Erste Konsequenzen auch in Finnland

Finnland gilt als einer der konsequentesten Unterstützer Deutschlands in dessen Austeritätspolitik. Jetzt ist ihnen aufgefallen, dass sie selbst auch große Probleme haben. Die jetzige Regierung plant deshalb, die übliche neoliberale Agenda: Abbau von Sozialleistungen, Kampf gegen Gewerkschaften und Steuererhöhungen.

Blaupause

Es wird immer offensichtlicher, dass die Behandlung Griechenlands eine Blaupause für andere EU-Staaten ist. Die in der Griechenlandkrise besonders von Deutschland gezeigten Folterinstrumente verfehlen ihre Wirkungen nicht.

In Spanien wurden Gesetze beschlossen, die das Versammlungsrecht einschränken und Zuwiderhandelnde mit hohen Strafen bedrohen, wie zuletzt in der Franco-Diktatur. Die paramilitärischen Einheiten der Polizei werden proportional aufgerüstet.

Im einstigen Musterschüler Finnland sollen in vorausübendem Gehorsam Gesetze auf den Weg gebracht werden, die auch dort zur Verarmung führen werden.

Vom Muster- zum Prügelknaben?

Bis vor drei Jahren ging es der finnischen Wirtschaft gut. Es gab ein moderates Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosenzahlen hielten sich in Grenze. Jetzt liegen sie bei knapp 10 Prozent und das Leistungsbilanzdefizit Finnlands ist seit 3 Jahren mit wachsender Tendenz im Minus.

Gegenwärtig steht Finnland im globalen Wettbewerbs-Ranking noch gut dar.

Im Doing-Buisiness-Report der Weltbank steht es auf Platz 9 von 189 Ländern, noch vor Investorenparadiesen wie Schweden, Deutschland, Irland oder der Schweiz. Das World Economic Forum setzt Finnland in seiner Global-Competitiveness-Liste sogar auf Platz 4 vor Deutschland, Japan und Hongkong.

Aber wie lange noch?

Leider macht das Land seit einiger Zeit die Erfahrung, dass alle Wettbewerbsfähigkeit nichts hilft, wenn die Wirtschaft anderer Länder noch stärker wächst und deren Produktivität der eigenen Volkswirtschaft den Boden entzieht.

Haben sich erst einmal die Hedgefonds, Großspekulanten, Ratingagenturen und Währungsschieber auf ein Land eingeschossen, können sie es, begleitet von medialen Rummel wie im Falle Griechenland, leicht zur Strecke bringen.

So weit ist Finnland gegenwärtig noch nicht, aber es könnte für den Finanzimperialismus interessant sein, einen Testballon in Richtung Norden der EU zu starten.

In Finnland regiert derzeit eine Konservative Regierung in Koalition mit der rechtspopulistischen Partei der Wahren Finnen und den Liberalen. Da ist es nur konsequent harte soziale Einschnitte zu fordern und den Gewerkschaften zu drohen.

Beispiel Nokia

Bis wenigen Jahren war Nokia das finnische Vorzeigeunternehmen, das mit Zulieferern fast 25 Prozent des finnischen Exportvolumens erwirtschaftete.

Dann kamen die Kostenoptimierer. Ihr erstes Opfer wurde das Werk in Bochum. Mehrere Tausend Angestellte verloren ihre Arbeit. Den Aufschrei deutscher Politiker haben wir noch im Ohr.

Eingedampft wurde auch die Entwicklungsabteilung. Nokia wurde wegen der billigeren Löhne nach Rumänien ausgelagert. Wegen der mangelnden Effizienz ging es weiter nach Südostasien.

Gut, es gibt noch einige Käufer für die Nokia-Lumia Handys mit Microsoft-Software, aber Nokia ist kein finnischer Konzern mehr sondern wurde von Microsoft 2014 aufgekauft. Zweifel für das Überleben sind angesichts der Marktstellung, von Apple und der koreanischen und chinesischen Konkurrenz angebracht.

Gibt es Lehren?

Eigentlich ja! Finnland war und ist durch sein von der DDR kopiertes Bildungssystem seit Jahren Spitzenreiter in allen PISA-Studien. Das konnte einem Technologiekonzern wie Nokia zum Welterfolg verhelfen.

Im Wettlauf um Kostenoptimierung und Billiglohn hat es die falschen Weichen gestellt. Rohstoffe außer Holz/Papier gibt es keine.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das Land zu Kreditaufnahmen gedrängt wird. Dann geht möglicherweise das Fünf-Millionen-Volk den schweren Gang der Griechen, auf die sie bisher herabgesehen haben.

Und Deutschland?

Rohstoffe haben wir auch keine. Das Niveau unserer Bildung hängt auch wegen des Förderalismus hinter Finnland hinterher.

Der Kostenvorteil Deutschlands liegt in mittelständisch geführten Unternehmen, die ihre Innovationen durch motivierte und entsprechend bezahlte Mitarbeiter, gutes Marketing, der Präzens auf internationalen Messen und dem Qualitätssiegel „Made in Germany“ verteidigen.

Fällt ein Sack Reis in China um, wie es gegenwärtig anhand der Börsendaten in Shanghai und Shenzhen aussieht, kriegen die deutschen Autobauer heiße Höschen.

Den Wettlauf um billigere Löhne kann Deutschland niemals gewinnen. Der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums hat ihnen einige Jahre Luft verschafft. Irgendwann und möglichst schnell wird es Zeit, dass auch wir unsere Hausaufgaben machen. Sonst wird uns die Wallstreet ähnlich wie den Griechen die Leviten lesen.

Geld schläft nicht! Und Gier und Angst regieren die Welt?

Hartmut Dold

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Greift die Europakrise weiter um sich?

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