in der Nr.11 gibt es das Café Treffpunkt der Heilsarmee und etwas weiter oben liegt das Paul-Gerhardt-Gemeindehaus, der Hintereingang zur evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in der Wisbyer Straße.

Mich bedrückt, dass in meiner Nachbarstraße sich ein Mensch das Leben genommen hat, weil er die Miete nicht mehr zahlen kann. Ich kann mich noch erinnern, dass vor Jahren ein Mordanschlag auf die Mieter des Eckhauses Greifenhagener/Ecke Wichertstraße verübt wurde. Der Besitzer hatte die Gasleitung manipuliert und war erwischt worden.

Im Falle Kopenhagener Straße 46 sieht es ja so ähnlich aus. Allerdings hat der Mieter hier Strafanzeige gestellt. In welcher Welt leben wir eigentlich oder besser: In welcher Welt wollen wir eigentlich leben?

Hartmut Dold

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Mahnwache für toten Mieter

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