Das Protektorat von Griecheland?

Am 13.07.2015 haben sich die Verhandlungsparteien in Brüssel nach einem17-stündigen Marathon auf ein Ergebnis geeinigt. Juncker spricht von einem Kompromiss, bei dem es keinen Sieger geben könne. Dafür aber viele Verlierer? War es ein schwarzer oder ein guter Tag für Europa?

Pyrrhussieg

Gemeinhin bezeichnet ein Pyrrhussieg einen zu teuer erkauften Erfolg. Im Unterschied zur Methapher des Historikers Diodor und zu Plutarch, wonach der König der Mollosser Pyrrhus den Spruch getätigt haben soll „Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren!“ stehen Sieger und Besiegte im Drama der Gegenwart noch nicht endgültig fest. Eine erste Auflistung der Verlierer ist aber schon jetzt möglich.

Verloren haben:

1. das Verhältniss zwischen Frankreich und Deutschland
2. das Ansehen von Deutschland in der Welt
3. das griechische Volk
4. die griechische Souveränit
5. die Demokratie
6. die europäische Idee

Gewonnen haben:

– Börsenspekulanten?
– die griechische Oberschicht?
– Immobilienhaie?
– Raubritter, die als Investoren daher kommen werden?

Vielleicht sollte man nicht soweit gehen wie der amerikanische Wirtschaftnobelpreisträger Paul Krugman, der in einer ersten Bewertung davon sprach, dass das Vorgehen der Eurogruppe in seiner Strenge an „schiere Rachsucht, in kompletter Zerstörung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe“, erinnere. („#thisisacoup“) „Es ist vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht annehmen kann – nichtsdestotrotz ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte“.

Man muss nur einige Stichworte nennen, um das zu verstehen. Der Beschluß von Brüssel zwingt Griechenland bis Mittwoch dazu, Gesetze zu erlassen, die das griechische Volk weiter massiv verarmen lassen. Einen Schuldenschnitt wird es im Gegenzug nicht geben, nur die Möglichkeit einer weiteren Prolongierung der Schulden eingeräumt.

Es soll ein „Treuhandfonds“ eingerichtet werden. 50 Mrd.Euro griechischer Aktiva (Staatseigentum) sollen kapitalisiert werden (Verkauft), um ausschließlich den Schuldendienst zu bedienen. Die Entscheider sitzen nicht in Athen!

Irgendwie erinnert dieses Modell an das der „Treuhandanstalt“ nach der Wende. Das Ergebnis ist bekannt. Massenarbeitslosigkei, Bereicherung, Ausverkauf. Mir stehen immer noch die spärlichen Haare zu Berge.

Der Unterschied zu damals ist höchstens der, dass die Griechen die Massenarbeitslosigkeit schon jetzt haben und Armut auch.

Es fällt auf, dass die Wahrnehmung des faulen(?) Kompromisses in den Medien sehr unterschiedlich ist: Empörung und Sarkasmus in der Netzgemeinde, verhaltener Jubel an der Börse und in den deutschen Massenmedien.

Siehe auch: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45428/1.html

Hartmut Dold

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Pyrrhussiege – aber für wen?
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