„I Have A Stream“

Wir haben uns schon zeit länger Zeit gefragt was das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit den GEZ Zwangsgebühren macht. Allein 2014 kamen rund 8 Milliarden Euro zustande. In seinem Buch: „I Have A Stream“ plädiert der Autor B. Seliger für die Abschaffung der teuren „Kitschfabriken“.

In einem Interview mit Reinhard Jellen hat er seine Ansichten in Kurzfassung bei Telelopolis dargelegt. Seine Bewertung wird von Begriffen wie Kitschfernsehen, Propagandashow und Ideologiemaschine geprägt.

In besagtem Interview gibt Seliger auf die Frage hin, ob das öffentlich-rechtliche Fernsehen die gesellschaftliche Realität annähernd adäquat abbildet, zu Protokoll:

„Natürlich bildet das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Realität nicht annähernd ab. Wenn das Luhmannsche Diktum stimmt, nach dem wir das, was wir über unsere Gesellschaft und über die Welt wissen, durch die Massenmedien erfahren, dann muss man sich damit auseinandersetzen, welche Realität das Fernsehen überhaupt anbietet – und wie sie erzeugt wird.

Tatsache ist, dass das sogenannte öffentlich-rechtliche Fernsehen eine unpolitische Märchenwelt transportiert. Es zeigt nicht, was in der Politik oder in der Gesellschaft geschieht, und es erklärt nichts.

Und es bildet in dem Sinne auch nicht die Realität ab, als in den Fernsehfilmen nur Ober- und Mittelschicht, nicht aber die Unterschicht oder das Prekariat vorkommen – es sei denn stilisiert und stereotypisiert.

Die Kitsch- und Märchenwelt, die das deutsche Staatsfernsehen durch Firmen wie Degeto darstellt, beinhaltet nicht die Realität und bietet nichts, was den Leuten, die in dieser Realität zu leben haben, auf irgendeine Weise weiterhelfen könnte.

Das Interessante dabei ist, dass es für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ja ein Gesetz gibt, in dem die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eindeutig geregelt sind: den Rundfunkstaatsvertrag. Dort steht, dass die Angebote der „Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen“ haben und Beiträge „insbesondere zur Kultur“ anbieten sollen.

Diese Kriterien werden eindeutig nicht erfüllt – einzig das vierte Kriterium, nämlich Unterhaltung, wird permanent und drastisch übererfüllt. Wir haben es also beim öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen eigentlich mit einem ständigen Gesetzesverstoß zu tun“.

In seinem Buch „I Have A Stream“ belegt der Autor durch zahlreiche Beispiele seine Behauptungen.

Wenn wir solche Beiträge oder Bücher lesen, überprüfen wir sie erst mal an Hand unserer eigenen Lebenswirklichkeit. Man muss nicht alle Thesen von Seliger teilen aber der Grundvorwurf gegenüber dem ÖRF stimmt:

-Es ist trivial und kitschig
-Es ist Staatsfernsehen
-Es bildet die Meinung der Parteien ab
-Es ist nicht objektiv
-Es ist zu teuer und schläfert ein

Internet statt Fernsehen?

Viele, vor allem Jüngere, informieren sich deshalb nur noch aus dem Internet. Das politische Fernsehen mit seinen Großnachrichten nehmen manche nur noch als politisches Kabarett war oder verzichten ganz darauf. Was bleibt ist die Sportberichterstattung in seiner unsäglichen Kommerzialisierung.

Gerade jetzt läuft wieder eine Kampagne im Fernsehen über die Blogger oder Retweeter, die sich über die einseitige Propaganda beschweren. Die werden in bestimmte Ecken wie Putintrolle oder Schlimmeres abgedrängt. Dafür ist sich kein Format zu schade. (TTT letzte Woche, zum x-ten mal aufgewärmt).

Wir haben auch unsere Erfahrungen mit dem Staatsfernsehen der DDR. Alternativlos haben wir uns damals durch solche Sendungen wie Monitor und Report informiert. Das war auch nicht ganz propagandafrei aber wenigstens gut recherchiert.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Kritik

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