Griechen eiskalt abserviert!

Gestern standen wir noch am Abgrund. Heute sind wir schon darüber hinaus. Diese Abwandlung eines bekannten Aphorismus umschreibt die gegenwärtige Situation um Griechenland. Durch die Ankündigung eines Referendums in Griechenland nächste Woche fühlen sich die Gläubiger brüskiert. Game over?

Es sieht so aus, und das ist keine gute Nachricht für die Griechen und die europäischen Steuerzahler.

Was ist passiert?

Alexis Tsipras möchte das letzte Angebot der Gläubiger dem griechischen Volke überantworten. Dabei hat er einen taktischen Fehler gemacht.

  • 1. Die Befragung hätte mindestens 1 Woche vorher geschehen müssen, um den berechtigten Vorwurf der bekannten Fristen zu entkräften und:
  • 2. Die Frage an das griechische Volk hätte lauten müssen: Lehnt ihr die bisherigen Vorschläge der Gläubiger ab oder stimmt ihr ihnen zu. Wenn nicht: Habe ich euer Mandat für weitere Verhandlungen notfalls bis zum Grexit?

So ist das Referendum mit der Syriza Empfehlung der Ablehnung sinnlos, wenn die Gläubiger vorab erklären: Das war’s! Tsipras hat sich verdribbelt und die Mainstreammedien können nun ungehemmt ihre Interpretationen verbreiten.

wo bleibt die Demokratie?

Mit Demokratie hat das alles nichts zu tun. Wenn es für die Eurotechnokraten unerträglich ist 1 Woche auf eine Volksabstimmung zu warten, was blüht uns noch?

Das „letzte“ Angebot der Gläubiger findet man hier. Es ist in Terminologie und Art und Weise, nach welchem Zeitplan das letzte Angebot entschieden und umgesetzt werden soll, eine einzige Demütigung des Schuldners. Kein Wunder, dass es abgelehnt wurde.

Letztendlich sind es die alten TROIKA Vorschläge, deren Umsetzung Griechenland geschadet hat. Mehrwertsteuererhöhung, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes (gibt es den überhaupt noch?), weitere Kürzung der Renten und das in einer Situation, in der der Einzelhandel am Boden liegt – absurd!

Natürlich werden alle, die behaupten, dass von vorn herein die soziale/sozialistische SYRIZA Partei abserviert werden sollte, als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden.

Wie es aussieht, haben sich die neoliberalen, konservativen und marktradikalen Kräfte in Europa durchgesetzt. Man möchte die Arbeitskräfte immer billiger machen. Es ist ein Beispiel für Borniertheit, Ignoranz und Arroganz der herrschenden Eliten. Und es könnte das Ende eines Europas sein, das durch die Kriegserfahrung zweier Weltkriege geprägte visionäre Politiker einst suchten.

Bereits ab Montag werden dem Volke die Eisen gezeigt. Die griechischen Banken bleiben diese Woche zu. Die EZB hat ihre ELA Kredite eingefroren. Die Gläubiger möchten Griechenland aus dem Euro drägen. Aber so einfach ist es nicht.

Vergleiche auch: http://www.gleimviertel.de/archives/26218

siehe auch: http://misik.at/2015/06/mein-griechenland-eine-reise-ins-innere-von-syriza/

Hartmut Dold

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Ende mit Schrecken?

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