Zur Geschichte der Staatspleiten in Europa

Das Thema ist heute, wo Griechenland vor dem Grexit steht, mehr als aktuell. Trotzdem kann es interessant sein, den Blick auch mal zurück zu richten, um vom hohen Ross der Selbstgerechtigkeit herunterzukommen. Dann erscheint die mögliche Staatspleite Griechenlands nächste Woche vielleicht in einem anderen Kontext.

Pleiteneuropameister der letzten 200 Jahre sind Spanien und Deutschland

Neben dem Pleiteeuropameister Spanien liegt Deutschland an zweiter Stelle. Spanien hat in seiner Geschichte bereits 13-mal den Bankrott erklären müssen. Deutschland sieben mal.

Darin ist die Hyperinflation 1922/23 nicht eingerechnet, weil sich der Staat damals an den Konten der Sparer bedient hatte und viele von ihnen in den Ruin trieb. Die Enteignung des Kleinbürgertums darf zu Recht als eine der Ursachen des kommenden Nationalsozialismus gelten.

Sechs der Sieben Pleiten erfolgten in der Abfolge von Kriegen. Bekanntlich war Deutschland darin auch Europameister.

Genau genommen ging im 19. Jh. nicht Deutschland pleite sondern seine Vorgängerstaaten, da das Deutsche Reich erst 1871 gegründet wurde.

1807 und 1813 erwischte es Preußen, 1812 Westfalen und 1814 Hessen. Alles im Gefolge der Napoleonischen Kriege. Schleswig-Holstein wurde im Zusammenhang mit dem Deutsch-Dänischen Krieg insolvent. Und 1932 war Deutschland im Ergebnis der Weltwirtschaftskrise zahlungsunfähig ebenso am Vorabend des 2.Weltkrieges 1939, was einer seiner Gründe war.

Soziale Auswirkungen

Die sozialen Auswirkungen der Pleite von 1932 sind literarisch gut dokumentiert. In seinem Roman „Kleiner Mann – Was nun?“ beschreibt Rudolf Ditzen unter dem Pseudonym Hans Fallada, den sozialen Abstieg während der Weltwirtschaftskrise in eindringlicher Form. Von einem anderen Ansatz her erzählt Alfred Döblin in „Berlin Alexanderplatz“ die Geschichte seines Protagonisten Franz Biberkopf in drastischen Bildern.

Das unverschuldete Elend großer Teile der griechischen Bevölkerung wird immer greifbarer. Was wird passieren wenn die griechischen Banken am kommenden Montag nicht mehr öffnen? Wird dann ein Charity-Bus des Vizekanzlers in XXL-Format den Griechen Medikamente bringen? Vielleicht mit der Aufschrift: SPD für Europa – wir sind solidarisch?

Wir werden sehen.

Hartmut Dold

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Eine Pleite mehr oder weniger?

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